25.04.2018, 16:29 Uhr

Kopenhagen (AFP) Erfinder Madsen wegen Mordes an Journalistin zu lebenslanger Haft verurteilt

Journalisten vor dem Gericht in Kopenhagen. Quelle: Ritzau Scanpix/AFP/Mads Claus Rasmussen (Foto: Ritzau Scanpix/AFP/Mads Claus Rasmussen)Journalisten vor dem Gericht in Kopenhagen. Quelle: Ritzau Scanpix/AFP/Mads Claus Rasmussen (Foto: Ritzau Scanpix/AFP/Mads Claus Rasmussen)

Gericht in Kopenhagen folgt Forderung der Anklage - Anwältin kündigt Berufung an

Wegen der Ermordung der schwedischen Journalistin Kim Wall ist der dänische U-Boot-Bauer Peter Madsen zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Gericht befand den 47-Jährigen schuldig, Wall im August auf seinem U-Boot sexuell missbraucht, ermordet und zerstückelt zu haben. Madsens Anwältin kündigte an, Berufung gegen das Urteil einzulegen.

Madsen habe einen "zynischen, geplanten und besonders gewaltsamen Mord" begangen, urteilte die aus einer Richterin und zwei Schöffen bestehende Jury. Er habe "die Leiche zerstückelt, um den Beweis für seinen Mord zu verbergen", sagte Richterin Anette Burkö bei der Urteilsverkündung.

Die 30-jährige Wall war am 11. August nach einem Treffen mit Madsen auf dessen selbstgebautem U-Boot "Nautilus" als vermisst gemeldet worden. Madsen behauptete zunächst, er habe sie nach einer Havarie sicher an Land gebracht.

Als ihre Leichenteile in der Ostsee gefunden wurden, sagte er, Wall sei bei einem Unfall an Bord ums Leben gekommen und er habe ihre Leiche im Meer entsorgt. Später änderte er seine Version nochmals und sagte, Wall sei nach einem plötzlichen Druckabfall an Bord gestorben.

Die Staatsanwaltschaft warf Madsen vor, die Tat genau geplant zu haben. Er habe Wall an Bord seines U-Boots ermordet, um seine sexuellen Fantasien auszuleben. Die Ankläger zeichneten von Madsen das Bild eines sexuell perversen Sadisten mit narzisstischen und psychopathischen Zügen. Das Strafmaß der lebenslangen Haft bedeutet in Dänemark durchschnittlich 16 Jahre hinter Gittern.

Madsen schien nach der Urteilsverkündung sichtlich niedergeschlagen, wie ein AFP-Reporter berichtete. Seine Anwältin Betina Hald Engmark sagte, er sei "schockiert" über das Urteil und werde in Berufung gehen. "Mein Mandant und ich sind nicht zufrieden mit den Schlussfolgerungen, zu denen das Gericht gelangt ist", sagte sie bei Verlassen des Gerichts. In ihrem Abschlussplädoyer hatte die Verteidigerin die schwache Beweislage bemängelt.

Laut Gerichtsmedizin wurde die Schwedin Wall wahrscheinlich durch Strangulierung oder einen Kehlenschnitt getötet. Die Gerichtsmedizinerin Christina Jacobsen hatte jedoch bei ihrer Anhörung vor Gericht eingeräumt, dass eine Gasvergiftung nicht ausgeschlossen werden könne. Eine genaue Feststellung der Todesursache war aufgrund des Zustands von Walls Leiche unmöglich.

Dem Gericht reichten die belastenden Indizien zu einer Verurteilung aus - darunter etwa die grauenvollen Fetisch-Videos, die Madsen auf seinem Computer hatte, sowie der Umstand, dass er eine Säge, einen geschärften Schraubenzieher und Plastikgurte an Bord hatte, die zu Spuren an den Armen des Opfers passten.

Nach Angaben von Richterin Burkö wurden an Walls Leiche mehrere Verletzungen festgestellt, die ihr vor und nach dem Todeseintritt zugefügt worden seien. Sie bezeichnete Madsen als "nicht vertrauenswürdig" und nannte seine Aussagen in dem Fall unplausibel.

Lebenslängliche Haftstrafen sind in Dänemark vergleichsweise selten. Madsen ist erst der 15. Menschen in den vergangenen zehn Jahren, der zu einer solchen Strafe verurteilt wurde. Gutachter hatten Madsen als "pathologischen Lügner" bezeichnet, der "eine Gefahr für andere" darstelle und wahrscheinlich zum Wiederholungstäter werden könnte.

In Dänemark ist Madsen nicht erst durch den Aufsehen erregenden Mordfall bekannt geworden. Als "Raketen-Madsen" machte der Autodidakt mit dem abgebrochenen Ingenieurstudium seit Jahren Schlagzeilen. Denn außer seinem U-Boot baute er in Eigenregie Raketen.


0 Kommentare