22.04.2018, 18:50 Uhr

Wiesbaden (AFP) Nahles mit magerem Ergebnis zur SPD-Vorsitzenden gewählt

Neue SPD-Chefin Andrea Nahles. Quelle: AFP/Daniel ROLAND (Foto: AFP/Daniel ROLAND)Neue SPD-Chefin Andrea Nahles. Quelle: AFP/Daniel ROLAND (Foto: AFP/Daniel ROLAND)

SPD-Fraktionschefin kommt auf Bundesparteitag nur auf zwei Drittel der Stimmen

Andrea Nahles steht als erste Frau an der Spitze der SPD. Allerdings wurde die Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion auf einem Bundesparteitag am Sonntag in Wiesbaden nur mit einem mageren Ergebnis zur Parteichefin gewählt. Sie setzte sich mit nur gut 66 Prozent der Stimmen gegen die Flensburger Oberbürgermeisterin Simone Lange durch und rief die Partei zur Geschlossenheit auf. Ihr Ergebnis nannte sie "ehrlich".

Bei der geheimen Abstimmung bekam Nahles 414 von 624 gültigen Stimmen. Für ihre Gegenkandidatin Lange stimmten 172 Delegierte, 38 enthielten sich. Lange kam damit auf eine Zustimmungsquote von knapp 28 Prozent.

Nahles erzielte auch aufgrund dieses Zweikampfs eines der schlechtesten Ergebnisse bei der Wahl für den SPD-Vorsitz. Im Jahr 1995 hatte sich zuletzt in einer Kampfabstimmung Oskar Lafontaine gegen Rudolf Scharping durchgesetzt und 62,6 Prozent erhalten.

Nahles folgt an der Parteispitze auf Bundesfinanzminister Olaf Scholz, der die SPD für zwei Monate kommissarisch führte. Scholz bezeichnete die erstmalige Wahl einer Frau an die SPD-Spitze als "historischen Moment". Dies sei ein "Fortschritt, der lange fällig war".

Vor dieser Übergangszeit mit Scholz an der SPD-Spitze war Martin Schulz als Vorsitzender zurückgetreten. Er hatte ursprünglich nach Abschluss der Koalitionsverhandlungen mit der Union das Amt des Außenministers angestrebt und Nahles als neue Parteivorsitzende vorgeschlagen.

Der SPD-Fraktionschefin gelang nun zwei Monate später in Wiesbaden der Sprung an die Parteispitze. Sie warb vor der Wahl in einer kämpferischen Rede um Zustimmung. Nahles zeigte sich dabei überzeugt, dass die Erneuerung der Partei auch in der großen Koalition gelingen könne. "Den Beweis dafür will ich ab morgen antreten", sagte Nahles in ihrer Bewerbungsrede.

Nach ihrer Wahl zur SPD-Vorsitzenden mahnte sie die Partei zur Geschlossenheit. Die SPD müsse ihre Erneuerung gemeinsam angehen. Nahles versicherte, sie werde dafür "arbeiten und rackern". Die unterlegene Gegenkandidatin Lange sicherte der neuen Parteivorsitzenden ihre Unterstützung zu.

Ihr Wahlergebnis will Nahles nach eigenen Worten als Ansporn begreifen. "Ich verstehe das Ergebnis als Auftrag", sagte Nahles im ARD-Fernsehen. Sie habe "ein ehrliches Ergebnis erwartet". "Das hatte ich auch schon vorher gesagt, denn dafür rumort es zu sehr in unserer Partei", sagte die neue SPD-Vorsitzende. Ihre Aufgabe sei nun eine "inhaltliche Neuausrichtung an vielen Stellen für die SPD".

Der frühere Parteivorsitzende und Kanzlerkandidat Schulz wurde auf dem Parteitag mit stehendem Applaus gefeiert. Nahles sagte an seine Adresse, es verdiene "größten Respekt", mit welcher Haltung er diese Zeit durchgestanden habe. Was Schulz in der "Achterbahn" seiner Amtszeit durchlebt habe, könnten andere nur erahnen.

Schulz mahnte die SPD, geschlossen hinter Nahles zu stehen. Die Parteivorsitzende brauche den Rücken frei, "um sich mit dem politischen Gegner auseinandersetzen". Er bekräftigte, dass er "ohne Zorn und Bitterkeit" aus dem Amt geschieden sei. Schulz sicherte Nahles auch persönlich seine Unterstützung zu: "Unsere Zusammenarbeit war super und wird super bleiben."

Die SPD will sich im Zuge ihrer angestrebten Neuaufstellung auch programmatisch erneuern. Bis zum Jahr 2020 will die Partei "Antworten auf die großen Fragen unserer Zeit liefern", wie es in einem auf dem Parteitag gefassten Beschluss heißt.

In dem Beschluss bekennt sich die SPD zur Arbeit in der großen Koalition. Durch sie könnten Verbesserungen für den Alltag der Menschen erzielt werden. Zugleich skizzieren die Sozialdemokraten, was sie sich über die aktuelle Regierungspolitik hinaus vorstellen. "Unser Ziel ist ein inklusives Wachstum, also ein Wirtschaftswachstum mit guten Arbeitsbedingungen und existenzsichernden Löhnen."

Ein Antrag der Jungssozialisten, der eine Abkehr von der sogenannten schwarzen Null in der Haushaltspolitik und grundlegende Reformen bei Hartz IV vorsah, wurde mit recht knapper Mehrheit abgelehnt.


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