27.04.2018, 05:09 Uhr

Goyang (AFP) Führer Nord- und Südkoreas zu historischem Gipfeltreffen zusammengekommen


Kim Jong Un: "Eine neue Geschichte beginnt jetzt"

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un und der südkoreanische Präsident Moon Jae In sind am Freitag zu ihrem historischen Gipfeltreffen in der entmilitarisierten Zone zwischen beiden Ländern zusammengekommen. An der Demarkationslinie reichten sich beide die Hand, wie auf Fernsehbildern zu sehen war. Kim betrat als erster nordkoreanischer Machthaber seit Kriegsende vor 65 Jahren südkoreanischen Boden. "Ich freue mich, Sie zu treffen", sagte Moon.

Hand in Hand überschritten Kim und Moon anschließend in einer improvisierten Geste die Grenze zum Norden, bevor sie zur sogenannten Friedenshalle auf der südlichen Seite des Grenzortes Panmunjom schritten. Dort trug sich Kim in das Gästebuch ein: "Eine neue Geschichte beginnt jetzt - am Ausgangspunkt der Geschichte und der Ära von Frieden", schrieb Kim.

Er sei "erfüllt von Emotionen", sagte Kim an Moon gerichtet, als das Gipfeltreffen begann. "Ich bin hierher gekommen, entschlossen, ein Startsignal an der Schwelle zu einer neuen Geschichte zu geben", sagte Kim und versprach eine "offene, ernsthafte und ehrliche Haltung".

Moon sagte, er hoffe es könne "eine mutige Vereinbarung" getroffen werden, "sodass wir dem gesamten koreanischen Volk und all denjenigen, die Frieden wollen, ein großes Geschenk machen können."

Nach Angaben eines Sprechers von Moon sagte Kim kurz vor Beginn der Gespräche, er sei bereit, Moon in Seoul zu besuchen. Moon hatte demnach zuvor mit Blick auf den Präsidentensitz gesagt, er könne Kim "weitaus bessere Szenen als diese bieten, wenn Sie ins Blaue Haus kommen". Kim antwortete demnach: "Wirklich? Ich werde jederzeit ins Blaue Haus kommen, wenn Sie mich einladen."

Später sagte Kim: "Die Grenze ist nicht mal besonders hoch. Würde sie nicht verschwinden, wenn viele Leute darüber hinweglaufen würden?" Moon äußerte seine Hoffnung, dass es nach dem Gipfel in Panmunjom weitere Treffen geben werde, darunter in Seoul und Pjöngjang.

Kurz vor Beginn des Treffens hatten die nordkoreanischen Staatsmedien "offenherzige" Gespräche Kims mit der südkoreanischen Seite angekündigt. Ziele seien das "Erreichen von Frieden, Wohlstand und der Wiedervereinigung der koreanischen Halbinsel", hieß es. Eine nukleare Abrüstung fand jedoch keine Erwähnung. Und während Bilder des Handschlags der beiden Staatschefs um die Welt gingen, zeigte das nordkoreanische Staatsfernsehen lediglich ein Testbild.

Nordkorea hatte im vergangenen Jahr eine Reihe von Raketentests vorgenommen, viele davon in den frühen Morgenstunden, sowie einen sechsten Atomwaffentest. Kim bekräftigte am Freitag eine frühere Zusage, dass es keine Tests mehr geben werde.

Thema des historischen Gipfeltreffes in Panmunjom ist ein Abbau der militärischen Spannungen zwischen den Nachbarländern. Moons Ziel ist es, Kim davon überzeugen, sein Atomwaffenprogramm aufzugeben. Kim und Moon könnten zudem über Wege zu einem möglichen Friedensabkommen beraten. Seit dem Ende des Koreakriegs (1950-53) gilt auf der Halbinsel lediglich ein Waffenstillstand, offiziell befinden sich die beiden koreanischen Staaten noch immer im Kriegszustand.

Das Weiße Haus erklärte, es sei zu hoffen, dass der Gipfel "Fortschritte hin zu einer Zukunft des Friedens und des Wohlstands für die gesamte koreanische Halbinsel" erreiche.

Kim sprach sich in Panmunjom für ein langlebiges Abkommen aus: "Egal wie gut die Vereinbarung oder die Erklärung sein wird, die wir hier erzielen, wenn sie nicht richtig umgesetzt wird, wird sie nur zu Enttäuschung führen", sagte Kim.

Nach der morgendlichen Sitzung überquerte Kim in Begleitung von einem Dutzend Sicherheitskräfte für ein Mittagessen wieder die Grenze in den Norden. Vor der Nachmittagssitzung wollen Kim und Moon zu einer weiteren symbolischen Geste einer Baumpflanzung an der Demarkationslinie zusammenkommen. Nach der Unterzeichnung einer Vereinbarung ist eine gemeinsame Erklärung geplant, gefolgt von einem Staatsbankett und einer Abschiedszeremonie.


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