29.03.2018, 02:52 Uhr

Berlin (AFP) Facebook-Lobbyist: Soziales Netzwerk selbst an mehr Regulierung interessiert

Facebook-Lobbyist Richard Allan. Quelle: POOL/AFP/Archiv/KIRSTY WIGGLESWORTH (Foto: POOL/AFP/Archiv/KIRSTY WIGGLESWORTH)Facebook-Lobbyist Richard Allan. Quelle: POOL/AFP/Archiv/KIRSTY WIGGLESWORTH (Foto: POOL/AFP/Archiv/KIRSTY WIGGLESWORTH)

Richard Allan spricht sich für genaue Vorgaben für politische Werbung aus

Facebook ist nach Angaben seines Cheflobbyisten in Europa selbst an einer stärkeren Regulierung seiner Geschäftstätigkeit in bestimmten Bereichen interessiert. "Tatsächlich wäre mehr Regulierung sogar großartig", sagte der Vizepräsident für Public Policy bei Facebook, Richard Allan, der Zeitung "Die Welt" (Donnerstagsausgabe). "Einige Felder, auf denen wir uns bewegen, schreien sogar nach Regulierung."

Besonderen Regelungsbedarf sieht Allan nach eigenen Angaben bei der Schaltung politischer Werbung in dem sozialen Netzwerk. "Die Regeln auf diesem Feld sollten von Regierungen, Parteien und Regulatoren gemacht werden", sagte er der "Welt". Dabei sei auch die grundsätzliche Frage zu stellen, ob es überhaupt gezielte politische Werbung geben sollte.

Allan, seit einigen Jahren Facebooks Cheflobbyist in Europa, versicherte, sein Unternehmen werde der neuen Datenschutzgrundverordnung der Europäischen Union in allen Punkten entsprechen. Sie tritt am 25. Mai in Kraft. Im Zuge der neuen Regulierung sei die Möglichkeit für Nutzer des Netzwerks vereinfacht worden, Einstellungen zur Sicherheit und Privatsphäre vorzunehmen.

Zu Forderungen von Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD), den Facebook-Algorithmus für Nutzer transparent zu machen, sagte Allan: "Wir stimmen darin überein, dass wir besser erklären müssen, wie der Algorithmus funktioniert." Eine komplette Offenlegung halte er hingegen für "nicht sinnvoll". Zur unerlaubten Weitergabe von Nutzerdaten durch Dritte sagte Allan, nötig sei "vor allem ein scharfes Vorgehen gegen und harte Konsequenzen für Kriminelle".

Allans Unternehmen steht derzeit wegen des Skandals um die mutmaßliche Abschöpfung der Daten von mehr als 50 Millionen Facebook-Nutzern durch die britische Datenanalysefirma Cambridge Analytica unter Druck. Die Daten sollen für den Wahlkampf des heutigen US-Präsidenten Donald Trump ausgewertet und genutzt worden sein. In den USA leitete die Verbraucherschutzbehörde FTC Ermittlungen dazu ein, in Großbritannien prüft die Datenschutzbeauftragte den Fall.

Am Mittwoch kündigte Facebook weitere Schritte zum besseren Schutz der Privatsphäre seiner Nutzer an. Sie sollen den Nutzern einen leichteren Überblick darüber verschaffen, welche ihrer persönlichen Daten von Facebook gespeichert worden sind, und ihnen dabei helfen, solche Daten zu löschen.

Mittels eines neuen Menüs könnten die Nutzer auch kontrollieren, wer Zugang zu ihren Daten und Online-Aktivitäten bekommt und welche Werbeanzeigen auf ihrer Seite erscheinen, teilten die Facebook-Datenschutzmanagerin Erin Egan und die Vizechefin der Rechtsabteilung, Ashlie Beringer, am Mittwoch mit.

Ein paar Stunden später kündigte Facebook überdies an, eine Funktion namens "Partnerkategorien" abzuschaffen, die Unternehmen eine gezielte Werbung auf Grundlage persönlicher Daten erlaubte. Auch wenn dies "eine gängige Praxis der Branche" sei, werde die Funktion innerhalb der kommenden sechs Monate abgeschafft, um "die Vertrauenswürdigkeit von Facebook zu verbessern", erklärte Marketing-Vertreter Graham Mudd.


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