22.05.2018, 18:54 Uhr

Brüssel (AFP) Zuckerberg bleibt in Brüssel viele Antworten zur Facebook-Datenaffäre schuldig

Zuckerberg (l.) mit EU-Parlamentspräsident Tajani. Quelle: AFP/JOHN THYS (Foto: AFP/JOHN THYS)Zuckerberg (l.) mit EU-Parlamentspräsident Tajani. Quelle: AFP/JOHN THYS (Foto: AFP/JOHN THYS)

Parlamentspräsident Tajani warnt vor Manipulation künftiger Wahlen

Eine Entschuldigung und und viele offene Fragen: Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hat am Dienstag im Europaparlament zur Affäre um den möglichen Missbrauch der Daten von Millionen Nutzern Stellung genommen. Der 34-Jährige wurde dabei von Vertretern der Fraktionen mit dutzenden Fragen bombardiert und lieferte letztlich wenig Antworten. EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani zeigte sich insbesondere über die Möglichkeit der Manipulation künftiger Wahlen in Europa beunruhigt.

Facebook habe "nicht genug getan, um zu verhindern, dass die von uns entwickelten Instrumente auch dafür verwendet werden zu schaden", sagte Zuckerberg. "Das war ein Fehler, und es tut mir leid." Er wiederholte damit eine Entschuldigung aus einer Anhörung im US-Kongress im April zu der Affäre.

Facebook hat eingeräumt, dass Daten von bis zu 87 Millionen Nutzern bei der britischen Firma Cambridge Analytica gelandet sind. Sie sollen unter anderem unerlaubt für den Wahlkampf des heutigen US-Präsidenten Donald Trump ausgeschlachtet worden sein. Daten britischer Bürger sollen zudem für eine Pro-Brexit-Kampagne missbraucht worden sein. In Europa waren laut Facebook bis zu 2,7 Millionen Nutzer betroffen.

Das Geschäftsmodell vieler Online-Dienste sei zwar, kostenlose Dienste gegen persönliche Daten anzubieten, sagte Parlamentspräsident Antonio Tajani. "Demokratie darf aber nie eine Marketingoperation werden, bei der jeder, der Daten kauft, einen politischen Vorteil kauft."

"Ob es um Fake News geht, ausländische Beeinflussung bei Wahlen oder Entwickler, die Informationen der Menschen missbrauchen - wir haben unsere Verantwortung nicht breit genug gesehen", räumte Zuckerberg ein. Das Netzwerk sei aber dabei, besser zu werden. Dies hätten auch die Wahlen in Deutschland gezeigt. Facebook arbeite inzwischen mit den Regierungen zusammen und teile "Informationen über Bedrohungen in Echtzeit".

Dabei setzt Facebook mit weltweit 2,2 Milliarden Nutzern verstärkt künstliche Intelligenz ein. Durch solche Instrumente seien etwa bei den Wahlen in Frankreich bereits "mehr als 30.000 falsche (Nutzer-)Konten" entdeckt worden, sagte Zuckerberg. Er kündigte aber auch an, die Zahl der Mitarbeiter, die sich mit Fragen von Schutz und Sicherheit beschäftigen, bis Jahresende auf "mehr als 20.000" zu verdoppeln.

Zudem habe Facebook inzwischen tausende Apps daraufhin überprüft, ob sie unzulässigerweise Nutzerdaten abgriffen. "Mehr als 200" seien bereits gesperrt worden. Die Daten von Cambridge Analytica stammten aus einer App, mit der über psychologische Tests Persönlichkeitsprofile erstellt werden konnten.

Die Nutzer sollten künftig zudem mehr Kontrolle über ihre Datenschutzeinstellungen bekommen, sagte Zuckerberg. Dafür führe Facebook "bald" die Möglichkeit ein, den Verlauf der Aktivität in dem Online-Netzwerk wie in einem Internet-Browser zu löschen.

Zuckerberg hatte zunächst nur einen Vertreter ins EU-Parlament schicken wollen. Auf wochenlangen Druck aus Brüssel kam er nun persönlich. Anders als ursprünglich geplant wurde die Anhörung nun auch öffentlich im Internet übertragen.

Der liberale Fraktionsvorsitzende Guy Verhofstadt versuchte Zuckerberg persönlich an seine Verantwortung zu erinnern. "Wie möchten Sie in Erinnerung bleiben?", fragte er und nannte als positives Beispiel Apple-Gründer Steve Jobs. "Oder als ein Genie, das ein digitales Monster erschaffen hat, das unsere Demokratien und unsere Gesellschaften zerstört?"

Eine Antwort bekam er nicht - wie viele andere Abgeordnete, deren ausführliche Fragen den Großteil der vorgesehenen Zeit einnahmen. Zuckerberg verwies nach rund anderthalb Stunden darauf, dass die Zeit nun um sei. "Ich stelle sicher, dass wir uns darum kümmern und Sie dazu Antworten bekommen", sagte der Facebook-Chef und ging.


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