02.05.2018, 12:05 Uhr

Genf (AFP) WHO: Weltweit jährlich rund sieben Millionen Tote durch Luftverschmutzung

Smog in Neu Delhi. Quelle: AFP/Archiv/DOMINIQUE FAGET (Foto: AFP/Archiv/DOMINIQUE FAGET)Smog in Neu Delhi. Quelle: AFP/Archiv/DOMINIQUE FAGET (Foto: AFP/Archiv/DOMINIQUE FAGET)

90 Prozent der Weltbevölkerung durch gesundheitsgefährdende Abgase belastet

Mehr als 90 Prozent der Menschen weltweit sind verschmutzter Luft ausgesetzt und an den Folgen dieser Belastung sterben jedes Jahr etwa sieben Millionen Menschen. Das ist das Ergebnis einer umfangreichen Untersuchung, welche die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Mittwoch in Genf vorlegte. Besonders die Menschen in ärmeren Ländern leiden demnach unter gefährlichen Abgasen, die etwa beim Kochen oder im Verkehr entstehen.

"Die Luftverschmutzung bedroht uns alle, aber die ärmsten und am meisten an den Rand gedrängten Menschen tragen die Hauptlast", erklärte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus. Mehr als 90 Prozent der Todesfälle im Zusammenhang mit der Luftverschmutzung werden der WHO-Untersuchung zufolge in einkommensschwächeren Ländern, insbesondere in Asien und Afrika, registriert.

Die WHO wertete Daten aus mehr als 4300 Städten in 108 Ländern aus und damit die größte Datenbank über Luftverschmutzung weltweit. Berücksichtigt wurde sowohl die Luftverschmutzung in der Umwelt als auch im Haushalt.

Durch die Luftverschmutzung in Innenräumen, insbesondere durch das Kochen auf Kohleöfen, sterben laut WHO weltweit rund 3,8 Millionen Menschen im Jahr. Es sei "inakzeptabel", dass Millionen Menschen, meist Frauen und Kinder, zu Hause immer noch die Abgase dreckiger Öfen und Generatoren einatmeten, kritisierte Tedros. Weltweit hätten 40 Prozent der Menschen keinen Zugang zu einer abgasarmen Kochgelegenheit, heißt es in der WHO-Studie.

Die Luftverschmutzung im Freien wird von der WHO für weltweit 4,2 Millionen Todesfälle im Jahr verantwortlich gemacht. Etwa eine der insgesamt rund sieben Millionen Todesfälle im Jahr sei auf eine Kombination der Luftverschmutzung drinnen und draußen zurückzuführen.

Die WHO untersuchte die Verschmutzung durch Partikel von einer Größe zwischen 2,5 und zehn Mikrometern, sogenannte PM10, sowie durch Partikel, die kleiner als 2,5 Mikrometer sind (PM2,5). Zu den PM2,5-Partikeln gehören giftige Stoffe wie Sulfate.

Die besonders kleinen Schmutzpartikel sind besonders gefährlich, weil sie tief in die Lungen und das Herz-Kreislauf-Systems eindringen können. Auf diese Weise können sie Schlaganfälle, Herzkrankheiten, Lungenkrebs und Atemwegsinfektionen wie etwa Lungenentzündungen verursachen.

Im Nahen Osten, Nordafrika und Südostasien sei die Luftbelastung oftmals mehr als fünf Mal höher als empfohlen, führte die WHO aus. In der indischen Stadt Gwalior war der Gehalt von PM10 und PM2.5 im Jahr 2017 sogar rund 17 Mal höher als die von der WHO als zumutbar eingestuften Werte.

Die umweltpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Bettina Hoffmann, wertete den WHO-Bericht als Mahnung an die Bundesregierung, stärker gegen die Luftverschmutzung durch Diesel-Fahrzeuge und Kohlekraftwerke vorzugehen. "Wir dürfen uns nicht damit abfinden, dass die Gesundheit der Menschen massiv unter dreckiger Luft leidet", erklärte Hoffmann.

In der Europäischen Union gab es nach Angaben der Europäischen Umweltagentur (EEA) vom Oktober im Jahr 2014 mehr als 520.000 vorzeitige Todesfälle infolge der Luftverschmutzung, davon mehr als 80.000 in Deutschland.

Die Datenlage des WHO-Berichts variierte je nach Region sehr stark. Während die Werte aus 181 indischen Städten vorlagen, war dies nur bei neun Städten im riesigen China der Fall. Von den 47 afrikanischen Ländern übermittelten nur acht der WHO Werte zur Luftqualität von mindestens einer ihrer Städte.


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