09.05.2018, 12:36 Uhr

Cannes (AFP) Blanchett eröffnet Cannes mit Gleichberechtigungs-Appell

Martin Scorsese und Cate Blanchett in Cannes. Quelle: AFP/Alberto PIZZOLI (Foto: AFP/Alberto PIZZOLI)Martin Scorsese und Cate Blanchett in Cannes. Quelle: AFP/Alberto PIZZOLI (Foto: AFP/Alberto PIZZOLI)

Juryvorsitzende wünscht sich mehr Frauen bei Filmfestival

Mit einem Appell für Gleichberechtigung in der Filmbranche hat die Juryvorsitzende Cate Blanchett das Filmfestival in Cannes eingeläutet. "Will ich mehr Frauen im Wettbewerb sehen? Natürlich", sagte die Oscar-Preisträgerin am Dienstagabend. "Wird das bald passieren? Ich hoffe es." Von 21 Filmen, die um die Goldene Palme konkurrieren, stammen nur drei von Regisseurinnen. In der Jury sind die Frauen dafür mit fünf zu vier in der Mehrheit.

Das Festival steht in seiner 71. Ausgabe im Zeichen der #MeToo-Debatte um sexuelle Übergriffe in der Filmbranche. "Meine Damen, meine Damen, meine Damen, meine Herren...", begrüßte Blanchett die Gäste zur Eröffnung des ersten Festivals in Cannes seit dem Skandal um Ex-Hollywoodmogul Harvey Weinstein.

Auch in Frankreich hatte die Affäre um Weinstein hohe Wellen geschlagen. Rund hundert Frauen werfen dem früheren Filmproduzenten Belästigung oder Vergewaltigung vor. Mehrere der Fälle sollen sich in Cannes ereignet haben.

Auch ein politisches Zeichen will das Festival in diesem Jahr setzen: Am Mittwochabend stand an der Croisette der Film "Leto" des regierungskritischen Russen Kirill Serebrennikow auf dem Programm, während dieser in seiner Heimat unter Hausarrest steht. Ihm wird in einem umstrittenen Verfahren vorgeworfen, zwischen 2011 und 2014 fast eine Million Euro an öffentlichen Geldern veruntreut zu haben; ihm drohen zehn Jahre Haft.

Die französische Kulturministerin Françoise Nyssen sprach Serebrennikow ihre Unterstützung aus: "Wir können lediglich unsere starke Abneigung hinsichtlich dieser Situation zum Ausdruck bringen, ebenso wie unsere Sorge", sagte sie der Nachrichtenagentur AFP.

Nicht nur Serebrennikow wird von seinem Heimatland an der Teilnahme in Cannes gehindert, auch der regierungskritische Regisseur Jafar Panahi aus dem Iran darf nicht anreisen.

Der iranische Regisseur Ashgar Farhadi stellte am Dienstagabend an der Côte d'Azur seinen Psychothriller "Everybody Knows" vor. Die spanischen Filmstars Penélope Cruz und Javier Bardem spielen in dem Eröffnungsfilm die Hauptrollen. Zehn Regisseure sind zum ersten Mal bei dem Festival vertreten. Dazu gehören etwa der Japaner Ryusuke Hamaguchi, die Libanesin Nadine Labaki oder die Französin Eva Husson. Die Goldene Palme wird am letzten Tag des Festivals verliehen, am 19. Mai.

Der US-Streamingdienst Netflix boykottiert die Filmfestspiele in diesem Jahr wegen der Vorgabe, dass Wettbewerbsfilme drei Jahre vor dem Streaming in französischen Kinos gezeigt werden müssen.


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