26.04.2018, 12:46 Uhr

Seoul (AFP) Nordkoreas Kim und Südkoreas Moon treffen sich an Demarkationslinie

Nordkoreaner Kim, Südkoreaner Moon (r.). Quelle: AFP/Archiv/- (Foto: AFP/Archiv/-)Nordkoreaner Kim, Südkoreaner Moon (r.). Quelle: AFP/Archiv/- (Foto: AFP/Archiv/-)

Nato-Chef fordert trotz Annäherung Beibehaltung der Sanktionen gegen Nordkorea

Historisches Treffen voller Symbolik: Südkoreas Präsident Moon Jae In und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un kommen bei ihrem Gipfeltreffen am Freitag an der Demarkationslinie zwischen beiden Ländern zusammen. Moon werde Kim an der Grenze beider Staaten in der entmilitarisierten Zone treffen, teilte Moons Büro am Donnerstag mit. Wenn Kim die Linie übertritt, wird er der erste nordkoreanische Machthaber seit Kriegsende vor 65 Jahren sein, der südkoreanischen Boden betritt.

Kim soll mit militärischen Ehren empfangen werden, bevor die Gespräche in der sogenannten Friedenshalle des Grenzorts Panmunjom beginnen. An dem Gipfeltreffen wird den Angaben aus Seoul zufolge auch Kims Schwester Kim Yo Jong teilnehmen. Auch das protokollarische Staatsoberhaupt Nordkoreas, Kim Yong Nam, wird demnach vertreten sein. Beide hatten bereits im Februar an den Olympischen Winterspielen in Südkorea teilgenommen.

Bei den Gesprächen soll es vorrangig um einen Abbau der militärischen Spannungen zwischen den Nachbarländern gehen. Außerdem will Moon Kim davon überzeugen, sein Atomwaffenprogramm aufzugeben. Kim und Moon könnten zudem über Wege zu einem möglichen Friedensabkommen beraten. Seit dem Ende des Koreakriegs (1950-53) besteht auf der Halbinsel lediglich ein Waffenstillstand, die beiden koreanischen Staaten befinden sich offiziell noch immer im Kriegszustand.

Ende Mai oder Anfang Juni ist zudem ein ebenfalls historisches Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und Kim Jong Un geplant. Trump sagte am Donnerstag in einem Interview mit dem Sender Fox News, es gebe drei oder vier mögliche Termine an fünf möglichen Orten. Er hob dabei auch hervor, dass zu seinem Amtsantritt viele gedacht hätten, es stehe ein Atomkrieg bevor. Nun laufe es aber sehr gut. "Mal sehen, was passiert."

Nordkorea geht mit einem vorläufigen Verzicht auf Atom- und Raketentests in die historischen Gespräche mit Südkorea und den USA. Außer dem Moratorium kündigte Pjöngjang am vergangenen Wochenende auch die Schließung der unter einem Berg gelegenen Testanlage in Punggye Ri an. Inwieweit es sich dabei um ernsthafte Zugeständnisse handelt, ist jedoch umstritten.

Zuletzt waren Studien chinesischer Seismologen zu dem Ergebnis gekommen, dass die Anlage im vergangenen Jahr nach dem sechsten und bislang stärksten Atomtest Nordkoreas teilweise zusammengebrochen sei. Sie bestätigten damit Vermutungen, dass die Anlage nach Erdbeben und Erdrutschen infolge von Tests nicht mehr zu benutzen sei.

US-Experten hielten am Donnerstag jedoch dagegen, dass es keine Beweise dafür gebe, dass die Testanlage unbenutzbar sei. Selbst wenn Teile des für Atomtests genutzten Tunnelsystems im Berg Mantap eingestürzt seien, gebe es Ausweichmöglichkeiten, erklärte etwa Jeffrey Lewis vom kalifornischen Middlebury Institute of Strategic Studies. Auch die renommierte Website "38 North" zweifelte an dem Bericht der Chinesen.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg forderte derweil die Beibehaltung der Sanktionen gegen Pjöngjang, "bis wir konkrete Veränderungen in Nordkoreas Handeln sehen". Der starke Druck, insbesondere die von der UNO beschlossenen Sanktionen, seien "einer der Gründe, warum wir in den letzten Wochen Fortschritte gesehen haben", sagte der Nato-Chef.

Unmittelbar vor dem Treffen zwischen Kim und Moon entschied Präsident Trump sich für einen neuen US-Botschafter in Südkorea. Der US-Pazifik-Kommandeur Admiral Harry Harris soll den seit 15 Monaten unbesetzten Posten übernehmen, bestätigte Australiens Regierungschef Malcom Turnbull. Harris war eigentlich für den Botschafterposten in Canberra vorgesehen gewesen. Seine Fähigkeiten würden aber in Seoul gebraucht, bestätigte der US-Geschäftsträger in Australien, Jim Carouso.


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