20.05.2018, 09:42 Uhr

Berlin (AFP) Gündogan und Özil nach Treffen mit Erdogan von Steinmeier empfangen

Gündogan, Özil und Steinmeier. Quelle: Bundesregierung/AFP/Guido Bergmann (Foto: Bundesregierung/AFP/Guido Bergmann)Gündogan, Özil und Steinmeier. Quelle: Bundesregierung/AFP/Guido Bergmann (Foto: Bundesregierung/AFP/Guido Bergmann)

Bundespräsident: "Heimat gibt es auch im Plural"

Nach der Kritik an ihrem Treffen mit dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan haben sich die beiden Fußball-Nationalspieler Mesut Özil und Ilkay Gündogan um Schadensbegrenzung bemüht. Sie trafen sich am Samstag mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, um "entstandene Missverständnisse aus dem Weg zu räumen", wie Steinmeier erklärte. Auch mit der DFB-Spitze und Bundestrainer Joachim Löw sprachen die beiden türkischstämmigen Spieler.

Özil und Gündogan "haben den Wunsch geäußert, mich zu besuchen", erklärte Steinmeier auf Facebook. "Wir haben lange gesprochen, über Sport, aber auch über Politik."

Der Bundespräsident betonte, die Geschichte der beiden Spieler spiegle wider, was er in seiner Rede zum Tag der Deutschen Einheit gesagt habe: "Heimat gibt es auch im Plural. Ein Mensch kann mehr als eine Heimat haben, und neue Heimat finden."

Özil habe zu ihm gesagt, er sei in Deutschland aufgewachsen "und stehe zu meinem Land". Gündogan habe erzählt: "Meine Familie stammt aus Dursunbey. Ich bin in Gelsenkirchen geboren. So wie die Heimat meiner Eltern auch ein Stück Heimat für mich ist, so ist Deutschland heute eindeutig mein Land und mein Team."

Gündogan schrieb auf Twitter, wegen der Kritik an seiner Begegnung mit Erdogan in London habe er einen Urlaub in Dubai unterbrochen. "Der Bundespräsident wollte auch meine Sichtweise verstehen. Ich habe ihm gesagt, dass ich mich zu Deutschland und der deutschen Nationalmannschaft bekenne, aber durch meine Familie auch eine türkische Seite in mir habe."

Özil und Gündogan, die für die englischen Spitzenclubs Arsenal London und Manchester City spielen, hatten sich am Wochenende zuvor mit Erdogan in London getroffen und sich mit ihm fotografieren lassen. Gündogan hielt dabei ein hellblaues Manchester-Trikot mit der Nummer acht hoch, auf dem auf Türkisch stand: "Mit großem Respekt für meinen Präsidenten."

Das Treffen mit Erdogan, der wegen seines repressiven Vorgehens gegen die Opposition und der Einschränkung der Menschenrechte in der Türkei international in der Kritik steht, löste in Deutschland eine Welle der Empörung aus. Viele Politiker unterschiedlicher Parteien warfen Gündogan und Özil vor, mit ihrem Treffen im Vorfeld der Präsidentschaftswahl in der Türkei am 24. Juni deutsche Werte missachtet zu haben.

Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Reinhard Grindel, kritisierte, die beiden Nationalspieler hätten sich für ein "Wahlkampfmanöver missbrauchen" lassen. Bundestrainer Löw sagte, das Treffen der beiden Spieler sei "keine glückliche Aktion" gewesen.

Nach dem Treffen mit den beiden Spielern sagte Löw am Samstag der ARD, es sei ein "sehr, sehr gutes Gespräch gewesen". Er denke, "dass wir jetzt so langsam über andere Themen reden können". DFB-Chef Grindel erklärte, es verdiene "Respekt und Anerkennung", dass Özil und Gündogan persönlich die Irritationen hätten ausräumen wollen. Beide hätten versichert, dass sie mit dieser Aktion kein politisches Signal senden wollten.

Gündogan erklärte auf Twitter, es habe ihn "sehr getroffen, mir vorwerfen zu lassen, dass ich unsere Werte nicht respektiere". Er sei "ein deutscher Staatsbürger, der die Nationalhymne singt". "Aber was für mich viel wichtiger ist: Meine Kinder werden in diesem Land leben, das meiner Familie eine faire Chance gegeben hat."


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