22.05.2018, 17:20 Uhr

Brüssel (AFP) Zuckerberg entschuldigt sich nach Facebook-Datenaffäre im Europaparlament

Facebook-Chef Zuckerberg Anfang Mai in Kalifornien. Quelle: AFP/Archiv/JOSH EDELSON (Foto: AFP/Archiv/JOSH EDELSON)Facebook-Chef Zuckerberg Anfang Mai in Kalifornien. Quelle: AFP/Archiv/JOSH EDELSON (Foto: AFP/Archiv/JOSH EDELSON)

Parlamentspräsident Tajani warnt vor Manipulation künftiger Wahlen

Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat sich bei seiner Anhörung im EU-Parlament zur Affäre um die Weitergabe der Daten von Millionen Nutzern entschuldigt und eine Verbesserung des Schutzes persönlicher Informationen angekündigt. Facebook habe "nicht genug getan, um zu verhindern, dass die von uns entwickelten Instrumente auch dafür verwendet werden zu schaden", sagte Zuckerberg am Dienstagabend in Brüssel. "Das war ein Fehler, und es tut mir leid."

Facebook hat eingeräumt, dass Daten von bis zu 87 Millionen Nutzern bei der britischen Firma Cambridge Analytica gelandet sind. Sie sollen unter anderem unerlaubt für den Wahlkampf des heutigen US-Präsidenten Donald Trump ausgeschlachtet worden sein. Daten britischer Bürger sollen zudem für eine Pro-Brexit-Kampagne missbraucht worden sein. In Europa waren laut Facebook bis zu 2,7 Millionen Nutzer betroffen.

Parlamentspräsident Antonio Tajani warnte ausdrücklich vor der Manipulation künftiger Wahlen. Das Geschäftsmodell vieler Online-Dienste sei zwar, kostenlose Dienste gegen persönliche Daten anzubieten, sagte der Italiener. "Demokratie darf aber nie eine Marketingoperation werden, bei der jeder, der Daten kauft, einen politischen Vorteil kauft."

"Ob es um Fake News geht, ausländische Beeinflussung bei Wahlen oder Entwickler, die Informationen der Menschen missbrauchen - wir haben unsere Verantwortung nicht breit genug gesehen", erklärte Zuckerberg. Das Netzwerk sei aber dabei, besser zu werden. Dies hätten auch die Wahlen in Frankreich und Deutschland gezeigt. Facebook arbeite inzwischen mit den Regierungen zusammen und teile "Informationen über Bedrohungen in Echtzeit".

Zuckerberg kündigte gleichfalls an, die Zahl der Mitarbeiter, die sich mit Fragen von Schutz und Sicherheit beschäftigen, auf "mehr als 20.000 bis zum Ende des Jahres" zu verdoppeln. Darüber hinaus habe Facebook inzwischen tausende Apps daraufhin überprüft, ob sie unzulässigerweise Nutzerdaten abgriffen. "Mehr als 200" seien von dem Unternehmen bereits gesperrt worden.

Die Nutzer sollten künftig zudem mehr Kontrolle über ihre Datenschutzeinstellungen bekommen, sagte Zuckerberg. Dafür führe Facebook auch einen neuen Browser ein, bei dem der Verlauf der Aktivität in dem Online-Netzwerk gelöscht werden könne.

Im April hatte Zuckerberg schon dem US-Kongress zu der Affäre Rede und Antwort gestanden. Ins Europaparlament wollte er zunächst einen Vertreter schicken. Auf Druck aus Brüssel kam er nun persönlich. Anders als geplant findet die Anhörung durch die Fraktionsspitzen nun auch nicht hinter verschlossenen Türen statt, sondern wird im Internet übertragen.


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