19.04.2018, 13:09 Uhr

Rom (AFP) 21 mutmaßliche Mafiosi bei Ermittlungen gegen Boss der Cosa Nostra festgenommen

Polizist bei Pk zum Polizeieinsatz rund um Trapani. Quelle: AFP/ALESSANDRO FUCARINI (Foto: AFP/ALESSANDRO FUCARINI)Polizist bei Pk zum Polizeieinsatz rund um Trapani. Quelle: AFP/ALESSANDRO FUCARINI (Foto: AFP/ALESSANDRO FUCARINI)

Verdächtige sollen Befehle von Matteo Messina Denaro weitergegeben haben

Im Zuge ihrer Ermittlungen gegen den seit 25 Jahren flüchtigen sizilianischen Mafiaboss Matteo Messina Denaro hat die italienische Polizei 21 Verdächtige aus seinem näheren Umfeld festgenommen. Sie seien am Donnerstag in Orten rund um die sizilianische Stadt Trapani gefasst worden, teilte die Polizei mit. Die mutmaßlichen Mitglieder der Cosa Nostra sollen mit Denaro mithilfe winziger Zettelchen kommuniziert haben.

Die Polizei hatte zunächst von 22 Festnahmen gesprochen, stellte aber später klar, dass es nur 21 gewesen seien. Der 22. wäre Denaro selbst, der 1993 untergetauchte Mafiaboss ging den Fahndern jedoch nicht ins Netz. Paolo Guido von der Staatsanwaltschaft in Palermo teilte mit, bei sechs der Festgenommen handele es sich um örtliche Mafiabosse.

Ein Polizeivertreter bestätigte der Nachrichtenagentur AFP, bei den Festgenommen handele es sich um Denaros engste Vertraute, darunter seine Schwager Gaspare Como und Rosario Allegra. Die wichtigsten Mitglieder von Denaros Mafiabande gehörten seiner Familie an, hob der Leiter der zuständigen Sonderkommission, Pasquale Angelosanto, bei einer Pressekonferenz in Palermo hervor.

Den Verdächtigen wird Mitgliedschaft in einer mafiösen Vereinigung, Erpressung und Waffenbesitz vorgeworfen. Außerdem sollen sie Teil der Befehlskette der Cosa Nostra gewesen sein, wie die Polizei ausführte. Sie hätten mit Denaro mit sogenannten pizzini in Kontakt gestanden, kleine Zettelchen mit zumeist verschlüsselten Botschaften für die Kommunikation innerhalb der Mafia.

Die Festnahmen seien "Teil eines größeren Ermittlungseinsatzes mit dem Ziel, den flüchtigen Matteo Messina Denaro zu fassen, sowohl durch die zunehmende Schwächung seines kriminellen Netzwerkes als auch seiner wirtschaftlicher Ressourcen", erklärte die Polizei.

Denaro gilt als einflussreichster Mann in der Cosa Nostra. Nach dem Tod von Salvatore "Toto" Riina im November im Gefängnis soll der 55-Jährige zum "Boss der Bosse" der sizilianischen Mafia aufgestiegen sein. Er wird wegen einer Reihe von Verbrechen gesucht, darunter Dutzende Morde. Das einzige Foto von ihm, das den Behörden vorliegt, wurde Anfang der 90er Jahre aufgenommen.

Die italienische Nachrichtenagentur AGI und andere italienische Medien zitierten aus Abhörbändern, in denen einer der am Donnerstag Festgenommenen den Mord an dem 14-jährigen Giuseppe Di Matteo lobt, dessen Leiche nach der Tat in Säure aufgelöst worden war. Der Jugendliche war 1993 entführt worden, um seinen Vater, den abtrünnigen Mafioso Santino Di Matteo, davon abzubringen, weiter mit den Behörden zu kooperieren.

Eine Stimme sagt darin, das Vorgehen sei "das Richtige" gewesen. "Es stimmt, dass wir Kinder nicht anfassen, aber warum hast Du keinen Rückzieher gemacht?", heißt es offenbar an die Adresse von Santino Di Matteo gerichtet. "Dir war Dein Kind offenbar egal." Die Polizei bestätigte die Echtheit der Aufnahme.


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