24.05.2018, 05:01 Uhr

Seoul (AFP) Nordkorea verschärft Rhetorik und droht erneut mit Gipfel-Absage


Trump erwartet Klarheit kommende Woche - China pocht auf Treffen

Nordkorea hat die Rhetorik gegenüber den USA wieder verschärft und erneut mit einer Absage des geplanten Gipfeltreffens mit US-Präsident Donald Trump gedroht. Die nordkoreanische Vize-Außenministerin Choe Son Hui bezeichnete jüngste Äußerungen von US-Vizepräsident Mike Pence am Donnerstag als "ignorant und dumm", wie die staatliche Nachrichtenagentur KCNA berichtete. US-Außenminister Mike Pompeo hatte zuvor betont, er erwarte von Nordkorea Klarheit über das geplante Spitzentreffen.

"Ich kann meine Verwunderung über solche ignoranten und dummen Äußerungen aus dem Mund des US-Vizepräsidenten nicht zurückhalten", hieß es in der von KCNA verbreiteten Erklärung Choes. "Wir werden die USA weder um einen Dialog anflehen noch die Mühen auf uns nehmen, sie zu überzeugen, wenn sie sich nicht mit uns zusammensetzten wollen", erklärte Choe. Sie werde Machthaber Kim Jong Un empfehlen, den Gipfel abzusagen, sollte Washington weitere derartige Drohungen äußern.

Pence hatte Kim in einem am Montag veröffentlichten Interview gewarnt, er solle Trump nicht herausfordern. Dies wäre ein "großer Fehler". Pence warnte außerdem, Nordkorea könne wie Libyen enden, wenn Kim keinen "Deal" mache. Der ehemalige libysche Machthaber Muammar al-Gaddafi war Jahre nach der Aufgabe seiner Atomwaffen im Zuge von Luftangriffen einer internationalen Militärallianz entmachtet und getötet worden.

Das historische Gipfeltreffen zwischen Trump und Kim ist eigentlich für den 12. Juni in Singapur geplant. US-Außenminister Pompeo sagte am Mittwoch in Washington, die Entscheidung für oder gegen den Gipfel liege "letzten Endes beim Vorsitzenden Kim". Er verwies darauf, dass es Kim gewesen sei, von dem die Initiative ausgegangen sei. "Er hat um das Treffen gebeten, der Präsident hat zugestimmt", sagte Pompeo. Er hoffe darauf, "dass das Treffen zustande kommt", sagte der Minister.

Trump sagte seinerseits in Washington, er erwarte die endgültige Entscheidung über das Treffen für kommende Woche. "Falls wir fahren, dann wäre das eine tolle Sache für Nordkorea", sagte er im Weißen Haus. Am Vortag hatte Trump eine Verschiebung des Gipfels nicht ausgeschlossen. "Wenn es nicht passiert, passiert es vielleicht später", hatte er gesagt.

Nach Wochen der plötzlichen Entspannung und des überraschenden Einlenkens hatte Nordkorea zuletzt auch deshalb damit gedroht, die Begegnung platzen zu lassen, weil die USA eine "einseitige" Aufgabe des nordkoreanischen Atomprogramms forderten.

Trump hatte zuletzt nahe gelegt, dass Chinas Staatschef Xi Jinping eine Rolle dabei gespielt haben könnte, dass Kim das geplante Gipfeltreffen zuletzt in Frage stellte.

Chinas Außenminister Wang Yi sagte bei einem Treffen mit Pompeo in Washington am Mittwoch, er hoffe, dass der Gipfel von Trump und Kim wie geplant stattfinde und erfolgreich sei. "Wenn Sie Lösungen wollen, ist jetzt die Zeit dafür, wenn Sie Frieden wollen, ist jetzt die Zeit dafür, wenn Sie Geschichte schreiben wollen, ist jetzt die Zeit dafür", sagte Wang. Trump und Kim hätten "die Weisheit, die richtige Entscheidung zu treffen, Frieden auf die koreanische Halbinsel zu bringen und gute Nachrichten für die Welt".

China halte die Denuklearisierung der Koreanischen Halbinsel für "notwendig", fügte Wang hinzu. Zugleich müssten aber legitime Sicherheitsinteressen Nordkoreas in Betracht gezogen werden.

Die Vereinten Nationen hoben am Mittwoch Reiseverbote für die nordkoreanischen Beamten auf, die an dem geplanten Gipfel in Singapur teilnehmen sollen. Singapur hatte das Sanktionskomitee des UN-Sicherheitsrates in der vergangenen Woche um entsprechende Ausnahmen gebeten.

Unterdessen kündigte das russische Außenministerium eine Reise von Ressortchef Sergej Lawrow nach Nordkorea an. Das genaue Datum werde bald bekannt gegeben, teilte eine Ministeriumssprecherin mit. Russischen Medienberichten zufolge ist der Besuch in Pjöngjang für den 31. Mai terminiert. Lawrow hatte im April seinen nordkoreanischen Kollegen Ri Yong Ho in Moskau empfangen.


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