20.04.2018, 11:24 Uhr

Düsseldorf (AFP) Bahn will im Fernverkehr mehr Platz schaffen

ICE-Zug der vierten Generation. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Daniel Bockwoldt (Foto: dpa/AFP/Archiv/Daniel Bockwoldt)ICE-Zug der vierten Generation. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Daniel Bockwoldt (Foto: dpa/AFP/Archiv/Daniel Bockwoldt)

Längere ICE-Züge sollen Zwangsräumungen verhindern

Die Deutsche Bahn will im Fernverkehr in die Offensive gehen und mehr Platz für Reisende schaffen. Auf besonders frequentierten Strecken sollen künftig längere Züge zum Einsatz kommen, wie Bahnchef Richard Lutz dem "Handelsblatt" vom Freitag sagte. Damit will die Bahn auch Zwangsräumungen überfüllter Züge verhindern, zu denen es laut Lutz "im Fernverkehr im Durchschnitt ein halbes Dutzend Mal pro Woche" kommt.

"Wir wollen noch stärker als bisher Auto und Flugzeug angreifen", sagte der Bahnchef der Zeitung weiter. Im Frühsommer werde die Bahn dazu ein Konzept präsentieren. Demnach ist der Kauf weiterer ICE-Züge für knapp eine Milliarde Euro geplant. Derzeit wird die vierte Generation der ICE-Flotte ausgeliefert, wobei die Züge jeweils 830 Sitzplätze haben. In den längeren Zügen hätten "mehr als 900 Fahrgäste" Platz, sagte Lutz dem "Handelsblatt".

Mit diesem Vorstoß reagiert die Bahn auch auf die an manchen Tagen extrem hohe Auslastung im Fernverkehr. Anders als beispielsweise in Frankreich gibt es bei der Bahn ein sogenanntes offenes System, bei dem Reisende keinen Platz im Zug reservieren müssen. Auf der einen Seite bedeutet das für Bahnkunden mehr Flexibilität, auf der anderen Seite gibt es dadurch insbesondere freitags immer wieder Fernzüge, die aus allen Nähten platzen.

Aus Sicherheitsgründen zieht die Bahn in diesen Fällen bei einer Auslastung von 200 Prozent die Notbremse - und versucht zunächst mit Durchsagen und Reisegutscheinen im Wert von 30 Euro Passagiere davon zu überzeugen, einen anderen Zug zu nutzen. In manchen Fällen muss die Bahn dann allerdings die Bundespolizei zur Hilfe ziehen, um Reisende zum Aussteigen zu bewegen.

Grundsätzlich begrüßte Lutz im Gespräch mit dem "Handelsblatt" das im Koalitionsvertrag verankerte Ziel, mehr Verkehr auf die Schiene zu bringen und bis 2030 die Zahl der Fahrgäste zu verdoppeln. Dieses Vorhaben sei zwar "ausgesprochen sportlich", aber zugleich ein "wirklich starkes verkehrspolitisches Signal".

Die Fernverkehrsoffensive werde aber Geld kosten, erklärte der Bahnchef. Und die notwendigen Investitionen werde die Bahn nicht allein stemmen können. Dazu reiche die derzeitige "Finanzkraft jedenfalls nicht aus". Hier setzt Lutz auf die Hilfe des Bundes, wie das "Handelsblatt" berichtet.

Für Schlagzeilen sorgte indes erneut die Verlegung des Stuttgarter Hauptbahnhofs unter die Erde: Im Verkehrsausschuss des Bundestages habe Lutz eingeräumt, dass das umstrittene Projekt Stuttgart 21 unwirtschaftlich sei, berichtete die "Rhein-Neckar-Zeitung" am Freitag unter Berufung auf Teilnehmerkreise der nichtöffentlichen Ausschusssitzung. "Mit dem Wissen von heute würde man das Projekt nicht mehr bauen", habe Lutz in der Sitzung am vergangenen Mittwoch versichert.

So rechne die Bahn mit einem Defizit von mehr als 2,2 Milliarden Euro für den Konzern, schrieb die Zeitung. Einen Baustopp und Abbruch des Projektes lehne die Konzernführung jedoch ab, da die Abbruchkosten auf sieben Milliarden Euro geschätzt würden, hieß es.


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