25.05.2018, 12:08 Uhr

Seoul (AFP) Nordkorea trotz Trumps Gipfel-Absage weiter zu Dialog mit den USA bereit

Nordkorea nach Gipfelabsage durch Trump weiter gesprächsbereit. Quelle: AFP/Archiv/Mandel NGAN, - (Foto: AFP/Archiv/Mandel NGAN, -)Nordkorea nach Gipfelabsage durch Trump weiter gesprächsbereit. Quelle: AFP/Archiv/Mandel NGAN, - (Foto: AFP/Archiv/Mandel NGAN, -)

Internationale Aufrufe zu erneuten Gesprächen über Denuklearisierung Koreas

Nach der Absage des Gipfeltreffens mit Machthaber Kim Jong Un durch US-Präsident Donald Trump hat Nordkorea die Tür zu einem Dialog offen gehalten. Nordkorea sei weiter "jederzeit" zu Gesprächen bereit, erklärte Vize-Außenminister Kim Kye Gwan am Freitag laut staatlicher Nachrichtenagentur KCNA. China forderte von beiden Seiten "guten Willen". Die Bundesregierung bedauerte die Absage ebenfalls, forderte aber zugleich internationalen Druck auf Nordkorea.

"Wir teilen den USA nochmals unsere Bereitschaft mit, sich jederzeit und in jeder Form persönlich zusammenzusetzen, um das Problem zu lösen", erklärte der nordkoreanische Vize-Außenminister. Trumps Entscheidung sei "unerwartet" gekommen und "zutiefst bedauerlich".

US-Außenminister Mike Pompeo telefonierte nach Angaben des Außenministeriums in Seoul am Freitag mit seinem südkoreanischen Kollegen Kang Kyung Wha. Demnach sprach sich Pompeo dafür aus, dass sich beide Länder weiter darum bemühen sollten, "Bedingungen zu schaffen", die Gespräche mit Pjöngjang ermöglichten.

Trump hatte das für den 12. Juni in Singapur geplante Gipfeltreffen mit Nordkoreas Machthaber Kim am Donnerstag abgesagt und stattdessen eine Fortsetzung seiner Politik des "maximalen Drucks" und der Sanktionen gegen Pjöngjang angekündigt. Trump begründete den Schritt in einem Brief an Kim mit der "offenen Feindseligkeit", die Pjöngjang zuletzt zum Ausdruck gebracht habe. Wenn Kim seine Meinung ändere, solle er jedoch "nicht zögern, mich anzurufen oder zu schreiben".

Die Absage erfolgte, kurz nachdem Nordkorea in einem als Zeichen des guten Willens dargestellten Schritt sein Atomtestgelände Punggye Ri unbrauchbar gemacht hatte.

Der südkoreanische Präsident Moon Jae In sprach von einem "schockierenden und sehr bedauerlichen" Schritt Trumps und beriet sich in Seoul mit seinen Sicherheitsexperten und Wiedervereinigungsminister Cho Myoung Gyon. Dieser erklärte, Südkorea werde sich weiterhin für eine Verbesserung der Beziehungen zum Norden einsetzen. Nordkorea erwecke den Eindruck, es ernst zu meinen und Fortschritte bei der Denuklearisierung erzielen zu wollen.

China, der wichtigste Verbündete Nordkoreas, warb nach Trumps Absage ebenfalls für eine Fortsetzung des Dialogs. Außenamtssprecher Lu Kang forderte die USA und Nordkorea am Freitag in Peking auf, weiter Geduld und "guten Willen" zu zeigen. Die Entschärfung der Lage auf der koreanischen Halbinsel sei "hart erarbeitet", der Prozesses zur Beilegung des Konflikts eine "seltene historische Chance". Ein Gipfeltreffen zwischen Nordkorea und den USA könne dabei eine "wichtige Rolle" spielen, hob Lu hervor.

Japan, das der Annäherung zwischen den USA und Nordkorea zurückhaltend begegnet war, stellte sich hingegen hinter Trump. "Ich respektiere die Entscheidung von Präsident Trump und unterstütze sie", sagte Regierungschef Shinzo Abe.

Die Bundesregierung rief Nordkorea auf, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass "der in Ansätzen geknüpfte Dialogfaden wieder aufgenommen werden kann". Nordkorea habe die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel durch sein Atomwaffenprogramm verursacht und daher müsse bis zu seiner vollständigen Denuklearisierung "der internationale Druck auf Pjöngjang aufrechterhalten werden", sagte eine Regierungssprecherin in Berlin.

Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron sagte bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Russlands Präsident Wladimir Putin, er hoffe, dass "der Prozess der Nichtweiterverbreitung" fortgesetzt werde. Putin bedauerte die Absage und sagte, Moskau habe auf "einen Beginn der Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel" gehofft.

Der frühere deutsche Botschafter in Washington, Wolfgang Ischinger, sagte der "Bild"-Zeitung, Trump trete "erneut als Meister des Störens und Zerstörens auf". Joel Wit, Gründer der renommierten Website "38 North", die sich mit Nordkorea befasst, kommentierte auf Twitter: "In einem Wettbewerb, wer der unberechenbarste Führer ist, schlägt Präsident Trump Kim Jong Un um Längen."


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