04.05.2018, 11:35 Uhr

Los Angeles (AFP) Oscar-Akademie schließt Bill Cosby und Roman Polanski wegen Missbrauchsfällen aus

Schauspieler Bill Cosby und Regisseur Roman Polanski. Quelle: GETTY IMAGES NORTH AMERICA/AFP/Archiv/Mark Makela, Lionel BONAVENTURE (Foto: GETTY IMAGES NORTH AMERICA/AFP/Archiv/Mark Makela, Lionel BONAVENTURE)Schauspieler Bill Cosby und Regisseur Roman Polanski. Quelle: GETTY IMAGES NORTH AMERICA/AFP/Archiv/Mark Makela, Lionel BONAVENTURE (Foto: GETTY IMAGES NORTH AMERICA/AFP/Archiv/Mark Makela, Lionel BONAVENTURE)

Polanskis Anwalt kritisiert Entscheidung als "Gipfel der Heuchelei"

Wegen Vorwürfen sexueller Übergriffe hat die Oscar-Akademie Bill Cosby und Star-Regisseur Roman Polanski die Mitgliedschaft entzogen. Die Entscheidung sei "in Übereinstimmung mit den Verhaltensregeln der Organisation" getroffen worden, erklärte der Aufsichtsrat der Academy of Motion Picture Arts and Sciences am Donnerstag. Polanskis Anwalt kritisierte die Entscheidung am Freitag in Warschau gegenüber der Nachrichtenagentur AFP als "Gipfel der Heuchelei" und kündigte eine Überprüfung an.

Die Mitglieder der Oscar-Akademie sollten deren "Werte des Respekts vor menschlicher Würde" hochhalten, begründete das Gremium den Ausschluss von Cosby und Polanski. Im Oktober hatte die Oscar-Akademie bereits den früheren Filmproduzenten Harvey Weinstein ausgeschlossen. Schauspielerinnen, Models und andere Frauen werfen dem früheren Filmmogul vor, sie vergewaltigt oder sexuell belästigt zu haben.

Cosby wird von etwa 60 Frauen des sexuellen Missbrauchs beschuldigt, jedoch sind die meisten Fälle verjährt. In einem Fall aus dem Jahr 2004 hatte ein Gericht den 80-Jährigen in der vergangenen Woche des sexuellen Missbrauchs für schuldig befunden. Ihm drohen bis zu 30 Jahre Haft.

Der in Frankreich lebende Roman Polanski wird in den USA wegen Geschlechtsverkehrs mit einer Minderjährigen polizeilich gesucht. Im Jahr 1977 hatte er Sex mit der damals 13-jährigen Samantha Geimer. Im folgenden Jahr floh er aus den USA. Ein Gericht in Kalifornien lehnte im vergangenen August die Einstellung des Verfahrens ab.

Im Zuge des Missbrauchs-Skandals um Weinstein waren gegen Polanski neue Vorwürfe laut geworden. Die frühere deutsche Schauspielerin Renate Langer warf ihm im Oktober vor, sie 1972 im Alter von 15 Jahren in der Schweiz vergewaltigt zu haben.

Ebenfalls vergangenes Jahr hatte eine Frau in den USA bei einer Pressekonferenz gesagt, Polanski habe sie 1973 als 16-Jährige missbraucht. Bereits 2010 hatte eine britische Schauspielerin dem Starregisseur vorgeworfen, sie als 16-Jährige vergewaltigt zu haben.

Polanskis Anwalt Jan Olszewski sagte AFP in Warschau, Polanski mit Cosby zu vergleichen, sei eine völlige Fehldeutung der Fakten und eine "Drangsalierung" seines 84-jährigen Mandanten. In Polanskis Leben habe es nur "einen Vorfall" gegeben, der allen schon lange bekannt sei, "für den er schuldig befunden wurde, für den er Verantwortung übernahm". "Das Opfer hat ihm verziehen und er war viele Jahre lang Mitglied der Akademie", hob Olszewski hervor.

Die Entscheidung der Oscar-Akademie trage die "Kennzeichen psychischer Misshandlung" des bereits sehr alten Regisseurs, sagte der Anwalt. "Roman hat den Eindruck, dass die Akademie gegen ihre eigenen Regeln verstößt und hat mich gebeten, sie zu überprüfen."

Polanskis Opfer Geimer, die mit dem Fall schon lange abschließen will, verurteilte die Entscheidung der Oscar-Akademie als "hässliche und grausame Handlung, die nur Aufmerksamkeit erregen" solle.

Polanski hatte sich am Wochenende im polnischen Nachrichtenportal Onet.pl zur #MeToo-Debatte geäußert. In den Missbrauchsvorwürfen sei "sicherlich ein Teil, vielleicht sogar ein großer Teil Wahrheit, aber sicherlich nicht alles", sagte der französisch-polnische Filmregisseur.

Im 54-köpfigen Aufsichtsrat der Oscar-Akademie sitzen einige der bekanntesten Gesichter Hollywoods, darunter etwa Regisseur Steven Spielberg und die Schauspieler Tom Hanks und Whoopie Goldberg. Als Konsequenz aus dem Weinstein-Skandal hatte die Akademie für ihre mehr als 6000 Mitglieder einen Verhaltenskodex formuliert.


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