29.04.2018, 13:38 Uhr

Damaskus (AFP) Syrische Regierung vereinbart mit Rebellen Evakuierungen südlich von Damaskus

Angriffe auf Jarmuk und Umgebung. Quelle: AFP/Rami al SAYED (Foto: AFP/Rami al SAYED)Angriffe auf Jarmuk und Umgebung. Quelle: AFP/Rami al SAYED (Foto: AFP/Rami al SAYED)

Armee rückt weiter auf vom IS kontrolliertes Palästinenserlager Jarmuk vor

Die syrische Regierung hat sich nach eigenen Angaben mit Rebellen auf eine Evakuierung umkämpfter Gebieten südlich der Hauptstadt Damaskus geeinigt. Die Einigung sehe vor, dass oppositionelle Kämpfer und ihre Angehörigen Gebiete östlich des palästinensischen Flüchtlingslagers Jarmuk verlassen dürften, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Sana am Sonntag. Im Osten Syriens kam es unterdessen zu Gefechten zwischen Regierungstruppen und einer mit den USA verbündeten Rebellengruppe.

Die syrische Armee hatte vor anderthalb Wochen eine Offensive gestartet, um die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) aus den südlichen Vororten von Damaskus, darunter auch Jarmuk, zu vertreiben. Zuletzt hatte die Regierung immer wieder Evakuierungen mit Aufständischen vereinbart, um anschließend in den betreffenden Gebieten die Kontrolle zu übernehmen.

Die neue Evakuierungsvereinbarung gilt laut Sana für die Gebiete Jalda, Babila und Beit Sahem. Durch die Räumung von Jalda könnte die syrische Armee bis zu den östlichen Rändern von Jarmuk vordringen.

Zuvor war sie bereits vom Westen her in Richtung des palästinensischen Flüchtlingslagers vorgerückt, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte. Die regierungstreuen Kämpfer nahmen demnach große Teile des Bezirks Kadam an der Westflanke von Jarmuk ein.

Die in Großbritannien ansässige Beobachtungsstelle stützt sich auf ein Netzwerk von Informanten vor Ort, ihre Angaben sind kaum unabhängig zu überprüfen.

Die IS-Miliz hatte im Jahr 2015 die Kontrolle über Teile von Hadschar al-Aswad und Jarmuk übernommen, im März eroberten die Dschihadisten auch Kadam. Jarmuk und Umgebung sind nun das größte verbleibende Herrschaftsgebiet des IS in einem Stadtgebiet in ganz Syrien und Irak. Nachdem die syrische Armee Mitte April Ost-Ghuta zurückerobert hatte, konzentriert sie sich nun auf dieses Gebiet.

Im Osten Syriens hielten die Kämpfe an: Bei den Gefechten zwischen Regierungstruppen und Kämpfern der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) in Ost-Syrien wurden am Sonntag mindestens sechs Rebellen getötet, wie die Beobachtungsstelle mitteilte. Laut einem Sana-Bericht eroberten die Regierungstruppen vier Dörfer in der Provinz Deir Essor, die zuvor unter der Kontrolle der kurdisch-arabischen Rebellengruppe gestanden hatten. SDF-Rebellen und Regierungstruppen kämpfen in Deir Essor getrennt voneinander gegen den IS.

Der Bürgerkrieg in Syrien dauert seit März 2011 an, seitdem wurden mindestens 350.000 Menschen getötet und Millionen Menschen in die Flucht getrieben.

Bei einem Dreier-Treffen in Moskau bezeichneten der russische Außenminister Sergej Lawrow, der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif und der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu ihre gemeinsamen Bemühungen im Syrien-Konflikt unterdessen als Erfolg. Dank ihrer "einzigartigen" Allianz sei es gelungen, den Kampf gegen die Dschihadistengruppen Al-Nusra-Front und IS anzugehen, sagte Lawrow am Samstag.

Moskau und Teheran unterstützen im Syrien-Konflikt die Regierung von Machthaber Baschar al-Assad. Die Türkei steht nicht auf Assads Seite, konzentriert sich aber mittlerweile auf den Kampf gegen kurdische Rebellen in Syrien. Zusammen bemühen sich die Regierungen der drei Länder seit einem Jahr um eine politische Lösung in dem Konflikt. Mehrere Gesprächsrunden im kasachischen Astana brachten bislang aber keinen durchgreifenden Erfolg.


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