12.04.2018, 13:04 Uhr

London (AFP) OPCW bestätigt britische Erkenntnisse zum Nervengift im Fall Skripal

Julia Skripal. Quelle: FACEBOOK PAGE OF YULIA SKRIPAL/AFP/Archiv/- (Foto: FACEBOOK PAGE OF YULIA SKRIPAL/AFP/Archiv/-)Julia Skripal. Quelle: FACEBOOK PAGE OF YULIA SKRIPAL/AFP/Archiv/- (Foto: FACEBOOK PAGE OF YULIA SKRIPAL/AFP/Archiv/-)

Chemiewaffenexperten erklären Untersuchungsergebnisse für zutreffend

Die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) hat die Erkenntnisse der britischen Behörden zu dem Nervengift bestätigt, mit dem der russische Ex-Doppelagent Sergej Skripal vergiftet wurde. Bei einer Untersuchung von Blutproben von Skripal und seiner Tochter seien die Erkenntnisse Großbritanniens "in Bezug auf die Identität der toxischen Chemikalie" bestätigt worden, erklärte die OPCW am Donnerstag in einem in London vorgelegten Kurzbericht. Das verwendete Gift wird darin allerdings nicht direkt benannt.

Die britische Regierung hatte die internationalen Chemiewaffenexperten der OPCW gebeten, in dem Fall zu ermitteln. Der frühere russische Doppelagent Skripal und seine Tochter Julia waren am 4. März im südenglischen Salisbury vergiftet worden.

Die britischen Behörden gehen davon aus, dass bei der Tat ein Nervengift der Nowitschok-Gruppe aus sowjetischer Produktion zum Einsatz kam. Die britische Regierung macht daher Moskau für den Giftanschlag verantwortlich. Russland weist jedoch jede Verantwortung zurück. Der Fall führte zu einer schweren diplomatischen Krise zwischen Russland und Großbritannien sowie zahlreichen weiteren westlichen Staaten.

Die OPCW äußerte sich in dem veröffentlichten Kurzbericht nicht dazu, wer den Anschlag auf die Skripals verübt haben könnte. Die eingesetzte Substanz zeichnete sich nach Angaben der Experten aber durch eine "hohe Reinheit" aus. Ein vollständiger Bericht, der allerdings geheim ist, soll den Unterzeichnerstaaten der OPCW zur Verfügung gestellt werden.

Der britische Außenminister Boris Johnson erklärte, es gebe nun "keinen Zweifel" mehr über das bei dem Anschlag verwendete Gift und die Verantwortlichen. "Nur Russland hat die Mittel, das Motiv und die Erfahrung", erklärte Johnson. Er forderte den Kreml erneut auf, "Antworten zu geben".

Die britische Regierung berief für den 18. April ein Treffen des Exekutivrats der OPCW ein, um über das weitere Vorgehen zu beraten. London werde sich zusammen mit seinen Verbündeten unermüdlich dafür einsetzen, den "grotesken Einsatz von Waffen dieser Art auszumerzen", erklärte Johnson.

Sergej und Julia Skripal hatten bei dem Giftanschlag schwere Verletzungen davon getragen. Julia Skripal konnte das Krankenhaus mittlerweile verlassen, abgeschlossen ist ihre Behandlung aber noch nicht. Sie leide immer noch "unter den Auswirkungen des Nervengifts, das gegen uns eingesetzt wurde", erklärte die 33-Jährige nach Angaben der Londoner Polizei am Mittwoch. Ihr Vater sei "immer noch schwer krank".

Sergej Skripal, ein Oberst des russischen Militärgeheimdiensts, war 2006 in Russland wegen des Vorwurfs der Spionage für Großbritannien zu 13 Jahren Haft verurteilt worden. Im Zuge eines Gefangenenaustauschs kam er 2010 nach Großbritannien. Seine Tochter ist russische Staatsbürgerin und hatte ihren Vater in Großbritannien besucht.

Konsularische Hilfe durch die russische Botschaft lehnte sie nach eigenen Angaben aber ab. Sie sei über Ansprechpartner in der russischen Botschaft informiert worden, die "freundlicherweise" ihre Unterstützung angeboten hätten, sagte Julia Skripal nach Angaben der Polizei. Zum jetzigen Zeitpunkt" wolle sie "von diesem Angebot" keinen Gebrauch machen. Der Aufenthaltsort von Julia Skripal ist nicht bekannt.


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