23.03.2018, 23:01 Uhr

Trèbes (AFP) Islamist tötet bei Angriffsserie in Südfrankreich mindestens drei Menschen

Sicherheitskräfte vor dem Supermarkt in Trèbes. Quelle: AFP/PASCAL PAVANI (Foto: AFP/PASCAL PAVANI                       )Sicherheitskräfte vor dem Supermarkt in Trèbes. Quelle: AFP/PASCAL PAVANI (Foto: AFP/PASCAL PAVANI )

Spezialeinheit erschießt Täter - IS reklamiert Anschlag für sich

Ein Islamist hat am Freitag bei einer Angriffsserie in Südfrankreich drei Menschen getötet und mehrere weitere verletzt. Der 25-Jährige wurde schließlich bei einer Geiselnahme in einem Supermarkt der Kleinstadt Trèbes von Spezialeinheiten erschossen. Staatschef Emmanuel Macron sprach von einem "islamistischen Terroranschlag", die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bezeichnete den Angreifer als einen ihrer "Soldaten".

Der Angreifer, ein in Marokko geborener Franzose, raubte nach Angaben des Anti-Terror-Staatsanwalts François Molins am Freitagvormittag zunächst in der Stadt Carcassonne ein Auto. Er tötete einen der Insassen und verletzte den Fahrer schwer. Kurze Zeit später verletzte er mit Schüssen einen Polizisten, der mit Kollegen vom Joggen zurückkam.

Der Angreifer fuhr schließlich in das nahegelegene Trèbes, stürmte in einen Supermarkt der Kette "Super U" und erschoss einen Mitarbeiter und einen Kunden. Er habe in dem Supermarkt "Allah Akbar" (Gott ist der Größte) gerufen und sich als "Soldaten" des IS bezeichnet, sagte Molins. Er habe gesagt, er sei bereit für Syrien zu sterben, und habe die Freilassung inhaftierter "Brüder" gefordert.

Zahlreiche Kunden konnten fliehen, die Polizei rückte mit einem Großaufgebot an und umstellte den Supermarkt. Später ließ sich ein Gendarm gegen eine weibliche Geisel austauschen. Als der Geiselnehmer auf den Beamten feuerte, stürmten Eliteeinheiten der Gendarmerie den Supermarkt und erschossen den Angreifer, wie Molins sagte. Der Gendarm erlitt lebensgefährliche Verletzungen.

"Er hat Leben gerettet und seinen Kollegen und seinem Land Ehre erwiesen", würdigte Staatschef Macron den Einsatz des Beamten. Innenminister Gérard Collomb lobte den "Heldenmut" des Gendarmen.

Der Islamist war den Behörden wegen Verstößen gegen das Waffen- und Drogenrecht bekannt. Staatsanwalt Molins sagte, er sei zudem wegen Verbindungen zur Salafisten-Szene ins Visier der Geheimdienste geraten. Es habe aber keine Anzeichen dafür gegeben, dass er zur Tat schreiten könnte.

Innenminister Collomb sagte, die Sicherheitsbehörden hätten den Mann zwar observiert, hätten aber keine Radikalisierung feststellen können. Der junge Mann sei ein Einzeltäter und "unerwartet zur Tat geschritten". Eine enge Bekannte des Angreifers wurde später festgenommen. Die IS-Miliz erklärte über ihr Sprachrohr Amaq, einer ihrer "Soldaten" sei für den Angriff verantwortlich.

"Unser Land hat heute einen islamistischen Terroranschlag erlitten", sagte Macron nach einer Krisensitzung im Pariser Innenministerium. Er sei "absolut entschlossen", den Kampf gegen den Terrorismus fortzusetzen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte dem Nachbarland die Unterstützung Deutschlands zu. "Wo immer wir helfen und unterstützen können, werden wir das tun." EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sagte in Brüssel: "Frankreich wurde erneut von einer feigen und blutigen Tat getroffen."

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) verurteilte die "hinterhältige Geiselnahme in Südfrankreich in aller Schärfe". "Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen der Opfer und bei unseren französischen Freunden, die erneut von Terrorismus und sinnloser Gewalt getroffen werden", erklärte Maas. "Wir werden weiter entschlossen gegen diese perfide Gewalt kämpfen, die eine gesamte Religion für ihre Zwecke missbraucht und die auf der ganzen Welt Menschen das Leben nimmt."

Frankreich war in den vergangenen Jahren wiederholt Ziel islamistischer Anschläge, dabei wurden mehr als 240 Menschen getötet. Bei der letzten Attacke in Marseille waren am 1. Oktober zwei Menschen getötet worden. Am tödlichsten war die Angriffsserie im November 2015 in Paris, bei der Islamisten 130 Menschen töteten.


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