25.04.2018, 19:25 Uhr

Berlin (AFP) Kundgebungen in Berlin und anderen deutschen Städten gegen Antisemitismus

"Berlin trägt Kippa"-Protest. Quelle: AFP/Tobias SCHWARZ (Foto: AFP/Tobias SCHWARZ)"Berlin trägt Kippa"-Protest. Quelle: AFP/Tobias SCHWARZ (Foto: AFP/Tobias SCHWARZ)

Zentralrat fordert Respekt für Juden, aber auch für Muslime und Homosexuelle

In Berlin und anderen deutschen Städten haben sich zahlreiche Menschen mit den Juden in Deutschland solidarisiert und dem Antisemitismus den Kampf angesagt. Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, forderte am Mittwochabend in Berlin "100 Prozent Respekt" für Juden, aber auch für Muslime, Ausländer, Homosexuelle und "für alle Hautfarben". Muslimische Vertreter unterstützten die Kundgebungen.

In Berlin hatte die Jüdische Gemeinde unter dem Motto "Berlin trägt Kippa" zu der Kundgebung gegen Antisemitismus aufgerufen, zu der sich nach Polizeiangaben 2000 Menschen einfanden. Wie ein AFP-Reporter berichtete, trugen zahlreiche Teilnehmer eine Kippa. Die Kundgebung wurde von einem großen Polizeiaufgebot begleitet.

Die Solidaritätsdemonstration vor dem jüdischen Gemeindehaus in Berlin-Charlottenburg war eine Reaktion auf einen Vorfall aus der vergangenen Woche. Dabei hatte ein arabischstämmiger Mann im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg einen anderen Mann, der eine Kippa trug, auf offener Straße attackiert.

Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Berlin, Gideon Joffe, warnte vor anwachsendem Antisemitismus in Deutschland. Es sei "fünf vor Zwölf", sagte er bei der Kundgebung in Berlin. "Wir müssen vorsichtig sein." Juden, Christen, Muslime und Atheisten müssten sich dem Hass gemeinsam entgegenstellen.

Bereits am Vormittag fand in Erfurt die Solidaritätskundgebung "Thüringen trägt Kippa" statt, an der auch Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) teilnahm. An einer Kundgebung am Kölner Dom beteiligten sich nach Polizeiangaben rund 500 Menschen.

Eine kleine Kundgebung in Berlin-Neukölln brachen die Veranstalter nach Angaben des Jüdischen Forums für Demokratie und gegen Antisemitismus am Nachmittag nach einer Viertelstunde ab, da sie beschimpft und bespuckt worden seien. Der Polizei zufolge fühlten sich drei Teilnehmer der Kundgebung bedroht.

Zentralratspräsident Schuster sagte in Berlin, zur Realität im Jahr 2018 gehöre, dass jüdische Eltern ihren Kindern eintrichterten, nach dem Gottesdienst die Kippa abzunehmen. Juden in Deutschland erlebten jeden Tag Antisemitismus. "Ein Weiter so darf es nicht geben." Zuvor hatte Schuster mit der Warnung für Aufsehen gesorgt, Einzelpersonen sollten aus Sicherheitsgründen in der Öffentlichkeit keine Kippa tragen.

Bei der Veranstaltung in Berlin, die von zahlreichen Politikern, Parteien und Organisationen unterstützt wurde, sprach auch Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD). Berlin sei eine "Stadt für Respekt und Toleranz", sagte er. "Es ist wichtig, zu sagen und zu zeigen, dass Antisemitismus in unserer Stadt keinen Platz hat."

Der Kippa tragende Berliner Kultursenator Klaus Lederer (Linke) sagte, alle Berliner müssten Antisemitismus in all seinen Formen gemeinsam bekämpfen. Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU), ebenfalls mit Kippa, sagte: "Wir akzeptieren Antisemitismus in unserem Land nicht, und diejenigen, die in unserem Land leben wollen, müssen es wissen."

Auch der ehemalige Grünen-Chef Cem Özdemir folgte dem Aufruf, eine Kippa zu tragen. Er sagte, "Teil der Staatsräson" sei es, das "Existenzrecht Israels zu verteidigen. Dagegen könne sich niemand stellen.

Auch der Zentralrat der Muslime unterstützte die Kundgebung. Es gehöre zu seinen tiefsten islamischen Glaubensüberzeugungen, gegen jede Form von Menschenfeindlichkeit und Rassismus Gesicht zu zeigen, sagte der Zentralratsvorsitzende Aiman Mazyek dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Gökay Sofuoglu, rief ebenfalls zum Tragen der Kippa als Zeichen der Solidarität auf. "Wenn man gegen Islamophobie vorgehen will, dann kann man auch Antisemitismus nicht dulden", sagte Sofuoglu der "Berliner Zeitung".


0 Kommentare