23.04.2018, 16:24 Uhr

Kopenhagen (AFP) Staatsanwaltschaft fordert lebenslange Haft für U-Boot-Bauer Madsen

Ermittler auf Madsens U-Boot "Nautilus" . Quelle: Scanpix Denmark/AFP/Archiv/Jens Noergaard Larsen (Foto: Scanpix Denmark/AFP/Archiv/Jens Noergaard Larsen)Ermittler auf Madsens U-Boot "Nautilus" . Quelle: Scanpix Denmark/AFP/Archiv/Jens Noergaard Larsen (Foto: Scanpix Denmark/AFP/Archiv/Jens Noergaard Larsen)

Verteidigung wirft Anklage "Horror-Geschichte ohne Fakten" vor

Der dänische Erfinder Peter Madsen soll nach dem Willen der Staatsanwaltschaft mit lebenslanger Haft für den Mord an der Journalistin Kim Wall bestraft werden. Der U-Boot-Bauer habe mit dem grausamen Mord "das perfekte Verbrechen" begehen wollen, sagte Staatsanwalt Jakob Buch-Jepsen am Montag in seinem Abschlussplädoyer vor Gericht in Kopenhagen. Madsens Verteidigung warf der Anklage hingegen vor, eine "Horror-Geschichte ohne Fakten" aufgetischt zu haben.

Zum Abschluss der Verhandlung richtete Madsen selbst das Wort an das Gericht. "Es tut mir sehr, sehr leid, was passiert ist", sagte der 47-Jährige.

Staatsanwalt Buch-Jepsen zeigte sich überzeugt von der Schuld des Angeklagten. "Er hatte einen idealen kriminellen Plan", sagte er. Es gebe "keinen Zweifel" an Madsens Schuld.

Der Staatsanwalt appellierte an den "gesunden Menschenverstand" der Richterin und der zwei Geschworenen, die gemeinsam das Urteil fällen sollen, und forderte sie auf, den Angeklagten zu lebenslanger Haft zu verurteilen. Das Strafmaß bedeutet in Dänemark durchschnittlich 16 Jahre hinter Gittern. Das Urteil wird für Mittwochmittag erwartet.

Madsens Verteidigerin Betina Hald Engmark bemängelte in ihrem Abschlussplädoyer eine schwache Beweislage. "Die Anklage hat eine sehr interessante Geschichte präsentiert", sagte Engmark. Ihr fehlten allerdings die Fakten.

Laut Gerichtsmedizin wurde die Schwedin Wall wahrscheinlich durch Strangulierung oder einen Kehlenschnitt getötet. Die Gerichtsmedizinerin Christina Jacobsen hatte jedoch bei ihrer Anhörung vor Gericht eingeräumt, dass eine Gasvergiftung nicht ausgeschlossen werden könne.

Eine U-Boot-Expertin zweifelte zwar Madsens Darstellung an, wonach Wall in Folge eines Druckabfalls im Inneren des U-Bootes an giftigen Gasen erstickt sei. Aber ein anderer vor Gericht geladener Experte widersprach wiederum der Auffassung der Expertin.

Der 47-jährige Angeklagte bestreitet den Vorwurf der Staatsanwaltschaft, Wall an Bord seines U-Boots ermordet zu haben, um seine sexuellen Fantasien auszuleben.

Die Anklage ist davon überzeugt, dass Madsen die schwedische Journalistin im vergangenen August an Bord seines selbst gebauten U-Boots gefesselt, missbraucht und ermordet hatte, bevor er ihre Leiche zerstückelte und im Meer versenkte. Sie zeichnet von Madsen das Bild eines sexuell perversen Sadisten mit narzisstischen und psychopathischen Zügen. Neben Mord wirft sie ihm schweren sexuellen Missbrauch sowie Leichenschändung vor.


0 Kommentare