20.04.2018, 12:18 Uhr

Berlin (AFP) Nahles-Kontrahentin Lange bekräftigt vor Parteitag Anspruch auf SPD-Vorsitz

Die Flensburger Oberbürgermeisterin Lange. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Peter Steffen (Foto: dpa/AFP/Archiv/Peter Steffen)Die Flensburger Oberbürgermeisterin Lange. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Peter Steffen (Foto: dpa/AFP/Archiv/Peter Steffen)

SPD-Vize Schwesig nennt erste Frau an Parteispitze "historisch"

Die Flensburger Oberbürgermeisterin Simone Lange hat vor dem SPD-Bundesparteitag erneut ihren Anspruch auf den Parteivorsitz bekräftigt. Lange warf der als Favoritin geltenden Andrea Nahles am Freitag vor, nicht die Voraussetzungen für den dringend nötigen Erneuerungsprozess der Sozialdemokraten mitzubringen. Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) kritisierte derweil die Führungskultur seiner Partei. Das Teamspiel sei "ausbaufähig".

Die SPD wählt am Sonntag in Wiesbaden eine neue Vorsitzende. Die Wahl von Fraktionschefin Nahles gilt als sicher, Lange werden allenfalls Außenseiterchancen eingeräumt.

Ungeachtet dessen warb Lange weiter um Zustimmung. Nahles habe mehrere Chancen gehabt, die Partei nach vorne zu bringen, "und es ist ihr nicht gelungen", sagte die Kommunalpolitikerin im SWR.

Im Bayerischen Rundfunk sagte Lange, vor allem nach dem langen Ringen um die große Koalition habe ihre Partei ein Glaubwürdigkeitsproblem. "Wir haben ja keine schlechten Antworten auf die Fragen dieser Gesellschaft. Aber die Menschen glauben uns das jetzt nicht mehr." Sie könne Glaubwürdigkeit besser als Nahles verkörpern, weil sie nicht schon 20 Jahre im Bundestag sitze.

Der Zeitung "Welt" (Samstagsausgabe) sagte Lange: "Es nimmt uns doch keiner ab, dass wir seit Jahren behaupten, wir würden uns erneuern – und dann treten doch immer wieder die Leute an, die bei uns schon seit Ewigkeiten Führungspositionen bekleiden." Im Interview mit dem Nachrichtenportal "t-online" forderte Lange mehr "Unruhe" in der SPD. Nur so könne die Partei wieder politische Debatten bestimmen.

SPD-Parteivize Ralf Stegner sagte dem Sender n-tv: "Ich bin sicher, die Delegierten werden eine kluge Entscheidung treffen." Er verwies darauf, dass Nahles eine sehr erfahrene Politikerin sei. "Ich glaube, sie kann das gut", sagte er. Stegner fügte hinzu: "Wir müssen auch über das hinaus denken, was mit der Union möglich ist."

Der frühere SPD-Vorsitzende Franz Müntefering warnte Nahles allerdings davor, die Partei als Gegenpol zur Regierung aufzubauen. "Wir sind in der Regierung. Wenn wir als Partei die Regierung taktisch angreifen, greifen wir uns selbst an", sagte Müntefering der neuen Ausgabe des Magazins "Spiegel". Er forderte Nahles dazu auf, vor allem die Fraktion zu stärken.

Juso-Chef Kevin Kühnert kündigte an, auf dem Parteitag für Nahles zu stimmen. Es sei "eine der schwierigsten Entscheidungen, die ich bislang treffen musste", sagte er dem "Spiegel". Er werde für Nahles stimmen, "nicht aus Euphorie, sondern als Vertrauensvorschuss, der an Erwartungen geknüpft ist".

Niedersachsens Ministerpräsident Weil sagte dem "Handelsblatt" zur Führungskultur in der SPD: "Da sind in der Vergangenheit Fehler gemacht worden. Manches ging zu schnell und wurde nicht transparent kommuniziert."

SPD-Vize Manuela Schwesig nannte die erwartete Wahl von Andrea Nahles "historisch". "Die SPD wird nach mehr als 150 Jahren zum ersten Mal eine Parteivorsitzende wählen", sagte sie der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vom Freitag. Die Gleichstellung von Männern und Frauen sei immer ein zentrales Anliegen der SPD gewesen, sagte Schwesig und warb zugleich für Nahles.


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