08.05.2018, 13:25 Uhr

München (AFP) Verteidiger von Neonazi André E. fordern in NSU-Prozess Freispruch

Blick in den Münchner Gerichtssaal. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Peter Kneffel (Foto: dpa/AFP/Archiv/Peter Kneffel)Blick in den Münchner Gerichtssaal. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Peter Kneffel (Foto: dpa/AFP/Archiv/Peter Kneffel)

Mandant soll "Nationalsozialist" sein - aber kein Täter

Die Verteidiger des mutmaßlichen NSU-Helfers André E. haben einen Freispruch für ihren Mandanten gefordert. "Unser Mandant ist Nationalsozialist, der mit Haut und Haaren zu seiner politischen Überzeugung steht", sagte Verteidiger Herbert Hedrich am Dienstag zwar vor dem Oberlandesgericht München. Die Bundesanwaltschaft habe ihn deshalb frühzeitig als schuldig angesehen, die Anklage gegen E. habe sich aber im Prozessverlauf nicht bestätigt.

Die Bundesanwaltschaft hatte hingegen zwölf Jahre Haft für E. gefordert. E. sitzt seit der Strafmaßforderung der Anklage in Untersuchungshaft, den größten Teil des fünf Jahre dauernden NSU-Prozesses war er allerdings frei.

E. ist der einzige Angeklagte, der in dem Verfahren um die zehn NSU-Morde, zwei Bombenanschläge und mehr als ein Dutzend bewaffnete Überfälle durchgehend schwieg. Die Bundesanwaltschaft hält es unter anderem für erwiesen, dass er Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe in ihrem jahrelangen Leben im Untergrund unterstützte. So soll er Zschäpe nach dem mutmaßlichen Suizid von Böhnhardt und Mundlos im November 2011 mit dem Auto gefahren haben.

Der Mammutprozess befindet sich inzwischen in seiner Schlussphase. Die neuen Verteidiger Zschäpes sowie die Verteidiger der mutmaßlichen NSU-Helfer Carsten S. hielten bereits vor der Verteidigung von E. ihre Plädoyers. Es fehlen nun noch die Plädoyers der Verteidiger der beiden weiteren mutmaßlichen NSU-Helfer Holger G. und Ralf Wohlleben sowie abschließend der ursprünglichen Zschäpe-Verteidiger.

Mit diesen hatte sich die Hauptangeklagte überworfen, dennoch halten sie noch ein eigenes Plädoyer. Im Anschluss soll das Urteil fallen. Am Dienstag wurde auch bekannt, dass ein zwischenzeitlich von E. beauftragter neuer Verteidiger sein Mandat wieder niedergelegte.


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