27.04.2018, 16:54 Uhr

Washington (AFP) Trump schwärmt von "großartiger Beziehung" zu Merkel

Trump begrüßt Merkel im Weißen Haus. Quelle: AFP/ (Foto: AFP/)Trump begrüßt Merkel im Weißen Haus. Quelle: AFP/ (Foto: AFP/)

Freundlicher Empfang mit Küsschen und Händedruck im Weißen Haus

Die US-Strafzölle auf Stahl und Aluminium, das Atomabkommen mit dem Iran: Heikle Themen standen auf der Tagesordnung der Gespräche, zu denen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Freitag mit US-Präsident Donald Trump im Weißen Haus zusammengekommen ist. Die Begrüßung der beiden Staatenlenker verlief jedoch betont herzlich.

Trump drückte Merkel bei ihrer Ankunft Küsschen auf die Wange - eine Geste, die er wohl vom französischen Staatschef Emanuel Macron gelernt hat, der kurz zuvor zu Gast war. Anschließend drückten sich beide vor den laufenden Kameras im Oval Office gleich zwei Mal die Hände. Außerdem tätschelte Trump Merkels Hand. Beim vorherigen Besuch der Kanzerlin im März 2017 hatte es noch viel Wirbel um einen von Trump unterlassenen Händedruck gegeben.

Er habe zu Merkel eine "wirklich großartige Beziehung", sagte Trump im Oval Office. Dies sei so auch "gleich von Anfang an gewesen". Dies sei allerdings von manchen "nicht verstanden" worden: "Aber wir verstehen das, und das ist das Wichtige", betonte der US-Präsident. Er bezeichnete die Kanzlerin als "außergewöhnliche Frau", nannte sie Angela und gratulierte ihr zu ihrem Wahlsieg. Als Themen der Gespräche nannte er das Iran-Abkommen, die Nato und den Handel.

Merkel bedankte sich für die Glückwünsche. Sie sagte, es sei ihr "ganz wichtig" gewesen, bei ihrer ersten Auslandsreise außerhalb Europas nach ihrer erneuten Vereidigung nach Washington zu kommen, um "unsere Zusammenarbeit zu vertiefen".

Beide Seiten waren beim Auftakt der Gespräche offensichtlich bemüht, dem Eindruck tiefreichender Disharmonien entgegenzutreten. Die verkrampfte Szene bei Merkels vorherigem Besuch im Oval Office war zum Sinnbild des belasteten Verhältnisses zwischen beiden Ländern geworden. Trump hatte damals auf die Bitte der Kameraleute wie auch der Kanzlerin selbst um einen Händedruck nicht reagiert und mit finsterer Miene geradeaus geblickt. Ob dies ein bewusster Affront war oder bloße Abgelenktheit, wurde aber nie geklärt.

Trump hatte am Freitagmorgen (Ortszeit) Vorfreude auf den erneuten Besuch der Kanzlerin bekundet. "Freue mich darauf", schrieb er im Kurzbotschaftendienst Twitter. Es gebe "so viel zu diskutieren, so wenig Zeit". Der Präsident äußerte die Erwartung, dass das Treffen "gut für beide unsere großartigen Länder" sein werde.

Dies konnte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die Spannungen zwischen beiden Ländern zuletzt noch einmal verstärkt hatten. Ein Auslöser waren die Strafzölle auf die Einfuhr von Aluminium und Stahl, die Trump im März verhängt hatte.

Die Europäische Union wurde nach Protesten zwar vorerst von diesen Zöllen ausgenommen, die Sonderregelung gilt aber nur noch bis kommenden Dienstag. Merkel wollte bei Trump für eine dauerhafte Befreiung werben. Ob dies vor Ende der Frist gelingen würde, wurde in deutschen Regierungskreisen jedoch skeptisch bewertet.

Ein weiteres drängendes Thema war das internationale Abkommen von 2015 zur Begrenzung des iranischen Atomprogramms. Trump hat damit gedroht, die Vereinbarung aufzukündigen, die er für unzureichend hält. Die Bundesregierung will das Abkommen retten. Aufgrund gesetzlicher Vorgaben muss Trump bis zum 12. Mai entscheiden, ob er die auf Basis des Abkommens ausgesetzten Sanktionen gegen Teheran wieder in Kraft setzt.

Nach einem vertraulichen Gespräch des Präsidenten und der Kanzlerin im Oval Office stand am Freitag ein Arbeitsessen zusammen mit den wichtigsten Beratern auf dem Programm. Anschließend sollte es eine gemeinsame Pressekonferenz geben. Insgesamt sollte Merkels Besuch bei Trump rund zweieinhalb Stunden dauern. Macron war in der ersten Wochenhälfte zu einem dreitägigen Staatsbesuch mit viel Pomp und Prunk in Washington.


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