06.04.2018, 11:52 Uhr

Seoul (AFP) 24 Jahre Haft für Südkoreas Ex-Präsidentin Park wegen Korruption


66-Jährige soll außerdem knapp 14 Millionen Euro Strafe zahlen

Tiefer Fall einer früheren Staatschefin: In Südkorea ist Ex-Präsidentin Park Geun Hye am Freitag wegen Korruption und Machtmissbrauchs zu 24 Jahren Haft verurteilt worden. Park habe von mehreren Konzernen illegal umgerechnet etwa 18 Millionen Euro erhalten oder zugesagt bekommen, begründete das Gericht in Seoul den live im Fernsehen übertragenen Urteilsspruch. Der Skandal hatte das Land tief gespalten und Ende 2016 zu Parks Amtsenthebung geführt.

Zusätzlich zu der Haftstrafe wurde Park zur Zahlung von 18 Milliarden Won (knapp 14 Millionen Euro) verurteilt. Die Anklage hatte 30 Jahre Haft für die 66-Jährige sowie 118,5 Milliarden Won Geldstrafe gefordert. Park hat nun sieben Tage Zeit, gegen das Urteil Berufung einzulegen.

Park habe Unternehmen zur Zahlung immenser Bestechungsgelder gezwungen und dazu "illegal ihre präsidialen Befugnisse genutzt", sagte Richter Kim Se Yoon. Die Konzerne sollten demnach rund 18 Millionen Euro an Stiftungen zahlen, die von Parks langjähriger Vertrauten Choi Soon Sil kontrolliert wurden. Laut Anklage handelte es sich um die Konzerne Samsung, Lotte und SK.

Park wurde überdies schuldig gesprochen, Choi geheime Regierungsdokumente gezeigt zu haben. Außerdem habe sie als Staatschefin missliebige Künstler auf eine schwarze Liste gesetzt und kritische Regierungsmitarbeiter gefeuert.

Richter Kim kritisierte, dass Park während des gut zehnmonatigen Prozesses alle Vorwürfe zurückgewiesen und "keine Reue" gezeigt habe. Zur Urteilsverkündung erschien Park nicht. Laut südkoreanischer Nachrichtenagentur Yonhap wurde sie in einer Haftanstalt in Seoul über das Urteil informiert.

Vor dem Gericht in Seoul warteten hunderte Anhänger von Park. Auf einem ihrer Transparente stand "Stoppt die tödliche politische Rache" zu lesen. Als die Demonstranten das Hafturteil erfuhren, setzten oder legten sich viele von ihnen auf den Boden und begannen zu weinen. Andere starteten einen Protestzug durch die südkoreanische Hauptstadt.

Das Büro des aktuellen Staatschefs Moon Jae In erklärte, die Südkoreaner hätten sicherlich "unterschiedliche Gefühle" gegenüber Ex-Präsidentin Park. In jedem Fall aber sei die Verurteilung einer früheren Präsidentin "ein herzzerreißendes Ereignis für das Land".

Park, Tochter des Diktators Park Chung Hee, war 2013 ins Amt gekommen. Der weitverzweigte Korruptionsskandal um sie hatte landesweite Massenproteste ausgelöst. Im Dezember 2016 wurde Park vom Parlament abgesetzt, das Verfassungsgericht bestätigte die Amtsenthebung ein paar Monate später. Im Februar wurde Parks Vertraute Choi wegen der Korruptionsaffäre zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt.

Insbesondere Parks Verhältnis zu Choi hatte die Öffentlichkeit erbost. Die Vertraute der Präsidentin hatte keine offizielle Position inne und musste keine Sicherheitsüberprüfung durchlaufen. In südkoreanischen Medien wurde sie wegen ihres Einflusses auf die Staatschefin mit Rasputin verglichen.

Park ist nicht Südkoreas erstes Staatsoberhaupt, das juristisch verfolgt wird. Ihre Amtsvorgänger Chun Doo Hwan und Roh Tae Woo wurden in den 90er Jahren wegen Verrats und Korruption verurteilt, Ex-Präsident Lee Myung Bak, ist wegen Korruptionsverdachts in Untersuchungshaft. Richter Kim begründete daher sein Urteil gegen Park auch damit, dass er verhindern wolle, "dass solch ein bedauerliches Ereignis erneut passiert".

Auch wenn Park nun in Berufung gehen kann, ist es Experten zufolge unwahrscheinlich, dass Park straffrei ausgeht. "Angesichts ihrer Haltung und des öffentlichen Ärgers über ihren Skandal" werde es "schwierig, eine politische Umgebung zu schaffen, die für ihre baldige Entlassung günstig wäre", sagte Jeon Han Wool vom Forschungsinstitut Hankook Research der Nachrichtenagentur AFP.


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