20.04.2018, 23:34 Uhr

Washington (AFP) Schüler in den USA erinnern an Opfer des Blutbads an der Columbine High School

Protest im Washington Square Park in New York. Quelle: GETTY IMAGES/AFP/Drew Angerer (Foto: GETTY IMAGES/AFP/Drew Angerer)Protest im Washington Square Park in New York. Quelle: GETTY IMAGES/AFP/Drew Angerer (Foto: GETTY IMAGES/AFP/Drew Angerer)

Proteste gegen laxe Waffengesetze - neuer Schusswaffenvorfall an Schule

Die meisten von ihnen waren vor 19 Jahren noch nicht geboren - dennoch haben am Freitag in den USA tausende Schüler mit einer Protestaktion des Massakers an der Columbine High School im Jahr 1999 gedacht. Die Schüler marschierten am Vormittag zeitgleich aus ihren Klassen und setzten damit einmal mehr ein Zeichen gegen die laxen Waffengesetze in ihrem Land. Unterdessen gab es an einer Schule in Florida erneut einen bewaffneten Zwischenfall.

Der nationale "Walkout" wurde um 10.00 Uhr (16.00 Uhr MESZ) von 13 Schweigeminuten eingeleitet, während derer die Namen der im April 1999 an der Columbine High School getöteten zwölf Schüler und eines Lehrers verlesen wurden. Zu dem landesweiten Gedenken hatten Schüler der Marjory Stoneman High School in Parkland im US-Bundesstaat Florida aufgerufen. Dort hatte ein 19-Jähriger am Valentinstag 17 Menschen erschossen.

Die Parkland-Schüler stehen seit dem Vorfall an der Spitze einer Kampagne für ein strengeres Waffenrecht in den USA. Bisheriger Höhepunkt der Bewegung waren Ende März Demonstrationen von mehr als einer Million Menschen gegen die laxen Waffengesetze.

Am Freitag versammelten sich in Washington mehrere hundert Schüler vor dem Weißen Haus. Auf Schildern der Demonstranten war zu lesen: "Stoppt die Waffengewalt", "Bücher statt Kugeln" oder "Recht auf Sicherheit". In New York gingen mehrere tausend Schüler auf die Straße.

Cameron Kasky, einer der Anführer der Aktivisten aus Parkland, äußerte sich auf Twitter "stolz" auf die Schüler im ganzen Land, die sich "für einen positiven Wandel" einsetzten und "verlangen, was wir verdienen".

Mitschüler David Hogg sagte in Parkland: "Wir müssen rausgehen und uns Gehör verschaffen." Seine Schwester Lauren ergänzte: "Ich hoffe, dass es den Leuten zeigt, dass wir zwar noch nicht alt genug sind, um zu wählen, aber alt genug, um eine Stimme zu haben."

Die frühere Kongressabgeordnete Gabby Giffords, die 2011 durch einen bewaffneten Angriff schwere Schusswunden erlitt, drückte ihre Solidarität mit der Protestbewegung aus. "Nach Columbine haben die amerikanischen Politiker gesagt: 'Nie wieder'", schrieb sie auf Twitter. "Aber nach fast zwei Jahrzehnten des Nichtstuns ist es eindeutig, dass sie ihre grundlegende Pflicht verletzt haben, unsere Kinder zu schützen."

Mehrere Schauspieler unterstützten einen offenen Brief von Parkland-Schülern an die mächtige US-Waffenlobby NRA. Zu den prominenten Unterzeichnern zählten Alec Baldwin, Amy Schumer, Julianne Moore sowie der Filmemacher und Aktivist Michael Moore. Dieser hatte in dem Dokumentarfilm "Bowling for Columbine" das Massaker an der Columbine High School verarbeitet.

An der Schule in Littleton im Bundesstaat Colorado hatten am 20. April 1999 zwei schwarz gekleidete und vermummte Jugendliche zwölf Mitschüler und einen Lehrer erschossen. Anschließend begingen sie Suizid.

Laut einer am Donnerstag veröffentlichten Studie haben Schießereien an US-Schulen in den vergangenen 20 Jahren rasant zugenommen. Auch während der Schüleraktionen am Freitag gab es einen bewaffneten Zwischenfall: Ein Schüler verletzte nach Angaben der Polizei an der Forest High School in Florida einen Menschen. Wie die Zeitung "The Ocala Star Banner" berichtete, wurde ein 17-jähriger Schüler durch einen Schuss in den Knöchel verletzt. Ein Verdächtiger wurde laut Polizei festgenommen.

Laut einer am Freitag veröffentlichten Umfrage des Senders ABC News und der Zeitung "Washington Post" hat sich die Zahl der Befürworter strengerer Waffengesetze in den USA un den vergangenen Wochen deutlich erhöht. 62 Prozent der Befragten gaben an, für ein Verbot von Sturmgewehren zu sein. 71 Prozent sagten, der Kongress mache zu wenig gegen Waffengewalt.


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