25.03.2018, 08:55 Uhr

Mainz (AFP) Rund 2000 Menschen demonstrieren in Kandel gegen Rechts

Malu Dreyer (Mitte) bei Demonstration in Kandel. Quelle: dpa/AFP/Uli Deck (Foto: dpa/AFP/Uli Deck)Malu Dreyer (Mitte) bei Demonstration in Kandel. Quelle: dpa/AFP/Uli Deck (Foto: dpa/AFP/Uli Deck)

Auch Ministerpräsidentin Dreyer nimmt an Kundgebung teil

Gegen rechtspopulistische Kundgebungen nach der tödlichen Messerattacke auf eine 15-Jährige sind am Samstag im pfälzischen Kandel hunderte Menschen auf die Straße gegangen. An der Demonstration unter dem Motto "Wir sind Kandel", an der auch die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) teilnahm, beteiligten sich laut Polizei rund 2000 Menschen. Dem Aufruf der rechtspopulistischen Initiative "Kandel ist überall" folgten knapp 1000 Menschen.

Hintergrund der Demonstrationen ist die tödliche Messerattacke auf ein 15-jähriges Mädchen in Kandel im Dezember. Der mutmaßliche Täter war ein aus Afghanistan stammender Flüchtling, der 2016 unbegleitet nach Deutschland kam. Die 15-Jährige war seine Ex-Freundin.

Die Messerattacke hatte bundesweit Entsetzen, aber auch politische Debatten über Alterstests bei jungen Flüchtlingen ausgelöst. Der Beschuldigte hatte angegeben, zur Tatzeit erst 15 Jahre alt gewesen zu sein. Einem medizinischen Gutachten zufolge ist er jedoch deutlich älter.

Kandel kommt seither nicht zur Ruhe und ist nicht zum ersten Mal Schauplatz von Demonstrationen. An diesem Wochenende rief nun ein breites Bündnis aus Politik, Kirchen, Gewerkschaften und Unternehmerverbänden zu einer Demonstration gegen Rechts auf. Dreyer sagte in Kandel, sie stehe gemeinsam mit der Landesregierung an der Seite der Bürger, "die für ein weltoffenes, liberales und gewaltfreies Miteinander eintreten".

Die Reaktion auf die "schreckliche Gewalttat" könne nicht Fremdenfeindlichkeit und Hass sein, mahnte die SPD-Politikerin. Kandel dürfe nicht zu einem Ort der demokratiefeindlichen Propaganda gemacht werden. Den Teilnehmern der Gegendemonstration dankte sie für ihr Engagement.

Bei den Demonstrationen am Samstag kam es laut Polizei zu vereinzelten Ausschreitungen. Linksgerichtete Teilnehmer griffen demnach Polizisten an, weshalb diese Pfefferspray und Schlagstöcke einsetzten. Drei Beamte seien leicht verletzt worden.

Fünf Demonstranten wurden der Polizei zufolge vorläufig festgenommen. Gegen einen Tatverdächtigen wurde demnach Strafanzeige erstattet, weil er den Hitlergruß zeigte.


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