25.04.2018, 12:23 Uhr

Berlin (AFP) Dramatischer Mangel an Pflegekräften: Mindestens 35.000 offene Stellen

Mindestens 35.000 offene Stellen in der Pflege. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Angelika Warmuth (Foto: dpa/AFP/Archiv/Angelika Warmuth)Mindestens 35.000 offene Stellen in der Pflege. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Angelika Warmuth (Foto: dpa/AFP/Archiv/Angelika Warmuth)

Grüne und Linke fordern zehntausende zusätzliche Stellen

In Deutschland fehlen mindestens 35.000 Pflegekräfte. In der Altenpflege sind rund 23.000 Stellen offen, in der Krankenpflege fehlen mehr als 12.000 Fachkräfte und Helfer, wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion hervorgeht. Grünen-Gesundheitsexpertin Kordula Schulz-Asche forderte ein Pflege-Sofortprogramm mit 50.000 zusätzlichen Stellen. Auch die Linke und der Kassenverband GKV verlangten weitere Maßnahmen über das im Koalitionsvertrag Vereinbarte hinaus.

Das Gesundheitsministerium beruft sich in seiner Antwort, über die zunächst die "Berliner Zeitung" berichtete, auf die Arbeitsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit. Demnach fehlten 2017 bundesweit rund 15.000 Altenpflegefachkräfte und etwa 8000 Altenpflegehelfer. Hinzu kommen rund 11.000 offene Stellen bei Krankenpflegefachkräften und rund 1400 weitere bei Krankenpflegehelfern.

Dabei klafft das Verhältnis der offenen Stellen zu den arbeitslosen Kräften teilweise dramatisch auseinander: In der Altenpflege kommen auf 100 zu besetzende Stellen nur 21 arbeitslose Fachkräfte, wie es in der Antwort des Ministeriums heißt. In der Krankenpflege liegt das Verhältnis bei 100 zu 41.

Ein Sprecher des Ministeriums sagte in Berlin, das im Koalitionsvertrag vereinbarte Sofortprogramm mit 8000 neuen Stellen sei "der erste Schritt", um die Pflegekräfte zu entlasten. "Um dauerhaft ausreichend Personal im Pflegebereich zu bekommen, sind natürlich mehr Stellschrauben notwendig", fügte er unter Verweis etwa auf eine Stärkung der Ausbildung und Bezahlung nach Tarif hinzu.

"Der Arbeitsmarkt für Pflegekräfte ist leergefegt", erklärte die Grünen-Abgeordnete Schulz-Asche. Gerade in den Flächenländern klafften offene Stellen und Arbeitssuchende am stärksten auseinander. In einigen Bundesländern gehe zudem die Zahl der Auszubildenden in der Krankenpflege sogar zurück.

Auch wenn die Zahl der Auszubildenden in der Altenpflege insgesamt ansteige, werde die Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt noch lange nicht gedeckt, fügte Schulz-Asche hinzu. "Das zeigt, dass die Ausbildungsförderungsmaßnahmen der letzten Jahre nicht ausreichen."

Die Grünen-Abgeordnete forderte ein Pflege-Sofortprogramm mit 50.000 "seriös finanzierten" zusätzlichen Stellen. Zudem müssten die Rückkehr in den Beruf und die Aufstockung auf Vollzeit erleichtert werden.

Nach Meinung von Linken-Parteichef Bernd Riexinger ist der Personalmangel in Wirklichkeit mehr als doppelt so groß. "Um die zum Teil lebensgefährlichen Zustände in der Pflege zu beenden", seien 100.000 Stellen in den Krankenhäusern und 40.000 Stellen für die Altenpflege zusätzlich nötig.

Die Pflegebeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion, Heike Baehrens, nannte das mit der Union vereinbarte Sofortprogramm einen "realistischen ersten Schritt, dem aber unbedingt weitere folgen müssen". So müssten Bezahlung und Arbeitsbedingungen der Pflegekräfte verbessert werden.

Der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) befand, mit den geplanten 8000 zusätzlichen Stellen sei das Problem des Fachkräftemangels nicht behoben. GKV-Vorstand Gernot Kiefer sagte der Nachrichtenagentur AFP: "Weitere Maßnahmen und zügige Entscheidungen sind notwendig."

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz machte die Arbeitgeber für den Pflegenotstand verantwortlich. "Es kann nicht sein, dass Krankenhäuser und Pflegeheimbetreiber auf Kosten der Pflegekräfte sparen und sogar ihren Profit steigern", erklärte Vorstand Eugen Brysch. Schließlich seien in den Krankenhäusern über Jahre zusätzliche Arztstellen entstanden, während Pflegestellen abgebaut worden seien.


0 Kommentare