25.03.2018, 12:44 Uhr

Washington (AFP) Mehr als eine Million Menschen demonstrieren für Verschärfung von US-Waffenrecht


Wut und Trauer bei riesiger Kundgebung in Washington

Bei Demonstrationen von historischem Ausmaß haben in den USA mehr als eine Million Menschen gegen die laxen Waffengesetze in ihrem Land protestiert. Allein an der zentralen Kundgebung in der Hauptstadt Washington nahmen am Samstag nach Angaben der Organisatoren rund 800.000 Menschen teil. In den USA und im Ausland gab es unter dem Motto "Marsch für unsere Leben" rund 800 Demonstrationen. Emotionale Auftritte von Überlebenden des Schulmassakers von Parkland rührten viele Teilnehmer zu Tränen.

So verharrte die Parkland-Schülerin Emma Gonzalez in Washington minutenlang schweigend am Mikrofon, während ihr Tränen die Wangen hinunterliefen. Ihr Schweigen brach die 17-Jährige mit den kurzgeschorenen Haaren, die zu einem der bekanntesten Gesichter der Protestbewegung geworden ist, dann sechs Minuten und 20 Sekunden nach Beginn ihres Auftritts - genauso lang hatte das Morden an ihrer Marjory Stoneman Douglas High School am Valentinstag gedauert.

"In wenig mehr als sechs Minuten sind uns 17 unserer Freunde genommen worden", sagte Gonzalez. "Und jeder, absolut jeder, wurde für immer verändert".

Ein ehemaliger Mitschüler der High School im US-Bundesstaat Florida hatte am 14. April mit einem Schnellfeuergewehr 17 Menschen erschossen. Das Blutbad löste eine gewaltige, von Schülern angeführte Protestbewegung gegen die Schusswaffengewalt und für eine Verschärfung des laxen US-Waffenrechts aus. Die Demonstrationen vom Samstag waren die größten Proteste dieser Art seit dem "Million Mom March" im Jahr 2000.

"Wir sind der Wandel", rief der 17-jährige Cameron Kasky, ein weiterer Parkland-Überlebender, von der nahe des US-Kongresses aufgebauten Rednertribüne. "Politiker: Entweder, ihr vertretet das Volk, oder ihr verschwindet."

Seine durch die Schusswaffengewalt geprägte Generation wolle mit langem Atem für eine "sichere Zukunft" kämpfen, bekräftigte Kasky. Der jetzige Marsch sei "nicht der Höhepunkt dieser Bewegung. Er ist der Anfang." Der Schüler David Hogg forderte, den Einfluss der mächtigen Waffenlobby National Rifle Association (NRA) einzuschränken.

Bei der Kundgebung in Washington sprach auch die neunjährige Enkelin des schwarzen Bürgerrechtlers Martin Luther King. Auch sie habe "einen Traum", sagte Yolanda Renee King in Anlehnung an das berühmteste Zitat ihres Großvaters: "Dies sollte eine Welt ohne Waffen sein. Punkt!"

Zahlreiche Prominente unterstützten den Protest. Die Reden wechselten sich mit Auftritten der Sängerinnen Miley Cyrus, Ariana Grande, Jennifer Hudson, Demi Lovato und des Rappers Common ab.

Demonstriert wurde in einer Reihe weiterer Großstädte, unter anderem in New York, Chicago, Atlanta, Dallas, Houston, Seattle und Los Angeles. In New York gingen laut Bürgermeister Bill de Blasio 175.000 Menschen auf die Straße, unter ihnen war als prominenter Unterstützer Ex-Beatle Paul McCartney. Auch im Ausland gab es Solidaritätskundgebungen.

Die neue Protestbewegung gegen die Schusswaffengewalt war spontan nach dem Schulmassaker in Parkland entstanden und wuchs sich zu einer breiten Bewegung aus. Zu den prominenten Unterstützern zählen auch Justin Bieber, Justin Timberlake, George Clooney, Oprah Winfrey und Steven Spielberg.

In Florida wurde unter dem Druck der Bewegung bereits ein verschärftes Waffenrecht in Kraft gesetzt, das unter anderem das Mindestalter für den Waffenerwerb von 18 auf 21 Jahre heraufsetzte. In Washington hat sich hingegen bislang wenig beim Waffenrecht bewegt.

Am Vortag der Demonstrationen legte die Regierung zwar einen Entwurf zum Verbot von sogenannten bump stocks vor; dies sind Aufsatzvorrichtungen, mit denen halbautomatische Waffen zu vollautomatischen aufgerüstet werden. Kritiker halten das aber für viel zu wenig. In den USA sterben jedes Jahr mehr als 30.000 Menschen durch Schusswaffen.


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