13.05.2018, 21:44 Uhr

Paris (AFP) Tödliche Messerattacke im Herzen von Paris erschüttert Frankreichs Hauptstadt

Polizei und Ermittler am Tatort in Paris. Quelle: AFP/Geoffroy VAN DER HASSELT (Foto: AFP/Geoffroy VAN DER HASSELT)Polizei und Ermittler am Tatort in Paris. Quelle: AFP/Geoffroy VAN DER HASSELT (Foto: AFP/Geoffroy VAN DER HASSELT)

Ein Passant tot - Islamistischer Angreifer von Polizei erschossen

Paris ist erneut von einem islamistischen Anschlag erschüttert worden: In einem Ausgehviertel nahe der Oper griff ein 20-jähriger Islamist am Samstagabend Passanten mit einem Messer an und tötete einen 29-jährigen Franzosen. Vier weitere Menschen wurden verletzt. Der Attentäter wurde von der Polizei erschossen; der in Tschetschenien geborene Franzose Khamzat Azimov war dem französischen Geheimdienst als radikaler Islamist bekannt. Seine Eltern und ein Freund wurden am Sonntag verhört.

Der Täter ging kurz vor 21.00 Uhr in der Rue Monsigny mit einem Messer mit zehn Zentimeter langer Klinge auf Passanten los. Der Angreifer habe bei seiner Tat "Allah Akbar" (arabisch für: "Gott ist der Größte") gerufen, teilte die Staatsanwaltschaft unter Berufung auf mehrere Zeugenaussagen mit. Zu diesem Zeitpunkt waren in dem Viertel im Stadtzentrum viele Menschen unterwegs. Die Gegend ist wegen ihrer vielen Bars, Restaurants und Theater beliebt.

Zwei der Opfer - ein 34-jähriger Luxemburger und eine 54-jährige Frau - wurden nach Polizeiangaben mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht. Zwei weitere Passanten erlitten leichtere Verletzungen. Laut Innenminister Gérard Collomb sind alle vier inzwischen außer Lebensgefahr.

Die Pariser Anti-Terror-Staatsanwaltschaft übernahm die Ermittlungen. Azimov wuchs nach Angaben aus Ermittlerkreisen mit seiner Familie im Straßburger Stadtteil Elsau auf, in dem viele Tschetschenen leben. 2010 erhielt er die französische Staatsangehörigkeit, wie ein Regierungssprecher mitteilte.

Seine Eltern wurden am Sonntagmorgen in Gewahrsam genommen, ihre Wohnung in Paris wurde in der Nacht durchsucht. Es seien aber "keine belastenden Gegenstände" gefunden worden, hieß es aus Ermittlerkreisen.

In Straßburg wurde am Sonntag ein Freund des Angreifers festgenommen, wie aus Justizkreisen verlautete. Der Verdächtige ist demnach wie der Angreifer Jahrgang 1997. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung wurden ein Mann mit einem T-Shirt mit der Aufschrift "Defend Grozny" (Verteidigt Grosny) und dem Bild einer Kalaschnikow darauf sowie ein weiterer Mann abgeführt.

Azimov war nicht vorbestraft, wurde aber laut Ermittlungskreisen seit 2016 in der sogenannten "Akte S" geführt. Diese enthält Namen von mehr als 10.000 Menschen, die Hälfte von ihnen radikale Islamisten oder Menschen mit möglichen terroristischen Verbindungen. Eher wegen seiner Kontakte als wegen "seines eigenen Verhaltens" tauchte A. auch in einer Liste möglicher Gefährder auf.

Präsident Emmanuel Macron erklärte im Kurzbotschaftendienst Twitter: "Erneut hat Frankreich einen Blutpreis zahlen müssen, es wird sich den Feinden der Freiheit aber nicht beugen."

Nach Polizeiangaben ging der Angreifer mit dem Messer auf herbeigeeilte Polizisten los. Einer von ihnen habe zunächst eine Elektroschock-Waffe gegen den Angreifer eingesetzt. Ein weiterer Beamter habe dann zwei Schüsse abgegeben, die den Angreifer tödlich getroffen hätten.

Zahlreiche Augenzeugen berichteten über die Bluttat in dem beliebten Ausgehviertel. "Ich war auf der Café-Terrasse und hörte drei oder vier Schüsse", berichtete die 47-jährige Gloria. "Die Kellner sagten, wir müssten schnell reinkommen. Als ich wieder rausgegangen bin, sah ich einen Mann am Boden liegen."

Die Dschihadistenmiliz IS beanspruchte die Tat für sich, wie das auf die Überwachung islamistischer Internetseiten spezialisierte US-Unternehmen SITE aus einem Bekennerschreiben zitierte. Der IS verbreitete außerdem ein Video, in dem mutmaßlich der Angreifer der Dschihadistenmiliz die Treue schwört.

Tschetschniens Präsident Ramsan Kadyrow schrieb derweil Frankreich die "gesamte Verantwortung" für Azimovs Tat zu. Der Mann sei zwar in Tschetschenien geboren, "seinen Charakter, seine Meinungen und Überzeugungen" habe er aber in der französischen Gesellschaft gebildet, erklärte Kadyrow in Grosny.

In Paris hatte es in den vergangenen Jahren wiederholt tödliche Anschläge gegeben, die vielfach islamistisch motiviert waren. Bei diesen Angriffen starben seit 2015 nun schon 246 Menschen.


0 Kommentare