22.04.2018, 13:10 Uhr

Kabul (AFP) Mindestens 48 Tote und über hundert Verletzte bei Selbstmordanschlag in Kabul


IS-Miliz bekennt sich zu Attentat auf Zentrum zu Registrierung von Wählern

Ein Selbstmordattentäter hat in Kabul vor einem Zentrum zur Registrierung von Wählern am Sonntag mindestens 48 Menschen in den Tod gerissen. Weitere 112 Menschen wurden nach Angaben des Gesundheits- und des Innenministeriums verletzt. Zu der Tat bekannte sich die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS). Der erneute Anschlag verschärft die Sorge um die Sicherheit der für Oktober geplanten Parlamentswahlen.

"Es ist am Eingangstor des Zentrums passiert. Es war ein Selbstmordanschlag", sagte der Polizeichef von Kabul, Dawood Amin, der Nachrichtenagentur AFP. Alle Opfer seien Zivilisten, unter ihnen auch Frauen und Kinder, erklärte Nadschib Danisch, Sprecher des Innenministeriums, im Online-Netzwerk Facebook.

Der Fernsehsender Ariana zeigte Bilder von Blutlachen und Glassplittern auf der Straße. Wütende Menschen riefen "Tod der Regierung" und "Tod den Taliban". Ein Verletzter, der im Krankenhaus lag, sagte dem Sender: "Ich weiß nicht, wo meine Töchter sind." Ein Augenzeuge sagte dem Sender Tolo TV: "Jetzt ist klar, dass die Regierung uns nicht schützen kann: Wir müssen uns bewaffnen und uns selber schützen."

Der afghanische Präsident Aschraf Ghani verurteilte den Anschlag sowie einen weiteren vom Sonntag in der nördlichen Provinz Baghlan mit sechs Toten als "abscheulich". Auch US-Botschafter John Bass und die Nato verurteilten den Angriff in Kabul.

Die sunnitische Dschihadistenmiliz IS bekannte sich über ihr Sprachrohr Amaq zu dem Anschlag, der in einem mehrheitlich von Schiiten bewohnten Stadtteil im Westen Kabuls verübt wurde. In sozialen Medien veröffentlichte Fotos zeigten starke Schäden an dem zweistöckigen Gebäude. In dem Zentrum wurden auch Identitätsnachweise ausgestellt, die für die Registrierung als Wähler erforderlich sind.

Die Behörden hatten Mitte April mit der Registrierung der Wähler für die Parlamentswahl im Oktober begonnen. In mehr als 7000 Wahlzentren können sich volljährige Afghanen zwei Monate lang für die Wahl registrieren lassen. Die Wahlkommission hofft darauf, dass sich 14 Millionen Stimmberechtigte ins Wahlregister eintragen lassen.

Afghanistan will am 20. Oktober die seit drei Jahren überfällige Parlamentswahl nachholen. Die Abstimmung sollte ursprünglich schon 2015 stattfinden, wurde aber wegen Sicherheitsbedenken und logistischer Probleme immer wieder verschoben. Die Wahl gilt als Generalprobe für die Präsidentenwahl, die im April 2019 stattfinden soll.

Die Behörden rechnen damit, dass neben den radikalislamischen Taliban und der IS-Miliz auch örtliche Anführer und Milizen versuchen werden, die Abstimmung zu sabotieren. Zum Schutz der Registrierzentren wurden Polizisten und Soldaten abgestellt.

Erst am Freitag hatten Angreifer Raketen auf ein Wahlzentrum in der nordwestlichen Provinz Badghis abgefeuert. Dabei wurde mindestens ein Polizist getötet, ein weiterer Mensch wurde verletzt. Für den Angriff wurden die Taliban verantwortlich gemacht.

Am Dienstag hatten bewaffnete Taliban ein Wahlzentrum in der zentralafghanischen Provinz Ghor überfallen und fünf Menschen entführt, die am Donnerstag wieder freigelassen wurden.

Der letzte schwere Anschlag hatte Kabul am 21. März erschüttert, als sich ein Selbstmordattentäter während des Persischen Neujahrsfestes in die Luft sprengte und mindestens 33 Menschen tötete. Die Bevölkerung rechnet mit dem baldigen Beginn der alljährlichen Frühjahrsoffensive der Taliban.


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