23.04.2018, 07:01 Uhr

Berlin (AFP) Arbeitgeber-Präsident: Neue Pflege-Ausbildung überfordert Berufsanfänger  

Eine Pflegekraft leistet Hilfe beim Essen. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Matthias Benirschke (Foto: dpa/AFP/Archiv/Matthias Benirschke)Eine Pflegekraft leistet Hilfe beim Essen. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Matthias Benirschke (Foto: dpa/AFP/Archiv/Matthias Benirschke)

Kramer warnt vor Verschärfung des Pflegenotstands

Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer hat vor einer Verschärfung des Pflegenotstandes durch überzogene Ausbildungsanforderungen für Pflegekräfte gewarnt. Die Auszubildenden würden durch die geplante Neuregelung des Pflegeberufegesetzes abgeschreckt und überfordert, sagte Kramer der "Bild"-Zeitung vom Montag.

"Wir brauchen junge Menschen mit normalen Schulnoten, aber viel Herzenswärme und Geduld gerade in der Altenpflege", sagte der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). "Wenn wir sie mit Anforderungen eines Studiums 'Medizin light' abschrecken und überfordern, verschärfen wir den Pflegenotstand."

Kramer verwies dabei auf die kürzlich vorgelegte Ausbildungsverordnung für den künftigen Beruf einer Pflegefachfrau beziehungsweise eines Pflegefachmannes. Er soll ab 2020 die bisherigen eigenständigen Berufe des Altenpflegers, des Krankenpflegers und des Kinderkrankenpflegers ablösen.

Pflegekräfte sollen danach künftig unter anderem "über ein breites Verständnis von spezifischen Theorien und Modellen zur Pflegeprozessplanung" verfügen. Außerdem sollen sie "pflegebezogene Daten anhand von pflegewissenschaftlichen Erkenntnissen erheben und interpretieren" und über "ein integratives Verständnis von psychosomatischen Zusammenhängen verfügen".

Diese Anforderungen seien völlig überzogen, warnte Kramer. Mehr als die Hälfte der Auszubildenden in Pflegeberufen habe nur den Hauptschulabschluss.

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) und Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatten im März die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung zum neuen Pflegeberufegesetz vorgelegt. Die neue Ausbildung, die künftig stärker gebündelt werden soll, startet mit Jahresbeginn 2020. Die bisher drei separaten Berufsausbildungen in der Altenpflege, Krankenpflege und Kinderkrankenpflege werden dann zumindest in den ersten beiden Jahren zusammengeführt, bevor eine Möglichkeit zur weiteren Spezialisierung besteht.


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