22.03.2018, 20:44 Uhr

Harasta (AFP) Erste syrische Rebellengruppen ziehen aus Ost-Ghuta ab

Busse bringen Rebellen aus Harasta in Ost-Ghuta. Quelle: AFP/STR (Foto: AFP/STR)Busse bringen Rebellen aus Harasta in Ost-Ghuta. Quelle: AFP/STR (Foto: AFP/STR)

Vereinbarung sieht Evakuierung hunderter islamistischer Kämpfer vor

Eine erste Gruppe islamistischer Kämpfer hat am Donnerstag ihre Hochburg Ost-Ghuta in der Nähe der syrischen Hauptstadt Damaskus verlassen. Das syrische Staatsfernsehen und ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten über die Abfahrt von Bussen mit Kämpfern und ihren Familien aus der Stadt Harasta in Richtung der Provinz Idlib. Dort wurden bei Luftangriffen auf einen Markt der Ortschaft Harem an der Grenze zur Türkei nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mindestens 28 Zivilisten getötet.

Die amtliche syrische Nachrichtenagentur Sana meldete, mehr als 1580 Menschen, einschließlich 413 Kämpfer hätten Harasta in 30 Bussen verlassen. Bei den Kämpfern handelte es sich um Mitglieder der islamistischen Gruppierung Ahrar al-Scham. Einer ihrer Sprecher, Munser Fares, sagte, die Evakuierung könne einige Tage dauern. Die Gruppe hatte eine entsprechende Vereinbarung mit der Regierung von Baschar al-Assad unter Vermittlung von dessen Verbündetem Russland geschlossen. Damaskus sei nicht direkt daran beteiligt gewesen, sagte der syrische Versöhnungsminister Ali Haidar AFP.

Insgesamt sollen laut Sana etwa 1500 Kämpfer und 6000 Angehörige etappenweise aus Harasta gebracht werden. Einer der dortigen Rebellensprecher, Hossam al-Beyruthi sagte AFP, die Stadt sei durch die Luft- und Bodenoffensive der Armee "vollkommen zerstört". Die humanitäre Lage der Bevölkerung sei "dramatisch".

Die Evakuierung von Harasta begann am späten Vormittag mit mehrstündiger Verspätung. Gemäß der am Mittwoch verkündeten Vereinbarung werden die Kämpfer in Rebellengebiete in der nordwestlichen Provinz Idlib gebracht. Mit dem Abzug von Ahrar al-Scham aus Harasta bleiben nur noch zwei Teile von Ost-Ghuta in der Hand der Rebellen: Die Stadt Duma im Norden und ein Gebiet um Samalka im Süden.

In Samalka wurden der Beobachtungsstelle zufolge am Donnerstag 16 Zivilisten durch Lustfangriffe getötet. Ein AFP-Journalist beobachtete unterdessen die Flucht hunderter Zivilisten aus Duma. Die Beobachtungsstelle gab die Zahl der aus der Großstadt geflohenen Zivilisten allein für Donnerstag mit mehr als 4000 an.

Der Abzug der Kämpfer von Ahrar al-Scham erhöht den Druck auf die verbliebenen Rebellen, Ost-Ghuta ebenfalls zu verlassen. Bisher feuerten sie Geschosse auf Wohnviertel in Damaskus ab. Bei einem der tödlichsten Raketenangriffe der vergangene Monate wurden in der Hauptstadt am Dienstagabend 44 Zivilisten getötet. Am Donnerstag gab es dort laut staatlichem Fernsehen vier zivile Todesopfer.

Duma, die größte Stadt in Ost-Ghuta, wird von der Islamistengruppen Dschaisch al-Islam kontrolliert. Die islamistischen Kämpfer von Fajlak al-Rahman haben in noch näher an Damaskus gelegenen Ortschaften das Sagen.

Die in Großbritannien ansässige Stelle mit Verbindungen nach Syrien teilte zu den Luftangriffen in Harem in der nordwestlichen Provinz Idlib mit, unter den 28 Toten seien elf Kinder. Die Ortschaft werde vom Dschihadistenbündnis Hajat Tahrir al-Scham (HTS) um den ehemaligen syrischen Al-Kaida-Ableger kontrolliert. "Wahrscheinlich" handele es sich um Angriffe der russischen Luftwaffe.

Bei der Armee-Offensive auf Ost-Ghuta wurden laut der Beobachtungsstelle seit dem 18. Februar mehr als 1500 Zivilisten getötet. Mehr als 80.000 Menschen flohen demnach vor den Kämpfen. Die Angaben der in Großbritannien ansässigen Organisation stammen von Informanten in Syrien und sind kaum zu überprüfen.


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