11.05.2018, 05:08 Uhr

Jerusalem (AFP) Internationale Gemeinschaft fordert Israel und Iran zur Zurückhaltung auf


UN-Generalsekretär warnt vor "Flächenbrand"

Nach der beispiellosen Konfrontation zwischen Israel und iranischen Einheiten in Syrien hat die internationale Gemeinschaft zur Zurückhaltung aufgerufen. Jegliche Provokationen müssten vermieden werden, "um einen neuen Flächenbrand in einer bereits jetzt in schreckliche Konflikte verwickelten Region zu verhindern", forderte UN-Generalsekretär Antonio Guterres am Donnerstag. Israel und der Iran erklärten derweil, einen neuen Konflikt in der Region vermeiden zu wollen.

Guterres forderte ein "sofortiges Ende aller Feindseligkeiten". Der UN-Sicherheitsrat müsse die Lage wachsam verfolgen und seinen Verpflichtungen nach der UN-Charta nachkommen, erklärte Guterres. Eine Dringlichkeitssitzung wurde bislang nicht einberufen.

Israels UN-Botschafter Danny Danon forderte Guterres und den Sicherheitsrat indes zu einer Verurteilung der mutmaßlichen iranischen Raketenangriffe auf die Golanhöhen auf. Das "aggressive Handeln des Iran" müsse verurteilt werden. Zudem müsse der Sicherheitsrat den Iran auffordern, sich militärisch aus Syrien zurückzuziehen.

Die israelische Armee hatte in der Nacht zum Donnerstag ihre bislang größte Militäroffensive auf mutmaßliche iranische Ziele in Syrien gestartet. Nach israelischen Angaben reagierte das Militär damit auf iranische Angriffe auf israelische Stellungen auf den besetzten Golanhöhen.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu rechtfertigte das Vorgehen mit dem Überschreiten einer "roten Linie" durch Teheran. "Unsere Reaktion war die Konsequenz", sagte Netanjahu in einem im Online-Dienst Twitter veröffentlichten Video. "Unsere Politik ist klar. Wir werden dem Iran nicht erlauben, sich militärisch in Syrien zu etablieren."

Der israelische Verteidigungsminister Avigdor Lieberman erklärte, die Armee habe in Syrien "nahezu die gesamte iranische Infrastruktur" beschossen. Er hoffe, dass die "Episode" nun vorbei sei und "jeder verstanden" habe. Israel wünsche keine Eskalation.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte am Donnerstag, im Nahen Osten gehe es derzeit "wahrlich um Krieg und Frieden". In einer gemeinsamen Erklärung mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron rief sie "zu Besonnenheit und Deeskalation" auf.

Bei einem Telefonat mit dem iranischen Präsidenten Hassan Ruhani verurteilte Merkel die "iranischen Angriffe auf israelische Militärstellungen auf den Golanhöhen". Die Bundeskanzlerin habe Teheran aufgefordert, "zur Deeskalation in der Region beizutragen", erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert.

Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes erklärte, die mutmaßlichen iranischen Raketenangriffe seien eine "schwere Provokation, die wir auf das Schärfste verurteilen". Israel habe "ein Recht auf Selbstverteidigung".‎ Es sei "entscheidend", dass es jetzt nicht zu einer "weiteren Eskalation" komme.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow rief während des Besuchs seines deutschen Kollegen Heiko Maas (SPD) in Moskau zum Dialog zwischen Israel und dem Iran auf. Russland habe Israel aufgefordert, nichts zu unternehmen, was "als Provokation angesehen" werden könne. Dies sei einen Tag vor den Angriffen geschehen.

Das Weiße Haus verurteilte unterdessen die "provozierenden Raketenangriffe des iranischen Regimes gegen israelische Bürger von Syrien aus". Zugleich erklärte es seine Unterstützung für Israels Recht auf Selbstverteidigung.

Der britische Außenminister Boris Johnson rief den Iran und Israel auf, "jegliche Eskalation zu vermeiden". Zugleich verurteilte er "in aller Schärfe die iranischen Angriffe".

Ruhani sagte in dem Telefonat mit Merkel, er wolle keine "neuen Spannungen" im Nahen Osten. Auf die israelischen Angriffe in Syrien sowie die Angriffe auf israelische Stellungen im Golan ging er aber nicht ein.

Der Vorsitzende des Außenausschusses des iranischen Parlaments, Allaeddin Borudscherdi, verurteilte indes die israelischen Angriffe und warnte, Israel sei in "ein gefährliches Spiel eingetreten". Ziel dieser Angriffe sei es gewesen, die Öffentlichkeit "vom Verhalten des US-Präsidenten" und seiner Entscheidung zum Ausstieg aus dem Atom-Abkommen mit dem Iran abzulenken.

US-Präsident Donald Trump hatte am Dienstag den Ausstieg der USA aus dem Atom-Abkommen bekanntgegeben. Der Schritt hat zu Unsicherheit geführt, wie der Iran darauf reagieren wird.


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