09.04.2018, 11:31 Uhr

Damaskus (AFP) Luftangriff auf syrische Militärbasis nach mutmaßlicher Giftgasattacke in Duma


Damaskus und Moskau machen Israel für Angriff verantwortlich

Die syrische Regierung und ihr Verbündeter Russland haben Israel vorgeworfen, hinter einem Luftangriff auf eine syrische Militärbasis zu stecken. Der Luftwaffenstützpunkt T-4 in der Provinz Homs war in der Nacht zu Montag von mehreren Raketen getroffen worden, wobei 14 regierungstreue Kämpfer getötet wurden. Der Angriff erfolgte zwei Tage nach einem mutmaßlichen Giftgasangriff auf die letzte Bastion der Rebellen in Ost-Ghuta.

Zwei F-15-Kampfjets der israelischen Armee hätten den Stützpunkt in der Nacht mit acht Raketen attackiert, erklärte das russische Verteidigungsministerium. Die Raketen seien vom libanesischen Luftraum aus abgefeuert worden, ohne dass die israelischen Kampfjets in den syrischen Luftraum eingedrungen seien. Auch die syrische Armee machte Israel für den Angriff verantwortlich.

Bei dem Angriff auf den Militärflughafen T-4 in der zentralen Provinz Homs waren laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte 14 Menschen getötet wurden, darunter iranische Milizionäre. Die israelische Armee verweigerte jeglichen Kommentar zu dem Angriff, doch hatte die israelische Luftwaffe erst im Februar die Basis T-4 bombardiert.

Der Angriff wurde damals damit begründet, dass von dem Stützpunkt aus eine iranische Drohne in den israelischen Luftraum eingedrungen sei. Israel flog in den vergangenen Jahren dutzende Angriffe auf Ziele in Syrien. Meist richteten sie sich gegen Waffenkonvois für die libanesische Hisbollah-Miliz, aber auch gegen iranische Stützpunkte. In der Regel bekannte sich Israel nicht dazu.

Der jüngste Angriff erfolgte zwei Tage nach einem mutmaßlichen Giftgasangriff auf die Stadt Duma. Der Vorfall, bei dem laut Aktivisten 48 Menschen getötet wurden, sorgte international für scharfe Kritik. US-Präsident Donald Trump und sein französischer Kollege Emmanuel Macron sprachen sich bei einem Telefonat am Sonntagabend für eine "starke gemeinsame Antwort" aus.

Wie das französische Präsidialamt mitteilte, waren sie sich einig, dass alle Informationen auf einen Chemiewaffenangriff in der letzten Bastion der Rebellen in Ost-Ghuta hinwiesen. Trump drohte am Sonntagabend zudem der syrischen Regierung und ihren Verbündeten Russland und Iran im Kurzmitteilungsdienst Twitter mit einem "hohen Preis" für den Angriff in Duma.

Der US-Präsident hatte vor einem Jahr als Vergeltung für einen tödlichen Chemiewaffenangriff in der Kleinstadt Chan Scheichun einen syrischen Luftwaffenstützpunkt bombardieren lassen. Sowohl die USA als auch Frankreich versicherten am Montag aber, dass sie nicht für den Angriff auf die Basis T-4 verantwortlich seien.

Laut der Zivilschutzorganisation Weißhelme und der Hilfsorganisation Sams waren bei dem mutmaßlichen Giftgastangriff in Duma am Samstag 48 Menschen getötet worden. Mehr als 500 Menschen litten demnach unter Atembeschwerden. Die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) kündigte am Montag eine Untersuchung an, um zu klären, ob tatsächlich Chemiewaffen eingesetzt worden seien.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow sagte jedoch am Montag, russische Militärspezialisten hätten "keinerlei Spuren von Chlor oder einer anderen chemischen Substanz" in Duma gefunden. Der nächtliche Luftangriff auf die Basis T-4 sei eine "sehr gefährliche Entwicklung", sagte Lawrow.

Regierungssprecher Steffen Seibert sagte am Montag mit Blick auf den Giftgasangriff in Syrien vor einem Jahr, "alle bisherigen Untersuchungen deuten auf die Verantwortung des syrischen Regimes hin". Und auch bei dem neuerlichen "Giftgaseinsatz deuten die Umstände auf die Verantwortlichkeit des Assad-Regimes hin".

Die Bundesregierung verurteile den Einsatz von Giftgas "auf das Allerschärfste". Seibert forderte: "Russland muss seine Blockadehaltung im UN-Sicherheitsrat mit Blick auf eine Untersuchung von Chemiewaffeneinsätzen in Syrien aufgeben."

Duma ist die letzte Bastion der Rebellen in Ost-Ghuta. Bei einer wochenlangen blutigen Offensive eroberten die Truppen von Machthaber Baschar al-Assad inzwischen den Großteil der Region am Rande der Hauptstadt Damaskus zurück. Nach zwei anderen Rebellengruppen begann am Sonntag auch die Gruppe Dschaisch al-Islam mit dem Abzug ihrer Kämpfer aus Ost-Ghuta.


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