10.04.2018, 12:57 Uhr

Frankfurt/Main (AFP) Hunderte Flüge wegen Warnstreiks im öffentlichen Dienst gestrichen

Kundgebung am Frankfurter Flughafen. Quelle: dpa/AFP/Arne Dedert (Foto: dpa/AFP/Arne Dedert)Kundgebung am Frankfurter Flughafen. Quelle: dpa/AFP/Arne Dedert (Foto: dpa/AFP/Arne Dedert)

In Frankreich streiken Air-France-Beschäftigte

Infolge der Warnstreiks im öffentlichen Dienst sind am Dienstag auch hunderte Flüge gestrichen worden. Allein an den größten deutschen Flughäfen Frankfurt am Main und München waren mehr als 100.000 Fluggäste betroffen, wie Flughafen-Sprecher erklärten. Der Flughafenverband ADV übte scharfe Kritik. Der Warnstreik lasse "jede Verhältnismäßigkeit vermissen". Derweil blieben auch in Frankreich wegen eines Streiks bei Air France hunderte Flugzeuge am Boden.

ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel kritisierte die Streiktaktik der Gewerkschaft Verdi. "Aufgrund der strikten Bestimmungen zur betrieblichen Sicherheit hat eine vergleichsweise geringe Streikbereitschaft große Folgen für den Ablauf an den Flughäfen." Um die angestrebte Öffentlichkeitswirkung zu erreichen, würden zehntausende Reisende in Mitleidenschaft gezogen.

Seit dem frühen Dienstagmorgen hatten Boden- und Kontrollpersonal sowie teilweise die Feuerwehr an den Flughäfen Frankfurt, München, Köln und Bremen die Arbeit niedergelegt. In Frankfurt strichen die Fluggesellschaften deshalb 660 von insgesamt 1450 Starts und Landungen des Tages - 74.000 Passagiere waren davon betroffen. Der Warnstreik von insgesamt 2000 Beschäftigten dort soll laut Verdi bis 18 Uhr laufen. Doch auch danach werde der Betrieb erstmal nicht störungsfrei laufen, wie eine Sprecherin sagte.

In München wurden knapp 400 der insgesamt 1200 geplanten Flüge vorsorglich abgesagt. Nach Angaben eines Flughafen-Sprechers betraf das mehr als 40.000 Passagiere. In Köln wurden laut Mitteilung 81 von 250 geplanten Flügen annulliert. Dort läuft der Streik bis Mittwoch sechs Uhr morgens. Die Fluggesellschaften konnten die meisten Passagiere rechtzeitig informieren, sodass die Lage in den Terminals nach Angaben von Sprechern ruhig war.

Nur vereinzelt saßen Streikbetroffene morgens am Frankfurter Flughafen, wie etwa der Porsche-Mitarbeiter Ashley Gillham, der für eine Konferenz nach Mallorca fliegen wollte und dann mit Kollegen für einen Teil der Strecke den Zug nehmen musste. Gillham zeigte Verständnis für den Warnstreik: "Das ist keine große Sache. So können wir um acht Uhr morgens Bier trinken." Insgesamt komme er nur eine Stunde später als geplant in Mallorca an.

Gillham sagte, er hoffe, dass die Streikenden sich mit ihrer Forderung nach mehr Gehalt durchsetzen könnten. Vor dem Terminal forderte Verdi-Chef Frank Bsirske auf einer Kundgebung vor hunderten Streikenden erneut sechs Prozent mehr Lohn für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst.

"Wir haben jetzt zwei Verhandlungsrunden rumgebracht, ohne dass wir vom Fleck gekommen sind", sagte Bsirske. "Die Arbeitgeber haben kein Angebot vorgelegt, und wir sind in der Sache noch sehr weit auseinander, deswegen ist es wichtig, dass das Signal aus den Betrieben jetzt kommt." Die dritte Verhandlungsrunde für die insgesamt 2,3 Millionen Tarifbeschäftigten im öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen steht am Sonntag und Montag an.

Bei der französischen Fluggesellschaft Air France fiel unabhängig davon ein Viertel der Flüge aus. Air France befindet sich seit sieben Wochen in einem Arbeitskampf mit den Gewerkschaften. Am Mittwoch sollen deshalb erneut rund 30 Prozent aller Flüge ausfallen. Auch für den 17. und 18. April sowie für den 23. und 24. April haben die Gewerkschaften zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen. Sie fordern ebenfalls sechs Prozent mehr Geld für die Beschäftigten.


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