11.05.2018, 11:10 Uhr

Berlin (AFP) Wasserwirtschaft warnt vor erheblich steigenden Trinkwasserpreisen

Wasserhahn in einem Wasserwerk. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Nicolas Armer (Foto: dpa/AFP/Archiv/Nicolas Armer)Wasserhahn in einem Wasserwerk. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Nicolas Armer (Foto: dpa/AFP/Archiv/Nicolas Armer)

Gülle und Dünger belasten Grundwasser - Aufbereitung teuer

Die Wasserwirtschaft warnt wegen hoher Nitratbelastung vor erheblich steigenden Preisen für Trinkwasser. "Wenn sich die gängige Düngepraxis nicht ändert, könnten erhebliche Mehrkosten auf die Verbraucher zukommen", erklärte der Hauptgeschäftsführer des Energie- und Wasserwirtschaftsverbands BDEW, Martin Weyand, am Freitag in Berlin. Die Grünen forderten strengere gesetzliche Regelungen für den Einsatz von Gülle, Pestiziden und Medikamenten.

In einigen Regionen könnte Trinkwasser um bis zu 62 Prozent teurer werden, warnte BDEW-Hauptgeschäftsführer Weyand. Denn die zunehmende Verschmutzung des Grundwassers erfordere eine immer kostenintensivere Trinkwasseraufbereitung. Für einen Dreierhaushalt könnte dies die durchschnittliche Jahresrechnung von 217 Euro auf 352 Euro steigen lassen.

Das Umweltbundesamt (UBA) hatte vor knapp einem Jahr bereits vor Preissteigerungen von bis zu 45 Prozent gewarnt. Gerade in Gebieten mit landwirtschaftlich intensiv genutzten Flächen sei das Grundwasser häufig durch zu viel Stickstoff belastet, erklärte die Behörde. Ursache seien Gülle und Mineraldünger.

Wie das UBA verwies auch BDEW-Hauptgeschäftsführer Weyand am Freitag auf den EU-Bericht zur Nitratbelastung der Wasserressourcen. Demnach wird im Schnitt an 28 Prozent der Messstationen in Deutschland der Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter überschritten.

Mit Blick auf die Überalterung der Gesellschaft und einen steigenden Prokopfverbrauch an Medikamenten forderte Wyand zudem die Arzneimittelhersteller auf, umweltschädliche Wirkstoffe nach Möglichkeit zu ersetzen. Verbraucher sollten ihre alten Medikamente sachgerecht über den Haus- oder Sondermüll entsorgen, riet er.

Die Grünen-Bundestagsfraktion forderte, Trinkwasser "als unser wichtigstes Lebensmittel" besser zu schützen. Die Bundesregierung lasse zu, dass Gülle, Dünger und Medikamente ins Trinkwasser gelangten und treffe keine Vorsorge, monierte der Grünen-Verbraucherexperte Markus Tressel.

Er kritisierte unter Berufung auf Zahlen des Statistischen Bundesamts auch, dass die Kosten für Trinkwasser zwischen 2005 und 2016 deutschlandweit um mehr als 25 Prozent gestiegen seien - in manchen Bundesländern sei der Preisanstieg sogar noch deutlich höher ausgefallen. Besonders in den Jahren 2014 bis 2016 sei die Aufbereitung von Trinkwasser im Vergleich zu den Vorjahren deutlich teurer geworden.

BDEW und der Verband Kommunaler Unternehmen (VKU) wiesen dies zurück: Die Statistiker legten demnach bei ihren Berechnungen im Jahr 2014 einen neuen Musterhaushalt mit höherem Wasserverbrauch zugrunde. Bei gleicher Bemessungsgrundlage habe sich der Wasserpreis zwischen 2005 und 2016 so nur um 17,2 Prozent erhöht - also entlang der Inflationsrate, die in dem Zeitraum 17,4 Prozent betrug.

Der VKU machte zudem geltend, dass ein Vergleich der Wasserpreise verschiedener Versorgungsgebiete grundsätzlich schwierig sei. Abhängig sei er unter anderem von der Beschaffenheit des Geländes, von den vorhandenen Ressourcen oder von der Besiedlungsdichte. "Wasserpreisvergleiche ohne die regionale unterschiedlichen strukturellen, rechtlichen und naturräumlichen Rahmenbedingungen sagen nichts darüber aus, ob der Trinkwasserpreis angemessen ist", sagte ein Verbandssprecher.


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