18.04.2018, 15:36 Uhr

Den Haag (AFP) Inspektoren-Mission in Duma nach Schüssen auf UN-Team völlig ungewiss

UN-Team auf Weg von Damaskus nach Duma. Quelle: AFP/LOUAI BESHARA (Foto: AFP/LOUAI BESHARA)UN-Team auf Weg von Damaskus nach Duma. Quelle: AFP/LOUAI BESHARA (Foto: AFP/LOUAI BESHARA)

Beginn der Chemiewaffen-Untersuchung lässt weiter auf sich warten

Die internationale Mission zur Untersuchung des mutmaßlichen Giftgaseinsatzes in Syrien verzögert sich weiter. Ein Voraus-Team der UNO wurde in der Stadt Duma beschossen, als es die Sicherheitsbedingungen für den Einsatz der Waffeninspekteure prüfen wollte, wie ein UN-Vertreter am Mittwoch berichtete. Die Experten sitzen seit Samstag in Damaskus fest und warten bislang vergeblich auf ihren Einsatz.

Die Expertenmission steht unter Zeitdruck: Die Rückstände von Giftgas sind sehr flüchtig. Die Organisation für das Verbot Chemischer Waffen (OPCW) drang deshalb nach dem mutmaßlichen Giftgaseinsatz am 7. April auf eine rasche Untersuchung, um Beweise zu sichern.

Der Einsatz der Experten vor Ort in Duma verzögerte sich Angaben der OPCW dann aber zunächst, weil Syrien und sein Verbündeter Russland unter Verweis auf Sicherheitsbedenken keine Genehmigung zur Reise dorthin erteilten. Am Montag schließlich sicherte Russland für Mittwoch einen Beginn der Inspektion zu.

Am Mittwoch allerdings war der Einsatzbeginn weiterhin völlig offen, wie OPCW-Chef Ahmet Üzümcü in Den Haag erklärte. Üzümzü stellte Bedingungen für den Beginn der Mission seiner Inspektoren: Die UN-Sicherheitsexperten müssten grünes Licht für den Einsatz geben, zudem müsse das Inspektorenteam "ungehinderten Zugang zu allen Orten" bekommen.

Ein Erkundungsteam von UN-Sicherheitsexperten war am Dienstag in Duma unter Beschuss geraten und nach Damaskus zurückgekehrt, wie es von UN-Seite hieß. Verletzt worden sei niemand. Das Team habe in Duma prüfen sollen, ob die Sicherheit für die OPCW-Experten gewährleistet sei.

Der britische Botschafter am OPCW-Sitz in Den Haag, Peter Wilson, sagte, das UN-Sicherheitsteam sei in Duma von einer "großen Gruppe" Demonstranten feindselig empfangen worden. Später sei das Team zum "Ziel von Beschuss aus Kleinfeuerwaffen und einer Explosion" geworden, sagte der Botschafter. Diese Informationen habe er von der OPCW.

Das Katz-und-Maus-Spiel mit den Inspektoren ließ international die Sorge wachsen, dass alle Spuren des mutmaßlichen Giftgaseinsatzes beseitigt werden könnten. Die USA und Frankreich hatten bereits Russland verdächtigt, ebendies zu tun. Die syrische Regierung und ihr Verbündeter Russland bestreiten den Einsatz von Chemiewaffen.

Der Westen beschuldigt die syrische Staatsführung, in Duma international geächtete Chemiewaffen eingesetzt zu haben. Bei dem Angriff wurden nach Angaben örtlicher Helfer mindestens 40 Menschen getötet. In der Nacht zum Samstag bombardierten die USA, Frankreich und Großbritannien daraufhin nach eigenen Angaben mehrere Standorte der syrischen Chemiewaffenproduktion.

Die syrischen Regierungstruppen nahmen unterdessen die letzte Bastion der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bei Damaskus unter Beschuss. Die Armee habe am Mittwoch mehrere IS-Stellungen im früheren palästinensischen Flüchtlingslager Jarmuk und im Viertel Hadschar al-Aswad angegriffen, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Schon in der Nacht habe es dort Schusswechsel gegeben.

Nach Angaben der oppositionsnahen Organisation wurden bei den Kämpfen insgesamt sechs Menschen getötet, darunter mehrere Angehörige der Regierungstruppen. Die Beobachtungsstelle bezieht ihre Informationen von Aktivisten und Ärzten vor Ort, für Medien sind sie meist kaum zu überprüfen.


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