29.04.2018, 11:12 Uhr

Sydney (AFP) Australien stellt Millionensumme für Rettung des Great Barrier Reef bereit

Korallen am Great Barrier Reef. Quelle: ARC Centre of Excellence for Coral Reef Studies/AFP/Archiv/GREG TORDA (Foto: ARC Centre of Excellence for Coral Reef Studies/AFP/Archiv/GREG TORDA)Korallen am Great Barrier Reef. Quelle: ARC Centre of Excellence for Coral Reef Studies/AFP/Archiv/GREG TORDA (Foto: ARC Centre of Excellence for Coral Reef Studies/AFP/Archiv/GREG TORDA)

Weltnaturerbestätte leidet unter Korallenbleiche und Wasserverschmutzung

Die australische Regierung stellt umgerechnet 312 Millionen Euro für die Rettung des berühmten Great Barrier Reefs bereit. Das Geld soll zur Verbesserung der Wasserqualität, zur Bekämpfung von Fressfeinden der Korallen und zur Wiederherstellung beschädigter Korallenriffe eingesetzt werden, wie Premierminister Malcolm Turnbull am Sonntag ankündigte. Umweltschützern gehen die Pläne der Regierung nicht weit genug.

Die Unesco hatte das einzigartige 2300 Kilometer lange Korallenriff vor der Nordostküste Australiens 1981 zum Weltnaturerbe erklärt. Das aus 2500 einzelnen Riffen bestehende Gebiet beherbergt eine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt.

Wegen des Klimawandels und der damit verbundenen Erwärmung des Meerwassers leidet das Riff unter tödlicher Korallenbleiche. Zudem wird es durch korallenfressende Seesterne geschädigt, die sich durch Abwässer aus der Landwirtschaft stark vermehrt haben.

Es handele sich um die bislang größte Einzelinvestition zum Schutz des Great Barrier Reef, erklärte Turnbull. Ziel sei es, das Riff "zum Wohle aller Australier" zu erhalten und die 64.000 Arbeitsplätze zu erhalten, die mit der Touristenattraktion zusammenhängen.

Die australische Regierung hatte zuletzt zwei Milliarden australische Dollar für den Schutz des Riffs innerhalb der kommenden zehn Jahre zugesagt, zugleich aber den umstrittenen Ausbau eines nahegelegenen Kohlehafens genehmigt. Die indische Firma Adani baut im Bundesstaat Queensland eine der größten Kohleminen der Welt. Um die Kohle zu verschiffen, wird der Hafen von Abbot Point ausgebaut.

Wegen seiner starken Kohlekraftnutzung und seiner vergleichsweise kleinen Bevölkerung gehört Australien zu den größten Pro-Kopf-Verursachern von Treibhausgasemissionen. Die Regierung in Canberra hat zugesagt, die Emissionen bis 2030 um 26 bis 28 Prozent im Vergleich zum Jahr 2005 zu reduzieren. Nach Angaben Turnbulls soll auch ein Teil der nun zugesagten Summe für das Great Barrier Reef in Klimaschutz-Maßnahmen investiert werden. Details nannte er allerdings nicht.

Umweltschützer würdigten die Finanzspritze daher zwar als "wichtigen Schritt", mahnten insgesamt aber größere Anstrengungen beim Klimaschutz an, etwa durch die Förderung sauberer Energien.

"Die Wissenschaft weiß sehr wohl, was die Korallen tötet: Es ist die überschüssige Wärme, die bei der Verbrennung fossiler Brennstoff entsteht", sagte der Gründer der Klimaschutzbewegung 350.org, Bill McKibben. Er warf Turnbull vor, die größte Kohlemine der Welt zu unterstützen und gleichzeitig Interesse für das Great Barrier Reef vorzutäuschen. Das sei eine "akrobatische Leistung, die nur ein zynischer Politiker versuchen kann".

Die Chefin der Australischen Umweltschutz-Stiftung, Kelly O'Shanassy, sagte, das Great Barrier Reef könne nur durch ein "konzertiertes Vorgehen" zur Verringerung der Treibhausgasemissionen umfassend geschützt werden.

Mit umgerechnet 125 Millionen Euro will die australische Regierung einen großen Teil des Geldes in die Verbesserung der Wasserqualität investieren. Wie Umweltminister Josh Frydenberg sagte, will Canberra mit Landwirten zusammenarbeiten, um den Abfluss von Sedimenten, Stickstoffdüngemitteln und Pestiziden ins Riff zu verringern.

Frydenberg will sich nach eigenen Angaben zudem für die Bekämpfung der korallenfressenden Dornenkronenseesterne einsetzen und die "besten verfügbaren" wissenschaftlichen Erkenntnisse nutzen, um das Riff widerstandsfähiger gegen "Hitze- und Lichtbelastung" zu machen.

Erst in der vergangenen Woche hatten Wissenschaftler ein "katastrophales" Korallensterben im Great Barrier Reef während einer Hitzewelle im Jahr 2016 publik gemacht. Laut der Studie, die in der Fachzeitschrift "Nature" veröffentlicht wurde, fielen rund 30 Prozent der Korallen der Hitze zum Opfer.


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