27.03.2018, 12:50 Uhr

Taschkent (AFP) Moskau kritisiert Diplomatenausweisungen als Ergebnis von Washingtons Druck

Finnland beteiligt sich an Ausweisungen. Quelle: Lehtikuva/AFP/Vesa Moilanen (Foto: Lehtikuva/AFP/Vesa Moilanen)Finnland beteiligt sich an Ausweisungen. Quelle: Lehtikuva/AFP/Vesa Moilanen (Foto: Lehtikuva/AFP/Vesa Moilanen)

London spricht von "Wendepunkt" in den Beziehungen zu Russland

Russlands Außenminister Sergej Lawrow hat Washington für die Ausweisung zahlreicher Diplomaten seines Landes aus westlichen Staaten verantwortlich gemacht. Die Ausweisungen seien das "Ergebnis kolossalen Drucks, kolossaler Erpressung" seitens der USA, sagte Lawrow am Dienstag in Usbekistan. Unterdessen wiesen auch Australien und Irland russische Diplomaten aus. Der britische Außenminister Boris Johnson nannte die gemeinsame Aktion des Westens einen "Wendepunkt" in den Beziehungen zu Russland.

Der russische Chef-Diplomat Lawrow nannte Erpressung Washingtons "Hauptinstrument auf der internationalen Bühne". Selbstverständlich werde Russland auf die Ausweisungen seiner Diplomaten reagieren. Ein solches "launisches Verhalten" könne nicht unbeantwortet bleiben, fügte Lawrow hinzu.

Zuvor hatten mehr als 20 Staaten als Reaktion auf den Giftangriff auf den ehemaligen russischen Doppelagenten Sergej Skripal am 4. März im britischen Salisbury in einer koordinierten Aktion mehr als 110 russische Diplomaten zur Ausreise aufgefordert.

Am Dienstag schlossen sich Australien und Irland der Aktion an. Australien wies nach Behördeninformationen zwei russische Geheimdienstmitarbeiter aus. Irland forderte einen russischen Diplomaten zur Ausreise auf. Die Attacke in Salisbury sei ein Angriff auf das internationale Regeln-System, "auf das wir alle für unsere Sicherheit und unser Wohlbefinden angewiesen sind", erklärte das Außenministerium in Dublin.

London macht Moskau für den Angriff verantwortlich, bei dem das in der Sowjetunion entwickelte militärische Nervengift Nowitschok eingesetzt worden sein soll. Russland weist den Vorwurf zurück und fordert gemeinsame Ermittlungen zu dem Vorfall.

Bisher wurden in den vergangenen beiden Tagen mindestens 117 russische Diplomaten aus 24 Ländern ausgewiesen. Der britische Außenminister Johnson nannte die massenhaften Ausweisungen einen "Wendepunkt" in den Beziehungen des Westens mit Russland. Es handele sich um einen "Schlag, von dem sich der russische Geheimdienst viele Jahre nicht erholen wird", schrieb Johnson in der Zeitung "Times".

Der Politikexperte Fedor Lukjanow nannte die Ausweisungen in der russischen Zeitung "Vedomosti" "besonders zerstörerisch" für das Verhältnis zwischen Russland und den USA. Die Beziehungen zwischen Moskau und dem Westen seien auf dem Weg in eine neue "Periode des Kalten Krieges".

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg wollte am Dienstagnachmittag eine Reaktion der Militärallianz auf den Nervengiftanschlag in Großbritannien bekannt geben.


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