04.04.2018, 17:47 Uhr

Den Haag (AFP) Russland will UN-Sicherheitsrat mit Streit um Skripal-Vergiftung befassen

OPCW-Sitz in Den Haag. Quelle: ANP/AFP/Bart Maat (Foto: ANP/AFP/Bart Maat)OPCW-Sitz in Den Haag. Quelle: ANP/AFP/Bart Maat (Foto: ANP/AFP/Bart Maat)

Sondersitzung der OPCW bringt keine Annäherung zwischen Moskau und London

Die Auseinandersetzung um den Giftanschlag auf den Ex-Spion Sergej Skripal zieht immer weitere Kreise. Russland beantragte am Mittwoch eine Sitzung des UN-Sicherheitsrates zu dem Fall. Russlands Präsident Wladimir Putin forderte eine Lösung im Sinne des "gesunden Menschenverstands", während sein Auslandsgeheimdienstchef eine britisch-amerikanische Geheimdienstverschwörung anprangerte. Eine Sondersitzung der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) brachte keine Annäherung.

Russlands Botschafter am Sitz der Vereinten Nationen in New York, Wassili Nebensia, forderte eine Sitzung des Sicherheitsrates am Donnerstag um 15.00 Uhr Ortszeit (21.00 Uhr MESZ). Anlass seien die Vorwürfe der britischen Premierministerin Theresa May, die Moskau für den Giftanschlag auf den ehemaligen Doppelagenten verantwortlich macht.

Russland weist jede Verantwortung für den Anschlag zurück. Während eines Besuchs in Ankara sagte Putin am Mittwoch, er erwarte, dass sich in dem Streit der "gesunde Menschenverstand" durchsetze und die internationalen Beziehungen nicht länger derart beschädigt würden. Der Konflikt müsse "basierend auf den grundlegenden Normen internationalen Rechts" beigelegt werden.

Skripal und seine Tochter Julia waren am 4. März im englischen Salisbury vergiftet worden. Der Fall hat zu der schwersten diplomatischen Krise zwischen Russland und Großbritannien sowie zahlreichen weiteren westlichen Staaten seit dem Kalten Krieg geführt. Viele westliche Staaten wiesen russische Diplomaten aus, worauf Russland ebenfalls mit Ausweisungen reagierte.

In Den Haag kam auf Bitten Russlands kurzfristig der OPCW-Exekutivrat zusammen, um den Giftanschlag hinter verschlossenen Türen zu beraten. Die britische Regierung hatte bereits zuvor die internationalen Chemiewaffenexperten der OPCW gebeten zu ermitteln. OPCW-Experten untersuchten Blutproben von Skripal und dessen Tochter. Ein Ergebnis lag am Mittwoch noch nicht vor.

Russland, vertreten durch seinen Niederlande-Botschafter Alexander Schulgin und den stellvertretenden Industrie- und Handelsminister Georgi Kalamanow, forderte eine Einbeziehung in die Untersuchungen. Die Stimmung bei dem Treffen hinter verschlossenen Türen sei "angespannt", hieß es aus Diplomatenkreisen.

Die britische Delegation, angeführt vom Chemiewaffenexperten John Foggo, lehnte Russlands Ansinnen mit scharfen Worten ab. "Russlands Vorschlag gemeinsamer Ermittlungen zum Vorfall in Salisbury ist pervers", erklärte die britische OPCW-Delegation auf dem Kurzbotschaftendienst Twitter. Dies sei eine "Ablenkungstaktik", um "Fragen auszuweichen, die die russischen Behörden beantworten müssen".

Vor dem Exekutivrat bezeichnete der Chemielabor-Leiter des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Ribaltschenko, die britischen Vorwürfe als "falsch und absurd". Nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur Interfax sagte Ribaltschenko, jedes moderne Labor könne die bei dem Anschlag verwendeten Substanzen herstellen. "Es gibt keinen einzigartigen Marker, der es erlaubt, ein Land als Hersteller der Substanz zu bestimmen."

Der Chef des russischen Auslandsgeheimdiensts, Sergej Naryschkin, bezeichnete Skripals Vergiftung als "groteske Provokation" der Geheimdienste Großbritanniens und der USA. Einige europäischen Staaten hätten jedoch keine Bedenken, London und Washington "ohne mit der Wimper zu zucken zu folgen", sagte Naryschkin am Mittwoch. Er warnte vor einer neuen Kuba-Raketenkrise wie im Oktober 1962, als die Welt am Rand eines Atomkrieges stand.


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