24.04.2018, 13:43 Uhr

Berlin (AFP) Zentralratspräsident rät Einzelpersonen vom Tragen der Kippa in Großstädten ab

Kind mit Kippa. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Daniel Bockwoldt (Foto: dpa/AFP/Archiv/Daniel Bockwoldt)Kind mit Kippa. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Daniel Bockwoldt (Foto: dpa/AFP/Archiv/Daniel Bockwoldt)

Appelle zu Teilnahme an Solidaritätskundgebung "Berlin trägt Kippa"

Der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Josef Schuster, hat vor dem Tragen der Kippa in deutschen Großstädten gewarnt. Er rate Einzelpersonen davon ab, "sich offen mit einer Kippa im großstädtischen Milieu in Deutschland zu zeigen", sagte Schuster am Dienstag dem RBB-Sender Radioeins. Für Mittwoch hat die Jüdische Gemeinde Berlin zu einer Solidaritätskundgebung unter dem Motto "Berlin trägt Kippa" aufgerufen.

Schuster fügte hinzu, er habe jedoch das Gefühl, dass "man im Großteil der Gesellschaft verstanden hat, dass wir auch an einem gewissen Wendepunkt angekommen sind". Wenn es nicht gelinge, offenem Antisemitismus entgegenzutreten, "dann stellt dies letztendlich auch eine Gefahr für unsere Demokratie dar", sagte der Präsident des Zentralrats der Juden. "Denn es geht nicht nur um Antisemitismus, damit einher geht auch Rassismus, damit einher geht auch Fremdenfeindlichkeit."

Am vergangenen Dienstag waren auf einer Straße im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg zwei Männer im Alter von 21 und 24 Jahren beleidigt und attackiert worden, wobei ein Täter einen von ihnen mit einem Gürtel schlug und leicht verletzte. Die beiden Opfer trugen zum Zeitpunkt des Angriffs Kippas. Nach dem Übergriff stellte sich ein 19-jähriger Tatverdächtiger der Polizei. Der Angriff löste abermals eine Debatte über Antisemitismus in Deutschland aus.

Als Reaktion auf den antisemitischen Übergriff rief die Jüdische Gemeinde in Berlin zu einer Kundgebung am Mittwochabend auf. Die Veranstaltung wird von zahlreichen Politikern, Parteien, Organisationen und den christlichen Kirchen unterstützt, darunter der designierte Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung, Felix Klein. Auch Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) wird bei der Solidaritätsdemonstration vor dem Gemeindehaus in der Fasanenstraße sprechen.

Für die Union kommt unter anderen Fraktionschef Volker Kauder (CDU), für die Grünen haben sich die Fraktionschefs Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter sowie die Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth angekündigt. Der religionspolitische Sprecher der FDP, Stefan Ruppert, erklärte, der Kampf gegen den Antisemitismus sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Die FDP-Fraktion unterstütze daher die Kundgebung "Berlin trägt Kippa".

Die Linke ist ebenso vertreten. Auch die AfD rief zur Teilnahme auf. Zugleich erklärte der stellvertretende Bundessprecher Georg Pazderski, seine Partei habe bereits frühzeitig "vor dem massiven Erstarken des muslimischen Antisemitismus" gewarnt.

Unterstützt wird die Kundgebung auch von der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG), die die Muslime aufrief, als Zeichen der Solidarität eine Gebetsmütze zu tragen. In der Vergangenheit wurde Milli Görüs wegen des Vorwurfs radikalislamischer Tendenzen teilweise vom Verfassungsschutz beobachtet.


0 Kommentare