19.04.2018, 19:19 Uhr

Paris (AFP) Demonstrationen und Streiks gegen Macrons Reformpolitik in Frankreich

Demonstration in Paris. Quelle: AFP/Philippe LOPEZ (Foto: AFP/Philippe LOPEZ)Demonstration in Paris. Quelle: AFP/Philippe LOPEZ (Foto: AFP/Philippe LOPEZ)

Zehntausende Menschen beteiligen sich an Protesten

In Frankreich haben bei landesweiten Protesten gegen die Reformpolitik von Präsident Emmanuel Macron zehntausende Menschen demonstriert. Dem Protestaufruf von zwei Gewerkschaften folgten am Donnerstag unter anderem Beamte, Studenten, Krankenhausmitarbeiter und Beschäftigte der Staatsbahn SNCF. Ein erneuter Streiktag bei der Bahn sorgte zudem für Behinderungen im Zugverkehr. Arbeitsniederlegungen gab es auch im Energiesektor, in Krippen und an Schulen.

Landesweit waren am Donnerstag nach Angaben der Gewerkschaft CGT fast 190 Kundgebungen angesetzt. Nach CGT-Angaben beteiligten sich insgesamt 300.000 Menschen an den Protesten. Das Innenministerium gab die Zahl der Demonstranten mit 119.500 an. Beim letzten Aktionstag im März hatten beide Seiten deutlich mehr Teilnehmer gezählt.

In der Hauptstadt Paris demonstrierten laut einer unabhängigen Zählung über 15.000 Menschen; die Polizei sprach von 11.500 Demonstranten, die CGT von 50.000. Einige Protestierer lieferten sich dabei heftige Auseinandersetzungen mit der Polizei und schlugen Schaufenster ein.

Ein verletzter Demonstrant sei in ein Krankenhaus eingeliefert, sieben Polizisten leicht verletzt worden, teilte das Innenministerium mit. Auch in Marseille, Lyon, Rennes, Bordeaux und Straßburg gingen tausende Menschen auf die Straße.

Die weit links stehenden Gewerkschaften CGT und Solidaires hatten zu einem "Zusammenschluss der Kämpfe" aufgerufen. Sie wollen die verschiedenen Protestbewegungen gegen Macrons als "neoliberal" kritisierte Reformpolitik zusammenführen. "Wir haben es in allen hier versammelten Sektoren mit den gleichen Problemen zu tun", sagte eine Gewerkschaftsvertreterin.

Der vor knapp einem Jahr zum Präsidenten gewählte Macron hat seit seinem Amtsantritt eine Reihe von Reformen umgesetzt oder angestoßen. Seit Wochen sorgt bereits die geplante Bahnreform für den Unmut der SNCF-Mitarbeiter. Macron will die Staatsbahn wettbewerbsfähiger machen und den beamtenähnlichen Status der Bahnbeschäftigten abschaffen.

Zu den Protesten befragt, sagte Macron während seines Besuchs in Berlin am Donnerstag, er habe für seine Reformpolitik "ein Mandat der Franzosen", an das er sich zu halten versuche.

Seit Anfang April gibt es regelmäßig Streiks gegen die Reform, die am Dienstag in erster Lesung die Nationalversammlung passierte. Verkehrsministerin Elisabeth Borne bekräftigte am Donnerstag, die Reform sei "notwendig" und werde durchgezogen.


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