23.03.2018, 10:40 Uhr

Karlsruhe (AFP) Bundesanwaltschaft ermittelt gegen deutschen mutmaßlichen Taliban-Berater

Bundesanwaltschaft übernimmt Ermittlungen. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Franziska Kraufmann (Foto: dpa/AFP/Archiv/Franziska Kraufmann)Bundesanwaltschaft übernimmt Ermittlungen. Quelle: dpa/AFP/Archiv/Franziska Kraufmann (Foto: dpa/AFP/Archiv/Franziska Kraufmann)

Verdacht der Mitgliedschaft in einer ausländischen Terrorvereinigung

Die Bundesanwaltschaft hat die Ermittlungen zu dem in Afghanistan gefassten mutmaßlichen Militärberater der Taliban aus Deutschland übernommen. Dies sagte eine Sprecherin der Behörde am Freitag der Nachrichtenagentur AFP und bestätigte damit einen Bericht des Südwestrundfunks (SWR). Ermittelt wird demnach wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer ausländischen Terrorvereinigung.

Weitere Angaben machte die Sprecherin der Behörde nicht. Die afghanischen Behörden hatten Anfang März mitgeteilt, den Deutschen festgenommen zu haben, der als Militärerater für die radikalislamischen Taliban tätig gewesen sein soll. Er wurde demnach bei einem Einsatz afghanischer Spezialeinheiten in der südlichen Unruheprovinz Helmand gefasst.

Zunächst ermittelte die Generalstaatsanwaltschaft Koblenz, nach deren Angaben es sich bei dem Mann um einen aus der rheinland-pfälzischen Stadt Worms stammenden mutmaßlichen Islamisten mit deutscher Staatsangehörigkeit handelt. Laut SWR soll die Bundesanwaltschaft nun das Bundeskriminalamt mit den weiteren Ermittlungen in dem Fall beauftragt haben.

Offenbar hätten sich die Hinweise verdichtet, dass der festgenommene Thomas K. ein aktives Mitglied der Taliban gewesen sein könnte, berichtete der SWR. Nach afghanischen Armeeangaben soll der Mann Militärberater des Kommandeurs der Taliban-Elitetruppe "Rote Einheit" in Helmand, Mullah Nasir, gewesen sein. Diese wird für tödliche Anschläge auf afghanische Sicherheitskräfte verantwortlich gemacht.

Nach einem früheren Bericht des Magazins "Focus" halten deutsche Sicherheitskreise auch eine Verwicklung des Manns in einem schweren Anschlag auf das Diplomatenviertel in der afghanischen Hauptstadt Kabul für möglich. Dabei waren Ende Mai 2017 mehr als 150 Menschen getötet worden, die deutsche Botschaft war bei der Explosion schwer beschädigt worden.

Wie der SWR ebenfalls unter Berufung auf Sicherheitskreise berichtete, gibt es dafür aber keine gesicherten Belege. Demnach hatte die Bundesanwaltschaft ferner bereits vor 2010 gegen K. ermittelt. Damals ging es um Aktivitäten für eine Wormser Hilfsorganisation, die im Verdacht stand, Spenden für eine im Kaukasus aktive Islamistengruppierung zu sammeln. Die Ermittlungen wurden wieder eingestellt.

Nach einem früheren Bericht der "Welt" soll der Mann den deutschen Behörden seit 2009 als radikalisierter Islamist bekannt gewesen sein. Er reiste nach Informationen der Zeitung bereits 2013 nach Afghanistan oder Pakistan aus.


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