09.04.2018, 18:43 Uhr

Münster (AFP) Ermittler: Amokfahrer von Münster handelte in Suizidabsicht

Tatort in Münster. Quelle: AFP/John MACDOUGALL (Foto: AFP/John MACDOUGALL)Tatort in Münster. Quelle: AFP/John MACDOUGALL (Foto: AFP/John MACDOUGALL)

48-Jähriger kündigte eindeutige Absicht nicht an

Der Amokfahrer von Münster hat nach Erkenntnissen der Ermittler eindeutig in Suizidabsicht gehandelt. Nach Analyse und Auswertung der vorliegenden Dokumente, Spuren und Aussagen seien sich die Ermittlungsbehörden sicher, sagte Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt am Montag laut einer gemeinsamen Mitteilung von Polizei und Staatsanwaltschaft.

Bei der Durchsuchung der Wohnung des 48-jährigen Täters hätten die Beamten neben mehreren Behältern mit Benzin und anderen Flüssigkeiten ein über einen Balken gelegtes Hanfseil mit Henkersknoten entdeckt. "Die geplante Verwendung der Stoffe durch den Täter und die Herkunft sind zum jetzigen Zeitpunkt unklar", sagte der Oberstaatsanwalt. "Das Seil jedoch ist ein eindeutiger Hinweis." Für die Suizidabsicht des Täters spreche auch die Tatsache, dass sich der Täter unmittelbar nach dem Stillstand des Fahrzeugs erschossen habe.

Im Magazin der Pistole hätten sich noch weitere Patronen befunden, hieß es weiter. "Offensichtlich wollte sich der Täter nach der Todesfahrt direkt selber richten", erklärte der Leiter der Ermittlungskommission, Kriminalhauptkommissar Joachim Poll. "Bei einer Gesamtschau der Indizien sind wir uns sicher, der Täter handelte in Suizidabsicht."

Den Ermittlern zufolge hatte der Mann diese eindeutige Absicht "entgegen anderslautender Berichte im Zeitraum vor der Tat weder dargelegt noch gegenüber Dritten geäußert". Von dem 48-Jährigen verschickte Nachrichten seien vielmehr "Ausdruck einer zumindest temporären, psychischen Labilität" gewesen.

Warum der Täter den Vorplatz einer Gaststätte als Ziel auswählte, ist nach Angaben der Ermittlungsbehörden weiterhin unklar. Sie gehen zudem der Frage nach, wie der Täter in den Besitz der Waffe gelangte. Dabei spiele auch die Frage eine Rolle, ob diese Waffe schon einmal im Zusammenhang mit einer Straftat eingesetzt wurde, hieß es.

Jens R. war am Samstagnachmittag in der Altstadt von Münster in Nordrhein-Westfalen mit seinem Auto in eine Restaurantterrasse gerast. Dabei wurden eine 51-jährige Frau und ein 65-jähriger Mann getötet, der Täter erschoss sich anschließend im Wagen. Bei der Attacke wurden nach Angaben der Universitätsklinik in Münster 25 Menschen verletzt, acht davon schwer. Drei Opfer schwebten laut Krankenhaus am Montag noch in Lebensgefahr.


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