19.05.2018, 16:21 Uhr

Havanna (AFP) Staatstrauer in Kuba nach Flugzeugabsturz mit mehr als hundert Toten

Das Wrack der abgestürzten Maschine. Quelle: AFP/Adalberto ROQUE (Foto: AFP/Adalberto ROQUE)Das Wrack der abgestürzten Maschine. Quelle: AFP/Adalberto ROQUE (Foto: AFP/Adalberto ROQUE)

Unglücksursache noch unklar

Nach dem Flugzeugabsturz in Kuba hat am Samstag eine zweitägige Staatstrauer begonnen. Die Flaggen wurden landesweit auf Halbmast gesetzt. Bei dem Unglück waren am Freitag 107 Menschen ums Leben gekommen, drei Frauen überlebten schwer verletzt. Die Unglücksursache war unklar. Nach Angaben von Präsident Miguel Díaz-Canel wurden Ermittlungen eingeleitet.

Am Samstagmorgen warteten rund 40 Angehörige von Opfern vor dem gerichtsmedizinischen Institut in Boyeros, unweit des Flughafens. "Meine Frau Elsa Buitriago hat vier Mitglieder ihrer Familie verloren: ihre Mutter, ihre Schwester, einen Schwager und einen Neffen, alle aus Holguín", sagte der 48-jährige Jorge Leiva.

In den sozialen Netzwerken wurden Fotos der Opfer des Fluges DMJ0972 veröffentlicht. Im Krankenhaus Calixto Garcia in Havanna blieb der Zustand der drei schwerverletzten Kubanerinnen, die das Unglück überlebten, besorgniserregend. Ihr Zustand sei "stabil, aber immer noch kritisch", verlautete aus Krankenhauskreisen. Die Frauen hätten schwere Verbrennungen erlitten, Verletzungen an der Lunge und im Unterleib sowie zahlreiche Knochenbrüche.

Die Boeing 737-200 war am Freitag kurz nach ihrem Start in Havanna mit 104 Passagieren und sechs Besatzungsmitgliedern abgestürzt. Der Inlandsflug sollte ins 670 Kilometer östlich gelegene Holguín gehen. Kurz nach dem Abheben stürzte sie auf ein Feld in der Nähe des Flughafens José Marti. Das Flugzeug wurde fast vollständig zerstört.

Ob die Blackbox der Unglücksmaschine gefunden wurde, war zunächst unklar. Die mexikanische Luftfahrtbehörde kündigte die Entsendung von Spezialisten an, die bei den Ermittlungen helfen sollten. Auch der Flugzeughersteller Boeing stellte zur Unterstützung der kubanischen Behörden ein Team von Technikern bereit.

Die staatliche Fluggesellschaft Cubana de Aviación hatte die Maschine samt Besatzung von der mexikanischen Airline Global Air, auch bekannt als Aerolíneas Damojh, gechartert. Das Flugzeug war laut Global Air 1979 gebaut worden und zuletzt im November in der Inspektion gewesen.

Die Fluggesellschaft teilte in Mexiko-Stadt mit, dass sechs mexikanische Besatzungsmitglieder an Bord gewesen seien. Laut kubanischen Staatsmedien handelte es sich bei den meisten Absturzopfern um Kubaner. Da die Behörden keine Passagierliste veröffentlichten, war die genaue Zahl von Ausländern an Bord unklar. Nach Angaben des argentinischen Außenministeriums waren zwei Argentinier unter den Toten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sendete ein Kondolenztelegramm an Präsident Díaz-Canel: Die Nachricht vom Absturz einer Passagiermaschine habe sie "mit tiefer Trauer erfüllt", erkärte Merkel. Auch die Regierungen mehrerer lateinamerikanischer Länder sowie der russische Staatschef Wladimir Putin kondolierten. Papst Franziskus bat die kubanische Kirche, den trauernden Familien in seinem Namen zu kondolieren.

Augenzeugen zufolge war die Maschine abgestürzt, als sie die erste Kurve flog. Der 21-jährige Yasniel Diaz sagte, der Pilot habe offenbar noch eine Notlandung machen wollen, dies aber nicht mehr geschafft. Die folgende Explosion habe "alles erschüttert", sagte Diaz.

Die Nachricht von dem Absturz sorgte auch in Mexiko für Erschütterung. In der Hauptstadt Mexiko-Stadt versammelten sich besorgte Kollegen und Angehörige von Mitarbeitern vor dem Sitz von Global Air. Einige weinten und hielten sich in den Armen. "Ich war mit dem Captain befreundet, mit dem Co-Pilot", sagte die 44-jährige ehemalige Angestellte Ana Marlene Covarrubias.

Zuletzt war in Kuba im April 2017 ein Transportflugzeug der Armee mit acht Menschen an Bord abgestürzt. 2010 waren beim Absturz einer Maschine der kubanischen Fluggesellschaft Aerocaribbean im Zentrum des Landes 68 Menschen ums Leben gekommen, darunter 28 Ausländer.


0 Kommentare