08.05.2018, 16:03 Uhr

New York (AFP) New Yorks Generalstaatsanwalt tritt wegen Gewaltvorwürfen von Frauen zurück

Eric Schneiderman . Quelle: GETTY/AFP/Archiv/SPENCER PLATT (Foto: GETTY/AFP/Archiv/SPENCER PLATT)Eric Schneiderman . Quelle: GETTY/AFP/Archiv/SPENCER PLATT (Foto: GETTY/AFP/Archiv/SPENCER PLATT)

Schneiderman soll Ex-Partnerinnen geschlagen und gewürgt haben

Schwere Vorwürfe gegen einen vermeintlichen Verteidiger der Frauenrechte: Der Generalstaatsanwalt des US-Bundesstaates New York und Verfechter der #MeToo-Kampagne, Eric Schneiderman, tritt wegen Gewaltvorwürfen mehrerer Ex-Partnerinnen zurück. Zwar stünden die Vorwürfe nicht mit seiner Arbeit im Zusammenhang, sie hinderten ihn jedoch daran, seine Aufgabe "in dieser kritischen Zeit" wahrzunehmen, erklärte Schneiderman und wies die Vorwürfe zurück. Am Dienstagabend wollte er sein Amt niederlegen.

Vier ehemalige Partnerinnen werfen dem 63-jährigen Juristen laut dem Magazin "New Yorker" vor, sie geschlagen und bedroht zu haben. Zwei der Frauen sagten dem Magazin, Schneiderman habe sie wiederholt geschlagen, häufig nach dem Konsum von Alkohol und im Bett.

Dem "New Yorker" zufolge gaben die Frauen an, sie hätten sich medizinisch behandeln lassen müssen, nachdem Schneiderman ihnen heftig ins Gesicht und auf das Ohr geschlagen habe. Zudem soll Schneiderman so getan haben, als wolle er die Frauen erwürgen.

Der Staatsanwalt von Manhattan leitete nach Angaben seines Büros eine Untersuchung ein. Nach Angaben eines New Yorker Polizeisprechers lag zunächst keine Anzeige gegen Schneiderman vor.

Schneiderman kündigte seinen Rücktritt am Montag (Ortszeit) nur wenige Stunden nach Bekanntwerden der Vorwürfe an, die er jedoch zurückwies. "In den letzten Stunden wurden schwerwiegende Vorwürfe gegen mich erhoben, die ich entschieden zurückweise", erklärte der Staatsanwalt.

Zuvor hatte er bereits erklärt, niemals jemanden angegriffen und niemals nicht-einvernehmlichen Sex gehabt zu haben. In der Erklärung hieß es unter anderem: "In der Privatsphäre der Intimbeziehung habe ich mich an Rollenspielen und anderen einvernehmlichen sexuellen Handlungen beteiligt."

Die Frauen stellen es allerdings anders dar: Michelle Manning Barish sagte dem "New Yorker", es sei "schrecklich" gewesen und habe nichts mit einem womöglich aus dem Ruder gelaufenen Rollenspiel zu tun gehabt. "Es kam völlig aus dem Nichts. Mein Ohr hat gedröhnt. Ich habe mein Gleichgewicht verloren und bin rückwärts aufs Bett gefallen."

Sie sei wieder aufgesprungen, aber er habe sie zurückgestoßen und sie mit seinem Körpergewicht niedergedrückt. "Er fing an mich zu würgen. Das Würgen war sehr stark. Es war wirklich schlimm." Barish war vom Sommer 2013 bis Ende 2015 mit Schneiderman zusammen.

Die zweite Frau, die in dem Artikel ausführlich zu Wort kommt, Tanya Selvaratnam, sagte, sie sei von Sommer 2016 bis Herbst 2017 Schneidermans Freundin gewesen. Schneiderman habe sie "seine 'braune Sklavin'" genannt und bespuckt, berichtete die in Sri Lanka geborene Selvaratnam.

Zwei weitere Frauen erhoben anonym ähnliche Vorwürfe. Laut Barish und Selvaratnam drohte Schneiderman ihnen wiederholt, sie umzubringen, wenn sie ihn verlassen würden.

Schneiderman hatte im Februar die Produktionsfirma Weinstein Company des einstigen Hollywood-Moguls Harvey Weinstein verklagt, weil die Firma es versäumt habe, Angestellte trotz ihren Beschwerden vor sexuellen Übergriffen Weinsteins zu schützen. Damals äußerte er: "Wir haben nie zuvor etwas ähnlich Abstoßendes gesehen, wie wir es hier sehen."

Schneiderman gehört den Demokraten an und gilt als Gegner von US-Präsident Donald Trump. Schneidermans Parteikollege, New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo, forderte ihn zum Rücktritt auf. Seine "persönliche Meinung" angesichts der Fakten und Vorwürfe in dem Bericht sei, dass es für Schneiderman unmöglich sei, das Amt des Generalstaatsanwalt weiter auszuüben.


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