26.04.2018, 20:42 Uhr

Washington (AFP) Posten des US-Botschafters in Deutschland wird wieder besetzt

Der PR-Berater Richard Grenell kommt als US-Botschafter nach Berlin. Quelle: AFP/Archiv/SAUL LOEB (Foto: AFP/Archiv/SAUL LOEB)Der PR-Berater Richard Grenell kommt als US-Botschafter nach Berlin. Quelle: AFP/Archiv/SAUL LOEB (Foto: AFP/Archiv/SAUL LOEB)

US-Senat gibt grünes Licht für Entsendung von umstrittenem Richard Grenell

Der seit rund 15 Monaten verwaiste US-Botschafterposten in Deutschland wird wieder besetzt. Der US-Senat genehmigte nach langer Verzögerung am Donnerstag die Entsendung des 51-jährigen Richard Grenell nach Berlin. Für den umstrittenen Kandidaten von Präsident Donald Trump stimmten 56 Senatoren, 42 votierten gegen ihn.

Grenells Ernennung war in der Kongresskammer auf heftigen Widerstand aus den Reihen der oppositionellen Demokraten gestoßen, unter anderem wurde ihm Frauenfeindlichkeit vorgeworfen. Trump begrüßte nun das grüne Licht für seinen Kandidaten: Er könne nicht glauben, dass die Demokraten dessen Bestätigung so lange verschleppt hätten, "aber besser spät als nie", schrieb der Präsident im Kurzbotschaftendienst Twitter.

Trump hatte Grenell bereits im September nominiert. Genehmigt wurde seine Ernennung nun von der Kongresskammer am Tag vor dem Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im Weißen Haus. Trump hatte zuvor kritisiert, dass sich die Bestätigung des Botschafters über den Merkel-Besuch hinaus zu verzögern drohte.

Vertreter der Demokraten begründeten ihren Widerstand gegen Grenell unter anderem mit dessen "abfälligen Kommentaren" über Frauen im Kurzbotschaftendienst Twitter. Senator Bob Menendez sagte am Donnerstag im Plenum: "Wird er diese Dinge auch tun, wenn er bestätigt ist und nach Deutschland geht? Wird er über seinen Twitter-Account die weibliche Kanzlerin von Deutschland beleidigen? Ich weiß nicht. Ich hoffe, nicht."

Bedenken gegen Grenell gab es auch deshalb, weil er die Affäre um mutmaßliche russische Einmischungen in den US-Wahlkampf und eine mögliche Verwicklung von Trump-Mitarbeitern in diese Interventionen als aufgeblasen bezeichnet hat. Eine Sprecherin von Oppositionssenator Jeff Merkley erklärte nach Angaben des Senders CNN, Grenells Äußerungen zu der Affäre seien "doppelt Besorgnis erregend, weil Deutschland einer unserer engsten und wichtigen Verbündeten bei der Zurückdrängung der russischen Aggression auf der Weltbühne ist".

Grenell gilt als Vertrauter des US-Präsidenten. Er unterstützte Trump schon früh im Wahlkampf und spezialisierte sich als TV-Kommentator und Twitterer auf Kritik an den sogenannten Mainstream-Medien. Zudem arbeitete Grenell auf seinem früheren UN-Posten zeitweise auch unter dem Hardliner John Bolton, der seit Kurzem Nationaler Sicherheitsberater ist. Bolton war früher UN-Botschafter.

Unter Präsident George W. Bush war Grenell sieben Jahre lang Sprecher der US-Delegation bei der UNO. Damals arbeitete er häufig mit deutschen Diplomaten zusammen, etwa bei UN-Sanktionen gegen den Iran. Er erlebte die Deutschen aber auch als Kontrahenten, vor allem im Streit um die US-Invasion im Irak.

Der in einem evangelikalen Elternhaus im Mittleren Westen der USA aufgewachsene Grenell ist allerdings alles andere als ein Klischee-Konservativer. Er hat eine langjährige Beziehung zu einem Mann und bekennt sich seit Ende der neunziger Jahre offen zu seiner Homosexualität. Auch politisch tritt er für die Homo-Ehe ein.

Grenell, der an der Elite-Universität Harvard einen Abschluss in öffentlicher Verwaltung machte, ist Mitbegründer einer weltweit aktiven PR-Firma. Er hat nach eigenen Angaben für Kunden in Europa, China, im Iran, in Kasachastan und im Kongo gearbeitet.


0 Kommentare