20.04.2018, 14:09 Uhr

Augsburg (AFP) Opel laufen laut Betriebsratschef die Leute weg

Streit über Opel-Sanierung. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Boris Roessler (Foto: dpa/AFP/Archiv/Boris Roessler)Streit über Opel-Sanierung. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Boris Roessler (Foto: dpa/AFP/Archiv/Boris Roessler)

Geplanter Stellenabbau bis 2020 wird "locker" erfüllt

Der geplante Stellenabbau zur Sanierung des Autobauers Opel geht nach Angaben des Betriebsrates schneller voran als angestrebt. Der neue Opel-Mutterkonzern PSA habe einen Abbauplan für 3700 Arbeitsplätze bis zum Jahr 2020 vorgelegt, sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Wolfgang Schäfer-Klug am Freitag in Frankfurt am Main. Diese Zahlen würden "locker" erfüllt - "das Problem ist: Opel laufen wirklich die Leute weg".

Unter dem Druck von PSA versucht Opel derzeit, seine Kosten massiv zu senken. Dazu legte der Konzern im Dezember Programme für Altersteilzeit und Vorruhestand sowie Ende März ein Programm für freiwillige Abfindungen auf. Allein für den Vorruhestand entschieden sich nach Angaben des Betriebsrates bereits 1500 Angestellte, weitere 2000 seien dazu bereit.

Im Streit um die Sanierung bei Opel forderte IG-Metall-Chef Jörg Hofmann Klarheit über die deutschen Standorte. Das PSA-Management müsse "endlich deutlich machen, wie es mit neuen Produkten der Marke Opel Marktanteile erobern will", sagte er der "Augsburger Allgemeinen" vom Freitag. "Doch auf all unsere Fragen bekommen wir aus Paris keine Antworten." Seitens PSA gebe es "Drohgebärden", jedoch keine überzeugenden Strategien.

Hofmann forderte nun vor allem Klarheit über die deutschen Opel-Standorte. "Was wir brauchen, sind jetzt belastbare Planungen für die Auslastung der Werke", sagte Hofmann der "Augsburger Allgemeinen". Schon heute sei der Vertrauensverlust "gewaltig".

Opel-Chef Michael Lohscheller pochte hingegen auf Zugeständnisse der Mitarbeiter. Diese müssten auf übertarifliche Leistungen verzichten. Sonst gebe es keine Chance, die deutschen Werke wettbewerbsfähig zu machen, sagte Lohscheller den VRM-Zeitungen mit Sitz in Mainz. "Ich tue mich schwer damit, dass ein Unternehmen in solch einer wirtschaftlichen Schieflage in vielen Bereichen noch übertariflich zahlt", sagte Lohscheller.

Regierungssprecher Steffen Seibert sagte am Freitag in Berlin, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sei es "sehr wichtig", dass alle Beteiligten im Gespräch miteinander seien. Eine Sprecherin des Arbeitsministeriums sagte, das Ministerium von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) sei in Gesprächen mit der Konzernführung, damit Beschäftigung und Standorte in Deutschland gesichert würden.

Linken-Chef Bernd Riexinger warf PSA unterdessen "Brutalität" vor. "Wenn PSA sich nicht im Stande sieht, gemachte Beschäftigungs- und Standortgarantien einzuhalten, sollte Opel vergesellschaftet werden", sagte Riexinger AFP. Mit einem Umbau zu einem Mobilitätskonzern, der Lösungen für die Verkehrswende entwickele, könne es eine Zukunft für Opel geben.

PSA um die Marken Peugeot und Citroën hatte Opel und die britische Vauxhall im vergangenen Sommer von dem US-Konzern General Motors übernommen. Der Kaufpreis betrug 1,3 Milliarden Euro.


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