30.04.2018, 09:29 Uhr

Kabul (AFP) Mindestens 25 Tote bei Doppelanschlag in Kabul

Shah Marai im Jahr 2012. Quelle: AFP/Archiv/Johannes EISELE (Foto: AFP/Archiv/Johannes EISELE)Shah Marai im Jahr 2012. Quelle: AFP/Archiv/Johannes EISELE (Foto: AFP/Archiv/Johannes EISELE)

AFP-Fotograf und fünf weitere Journalisten unter den Todesopfern

Zwei Selbstmordattentäter haben in Kabul am Montag mindestens 25 Menschen in den Tod gerissen, darunter auch mehrere Journalisten. 49 weitere Menschen wurden bei dem Doppelanschlag in der afghanischen Hauptstadt verletzt, wie das Innenministerium mittteilte. Unter den sechs getöteten Journalisten ist auch der AFP-Fotograf Shah Marai. Zu der Tat bekannte sich die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS).

Der erste Anschlag ereignete sich am Montagmorgen kurz vor 08.00 Uhr (Ortszeit) in der Nähe des Sitzes des Geheimdienstes NDS, wo sich ein Selbstmordattentäter auf einem Motorrad in die Luft sprengte. Als Journalisten zum Anschlagsort eilten, sprengte sich ein zweiter Selbstmordattentäter in die Luft.

"Der Attentäter hat sich als Journalist getarnt und sich in der Menge in die Luft gesprengt", sagte der Polizeisprecher Haschmat Staniksai. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen hatte er zur Tarnung eine Kamera dabei. Unter den sechs getöteten Journalisten ist der Cheffotograf der Nachrichtenagentur AFP in Kabul, Marai. Die fünf anderen arbeiteten für die afghanischen Fernsehsender 1TV, Tolo News und Dschahan TV.

Shah Marai arbeitete seit 1996 für AFP. Er fing als Fahrer an und fotografierte zunächst nur nebenbei. Er berichtete unter anderem über die Herrschaft der radikalislamischen Taliban in Afghanistan und den Einmarsch der US-Truppen im Jahr 2001. Ab 2002 arbeitete er hauptberuflich als Fotograf für AFP und stieg im Kabuler Büro bis zum Cheffotografen auf. Marai hinterlässt sechs Kinder, darunter eine neugeborene Tochter.

"Ich habe mir das Fotografieren selbst beigebracht, darum versuche ich mich ständig zu verbessern", schrieb Marai 2015 über sich selbst. "Jetzt erscheinen meine Fotos auf der ganzen Welt."

AFP-Informationsdirektorin Michèle Léridon äußerte sich bestürzt über Marais Tod, der seit Jahren über die Tragödie in seinem Land berichtet habe. Sie würdigte Marais "außergewöhnliche Kraft", seinen Mut und seine Großzügkeit. Er habe mit Feingefühl und Professionalität über oftmals "traumatische und schreckliche Ereignisse" berichtet. Sein Tod sei ein "verheerender Schlag" für die mutigen Kollegen im Kabuler Büro und die gesamte Agentur.

Auch afghanische Behördenvertreter und Journalisten reagierten mit Trauer und Bestürzung. "Nein, wir können Marai nicht verlieren, ich bin am Boden zerstört", schrieb der ehemalige Sprecher des Innenministeriums, Sedik Sedikki, im Kurzbotschaftendienst Twitter.

Der afghanische IS-Ableger Provinz Chorasan erklärte in einer Mitteilung im Messengerdienst Telegram, der Anschlag habe sich gegen Sicherheitskräfte und Journalisten gerichtet, die nach dem ersten Anschlag am Anschlagsort zusammengeströmt seien. Dort habe sie ein weiterer Attentäter "mit seiner Sprengstoffweste überrascht".

Der letzte schwere Anschlag hatte Kabul in der vergangenen Woche erschüttert, als sich ein Selbstmordattentäter vor einem Zentrum zur Registrierung von Wählern in die Luft gesprengt und 60 Menschen in den Tod gerissen hatte. Auch zu diesem Anschlag bekannte sich der IS.


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