06.05.2018, 10:45 Uhr

Dallas (AFP) Trump sorgt mit Auftritt vor NRA-Waffenlobby für Empörung in Frankreich

Trump beim Treffen der Waffenlobby NRA. Quelle: AFP/Nicholas Kamm (Foto: AFP/Nicholas Kamm)Trump beim Treffen der Waffenlobby NRA. Quelle: AFP/Nicholas Kamm (Foto: AFP/Nicholas Kamm)

US-Präsident ahmt Bataclan-Attentäter nach - Paris verurteilt Trump-Äußerungen

US-Präsident Donald Trump hat mit Äußerungen zur Pariser Anschlagserie vom November 2015 in Frankreich für Empörung gesorgt. Paris missbillige die Äußerungen Trumps entschieden und fordere "Respekt für die Erinnerung an die Opfer", erklärte eine Sprecherin des französischen Außenministeriums am Samstag. Trump hatte bei einer Rede vor der Waffenlobby NRA die Attentäter nachgeahmt, indem er seine Hand zu einer Pistole formte und sagte: "Bumm, komm her".

Auch Opferverbände und ehemalige führende Politiker reagierten empört auf den Auftritt des US-Präsidenten. Bei Attacken auf den Musikclub Bataclan, das Fußballstadion Stade de France und eine Reihe von Bars und Restaurants waren am 13. November 2015 in Paris 130 Menschen getötet worden.

Trump hatte am Freitag bei seiner Rede in Dallas behauptet, die Zahl der Opfer von Paris wäre nicht so hoch gewesen, wenn jemand zurückgeschossen hätte. "Niemand in Paris trägt eine Waffe, und man erinnert sich an die 130 Toten", sagte Trump.

Die Täter hätten sich "Zeit gelassen und einen nach dem anderen getötet", sagte Trump. Der Präsident unterstrich seine Worte, indem er seine Hand zu einer Pistole formte, die auf ein Opfer zielt. Dabei ahmte er die islamistischen Täter nach: "Bumm, komm her, bumm, komm her, bumm, komm her."

"Frankreich äußert seine tiefe Missbilligung der Äußerungen von Präsident Trump zu den Angriffen vom 13. November 2015 in Paris", erklärte Außenamtssprecherin Agnès von der Mühll in Paris. In einer Mitteilung des Ministeriums hieß es, Frankreich sei "stolz" darauf, ein "sicheres Land zu sein, wo Waffenkauf und -besitz streng kontrolliert" würden. Die Statistiken zu Schusswaffenopfern machten es nicht erstrebenswert, dies zu ändern.

Der freie Umlauf von Waffen in der Bevölkerung sei "kein Schutz gegen Terrorattacken", sondern erleichtere eher noch die Planung solcher Angriffe, fügte von der Mühll hinzu.

Die Opfer-Gruppe 13 Onze 15, eine Interessenvertretung von Verletzten der Anschläge, forderte von der Regierung eine offiziell Reaktion. "Unsere Reaktion ist vor allem Abscheu angesichts des Rumgealbers", sagte ihr Vorsitzender Philippe Duperon der "Huffington Post". Andere Opfer wie Emmanuel Domenach äußerten ihre Empörung in Twitter-Botschaften an Trump.

Der frühere französische Staatschef François Hollande und Ex-Premierminister Manuel Valls, die zum Zeitpunkt der Anschläge im Amt waren, gaben ebenfalls ihrer Verärgerung Ausdruck. Hollande nannte die Äußerungen "beschämend". Sie sagten zusammen mit Trumps "obszönem" Theater "eine Menge darüber aus, was er von Frankreich und dessen Werten hält". Valls schrieb im Kurzbotschaftendienst Twitter: "Unanständig und inkompetent. Was soll ich noch sagen?"

Trump hatte sich bei seiner Rede zudem über angeblich kriegsähnliche Zustände in London ausgelassen. In London hatte es im vergangenen Jahr 23 Prozent mehr Messerattacken gegeben. Auch diese Zahlen nahm Trump zum Anlass, vor den Waffenlobbyisten der NRA die angeblichen Vorzüge von Schusswaffen zu preisen.

"Ja, das stimmt, sie haben keine Waffen, sie haben Messer und stattdessen ist überall Blut in den Fluren dieses Krankenhauses", sagte Trump mit Blick auf eine nicht näher benannte Klinik in London. "Sie sagen, es ist so schlimm wie in einem Kriegslazarett".

Ein Unfallchirurg vom Royal London Hospital, das nach britischen Medienberichten möglicherweise gemeint war, bezeichnete Trumps Bemerkungen als "lächerlich". Schussverletzungen seien zweimal so häufig tödlich wie Stichverletzungen und komplizierter zu versorgen, sagte Karim Brohi. Jährlich gibt es in den USA mehr als 30.000 Tote durch Schusswaffengewalt.


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